EM-Qualifikation

Die ungemütliche Rückkehr des Rebellen Ribery

Erstmals seit seiner Begnadigung wird Franck Ribery gegen Kroatien vor heimischem Publikum spielen. "Ich glaube, es wird Pfiffe geben", sagt Ribery.

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Franck Ribery hatte seine erste schmerzhafte Begegnung im Stade de France bereits am Sonntag. Beim Fußballtennis missglückte dem Star von Bayern München ein Kopfball, Ribery strauchelte, fiel - und stürzte in ein Absperrgitter. Für Ribery war das folgenlose Missgeschick ein Vorgeschmack auf das, was ihn beim Länderspiel mit der französischen Fußball-Nationalmannschaft gegen Kroatien erwartet. Dann wird es richtig schmerzhaft.

Zumindest für die Psyche des sensiblen Kickers. „Ich glaube, es wird Pfiffe geben“, sagt Ribery vor seinem ersten Auftritt vor heimischem Publikum seit zehn Monaten. Zwischen dem Länderspiel am 26. Mai in Lens gegen Costa Rica und dem Test gegen Kroatien am Dienstag lag die aus französischer Sicht desaströse WM in Südafrika. Ribery tat sich dort als Rebell hervor, er führte die Meuterei gegen den damaligen Nationaltrainer Raymond Domenech mit an.

Er wurde aus dem Kreise der Bleus verstoßen, erst am Samstag durfte er beim mühsamen 2:0-Sieg in der EM-Qualifikation in Luxemburg zurückkehren. Zahlreiche der mitgereisten Fans pfiffen ihn und den ebenfalls begnadigten Mit-“Verräter“ Patrice Evra aus. In St. Denis warten nun 80.000, um den Rädelsführern des nach Meinung vieler Franzosen schändlichsten Teams, das die Grande Nation je hatte, den gebührenden Empfang zu bereiten. „Es wird passieren“, sagt Ribery über den erwarteten Spießrutenlauf, „aber ich muss das akzeptieren und weitermachen.“

Für Ribery wäre es das 50. Länderspiel und „etwas ganz Besonderes“, wie er versichert. Im Vorfeld hat er viel getan, um die Wandlung vom Saulus zum Paulus glaubhaft zu machen. Er hat sich entschuldigt, eigene Fehler eingestanden und sich mit dem Teamkollegen Yoann Gourcuff ausgesprochen, mit dem er bei der WM heftig aneinandergeraten war.

Doch nicht alle Fans nehmen Ribery die Umkehr ab. In den Internetforen der Zeitungen und Fachblätter wimmelt es von bösen Beschimpfungen gegen die Profis, „die das Trikot Frankreichs beschmutzt haben“. Einige Anhänger rufen dazu auf, die Equipe Tricolore von Trainer Laurent Blanc so lange zu boykottieren, wie Ribery und Evra dem Team angehören. In einer Umfrage der Zeitung Le Parisien zeigten sich 72,4 Prozent der Teilnehmer „schockiert“ wegen der Rückkehr der Meuterer.

Blanc, spekulieren einige kundige Beobachter, könnte sich deshalb genötigt sehen, Ribery und Evra zunächst auf die Bank zu setzen. Für Evra könnte Ga l Clichy verteidigen, Ribery einer Rochade im Mittelfeld zum Opfer fallen, die in etwa so aussehe: Jeremy Menez rein, Gourcuff nach vorne, Samir Nasri von der Mitte nach rechts für Ribery und Florent Malouda von rechts nach links. Auf der ungeliebten rechten Seite halten viele Fachleute Ribery ohnehin für verschenkt.

So oder so - der Empfang für die Rebellen wird ungemütlich, das glaubt auch Evra. „Es wird Buhrufe geben“, sagt er, und fügt wenig diplomatisch an: „Aber die, die pfeifen, sind die ersten, die nach dem Spiel mein Trikot wollen.“

Wie man locker mit offenen Anfeindungen umgeht, lebt Kroatiens Coach Slaven Bilic vor. Dem tragen die Franzosen seit 13 Jahren nach, dass er Blanc um die Teilnahme am WM-Finale 1998 gebracht hat. Blanc sah damals nach einer Ellbogen-Attacke Rot. Auch Bilic erwartet am Dienstag Pfiffe. „Wenn sie mich hassen wollen“, sagt er lakonisch: „Kein Problem!“