Kluges Kalkül

Warum die Frauen-WM im Sommer ein Erfolg wird

Am Freitag sind es 100 Tage bis zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Deutschland. Die Fifa hat gut kalkuliert.

In 100 Tagen soll der große Bogen geschlagen werden. In Berlin, wo die als „Sommermärchen“ eingegangene Fußball-Weltmeisterschaft der Männer endete, wird an selber Stelle das „Sommermärchen, Teil II“ beginnen. Dann starten Deutschlands Fußballspielerinnen in ihre WM. Es wird ein Turnier, wie es die Welt noch nicht gesehen hat.

Erstklassige Stadien, gutgefüllte Ränge und Begeisterung im Gastgeberland sind zu erwarten – bei Ereignissen des Frauenfußballs ist das keine Selbstverständlichkeit. Alle Spiele werden live im Fernsehen gezeigt, für den Auftakt in der Hauptstadt wird schon bald keine Karte mehr zu bekommen sein: 74.000 Zuschauer bedeuten Europarekord.

Der Weltverband Fifa hat 2007 wohl kalkuliert die WM den Deutschen zugeschlagen. Der Fußball ist an seine Grenzen gestoßen, bei den Männern ist das Potenzial nahezu ausgeschöpft. Bei den Frauen sind dagegen noch große Wachstumsraten möglich. Die Herren der Fifa wissen, dass die Deutschen ein perfekt organisiertes Turnier liefern werden. Und sie wissen auch, dass die Gastgeber es trefflich verstehen, mit Charme und viel Herzenswärme so ein Ereignis über die Bühne zu bringen.

Weil Deutschland auch noch Titelfavorit ist und die Begeisterung im eigenen Land deswegen aller Voraussicht nach beim Finale am 17. Juli ihren Höhepunkt erreicht, kommt die Dramaturgie einer WM-Inszenierung mehr als zupass. Das alles wird wohl das Interesse am Frauenfußball maßgeblich steigern. Das Kalkül der Fifa dürfte also aufgehen.

Doch abseits von kühlen Rechnungen, Wachstumsraten und Organisationstalent können auch wir uns freuen. Die Fußballwelt kehrt zurück in unser Land. Das ganze Turnier wird in seiner Dimension natürlich kleiner ausfallen als die WM der Männer 2006. Aber Sympathien kann der Frauenfußball auch am ehesten durch sein familiäres Flair gewinnen. Wer das kommende Ereignis mit der Männer-WM 2006 vergleicht, der überfrachtet es. Eine WM auf deutschen Boden ist ein Geschenk. Und wir können guter Hoffnung sein, dass unser Frauenteam die Schleife anbringen wird.