EM-Qualifikation

Deutsche Handballer chancenlos gegen Island

Der DHB-Auswahl droht nach der WM-Blamage die nächste schwere Schlappe. Das Brand-Team verlor auf Island und muss um die EM-Teilnahme bangen.

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Sechs Wochen nach dem WM-Debakel drohen die deutschen Handballer auch die Teilnahme an der Europameisterschaft 2012 in Serbien zu verpassen. Die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand war bei der 31:36 (14:21)-Niederlage beim Olympiazweiten Island chancenlos und steht vor dem Rückspiel am Sonntag (17.45 Uhr/Eurosport) in Halle/Westfalen mit dem Rücken zur Wand. Nur bei einem Sieg darf die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) noch auf eine erfolgreiche EM-Qualifikation hoffen. Sollte der Weltmeister von 2007 das EM-Ticket verpassen, wäre auch der Traum von den Olympischen Spielen 2012 in London endgültig geplatzt.

Bei der 24. Niederlage im 70. Vergleich (40 Siege) mit Island war der Hamburger Spielmacher Michael Kraus mit fünf Treffern erfolgreichster Werfer der Gäste in Reykjavik. Mit 3:3 Punkten fiel die DHB-Auswahl in der Gruppe fünf hinter Spitzenreiter Österreich (5:1) und Island (4:2) auf Platz drei zurück. Nur die ersten beiden Teams sind in Serbien dabei.

„Wir müssen zugeben, dass Island die bessere Mannschaft war. Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit verloren. Wir waren nicht aggressiv genug“, sagte der Göppinger Michael Haaß.

Brand, der nach Platz elf im Januar bei der WM in Schweden trotz seines bis 2013 laufenden Vertrags schon zurücktreten wollte, sprach vor der Begegnung noch von einem Spiel von „zwei Mannschaften auf Augenhöhe“. Doch die stark aufspielenden Isländer setzten sich schon in der Anfangsphase 5:2 (9.) ab.

Deutschland kämpfte sich allerdings zunächst wieder ins Spiel und kam in der 15. Minute durch den Kieler Rechtsaußen Christian Sprenger zum Ausgleich (8:8). Doch dann erlebte die Brand-Truppe eine bittere Viertelstunde. Eine ganz schwache Chancenverwertung und eine viel zu passive Abwehr waren dafür verantwortlich, dass sich die Isländer bis zur Pause deutlich absetzten und somit schon für eine Vorentscheidung sorgten. Überragender Spieler im Angriff bei den Gastgebern war vor der Pause Gudjon Valur Sigurdsson vom Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen, der schon in den ersten 30 Minuten acht Treffer erzielte.

Brand reagierte nach der Pause und brachte den Lemgoer Carsten Lichtlein für den Berliner Silvio Heinevetter ins Tor. Doch auch Lichtlein war gegen die häufig frei vor ihm auftauchenden isländischen Angreifer oft chancenlos. Die deutschen Spieler waren zwar bemüht, doch erlaubten sie sich weiterhin zu viele technische Fehler und scheiterten immer wieder am isländischen Schlussmann Gustavsson, der schon bis zur Halbzeit 15 Paraden zeigte. Immerhin gaben die Gäste nicht auf und kamen in der 51. Minute noch einmal auf vier Tore heran (26:30).

Für den zweiten Vergleich mit den Isländern hofft Brand nun auf seinen besten WM-Torschützen Holger Glandorf. Der Lemgoer fehlte auf der Vulkaninsel, da seine Frau Christin ihr zweites Kind erwartet. „Der Ausfall tut uns weh“, hatte Brand schon vor der Begegnung erklärt. Zudem wurde Torhüter Johannes Bitter (HSV Hamburg), der nach der enttäuschenden WM zumindest vorübergehend seinen Rückzug aus dem Nationalteam erklärt hatte, schmerzlich vermisst.