Handball

Titelverteidiger THW Kiel hakt die Meisterschaft ab

Nach der überraschenden Heimniederlage gegen Großwallstadt glauben die Spieler des THW Kiel selbst nicht mehr an den siebten Meistertitel in Folge.

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Die Festung ist gefallen, die Titelträume sind so gut wie geplatzt: Mit hängenden Köpfen und leeren Blicken schlichen die Profis des deutschen Handball-Rekordmeisters THW Kiel nach der 25:28 (12:12)-Pleite gegen den TV Großwallstatdt vom Parkett. „Jetzt ist die Meisterschaft entschieden“, sagte Ex-Nationalspieler Christian Zeitz: „Das haben wir uns selbst zuzuschreiben.“ 1239 Tage waren die Kieler in der heimischen Halle ungeschlagen geblieben. Auch die Partie gegen Großwallstadt sollte zum Selbstläufer werden. Wirkliche Eigendynamik entwickelten aber nur die Fehlerketten des THW.

„Wir haben einfach schlecht gespielt - hinten und vorne“, meinte Kiels Trainer Alfred Gislason, dessen Mannschaft acht Runden vor dem Saisonende sechs Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter HSV Hamburg hat. „Das wird sich Hamburg wohl kaum noch nehmen lassen“, sagte Rückraumspieler Daniel Kubes. Selbst ein Sieg im direkten Duell mit den Hanseaten am 20. April vor eigenem Publikum wäre wohl allenfalls noch ein Prestigeerfolg. Der HSV müsste sich mindestens zwei weitere Patzer leisten und Kiel alle ausstehenden Spiele gewinnen.

Für die Hamburger war die Niederlage des Dauerrivalen derweil der perfekte Abschluss eines entspannten Tages. Trainer Martin Schwalb hatte seinem Team am Dienstag eine Pause gewährt. Zusätzliche Kräfte dürfte bei den Hanseaten aber vor allem die neue Tabellensituation freigesetzt haben. „Uns sollte das nochmal Auftrieb geben, falls wir den überhaupt noch brauchen“, sagte Nationalspieler Stefan Schröder der "Hamburger Morgenpost": „Die Chance ist definitiv da.“

Land unter an der Kieler Förde

Sechsmal in Folge hatten sich die Kieler zuletzt den Titel gesichert. Der HSV war bestenfalls auf Platz zwei abonniert. Nun haben die Hamburger Oberwasser. An der Förde herrscht vorerst Land unter. „Die Niederlage gegen Großwallstadt ist natürlich ganz bitter, wenn man sich die Gesamtkonstellation ansieht“, sagte THW-Geschäftsführer Uli Derad: „Es gilt jetzt, sich von diesem Spiel zu erholen. Dann schauen wir mal, wie weit wir noch kommen in dieser Saison.“

Immerhin liegen die Kieler im Kampf um zwei andere Titel weiter gut im Rennen: in der Champions League und im DHB-Pokal. Am Samstag geht es in der Königsklasse im Achtelfinal-Rückspiel gegen KIF Kolding. Nach dem 36:29-Sieg im ersten Duell in Dänemark dürfte das Weiterkommen für den Titelverteidiger zur Formsache werden.

Im Final Four des DHB-Pokals könnten die Kieler dann auch den HSV noch ein wenig ärgern. Die Hamburger haben den Einzug in das Endturnier in ihrer heimischen Halle verpasst und müssen am 7. und 8. Mai nun vielleicht tatenlos mitansehen, wie der THW die Trophäe aus der Hansestadt entführt - den Kielern bliebe dann wenigstens ein schwacher Trost.