Nach Finalpleiten

Psychologische Aufbauarbeit für SCC-Volleyballer

Nach den ersten beiden Niederlagen im Finale stehen die Chancen der Charlottenburger auf dem Meistertitel schlecht. Vor Spiel Nummer drei gegen den VfB-Friedrichshafen will Trainer Mark Lebedew an der Psyche seiner Spieler arbeiten.

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Mit Druck geht jeder Mensch anders um, das ist im Sport genauso. Wenn der Zwang des Erfolgs auf den Schultern lastet, schwingt sich so mancher Athlet zu Höhenflügen auf, andere wiederum drohen unter dem Gewicht zu zerbrechen oder verlieren die Leichtigkeit ihres Tuns. Letzteres ereilte am Mittwochabend auch die Volleyballspieler des SCC, nachdem sie im zweiten Play-off-Finale gegen den VfB Friedrichshafen nach einem 0:2-Satzrückstand den Serienmeister noch in den entscheidenden fünften Durchgang gezwungen hatten, dort aber schließlich klar unterlegen waren. „Dann waren unsere Spieler zu verkrampft. Friedrichshafen hat jede Menge Endspielerfahrung, die unseren Spielern noch fehlt. Wir hatten das traurige Ende auf unserer Seite“, analysierte Berlins Manager Kaweh Niroomand treffend das 2:3 (22:25, 17:25, 25:23, 25:18, 9:15).

Wachablösung gescheitert?

Mangelnde Routine und Abgeklärtheit in entscheidenden Phasen waren also nach eigenem Bekunden ausschlaggebend dafür, dass die Hünen vom SCC ihren großen Traum vom Titel wohl abhaken müssen. Die Wachablösung im deutschen Volleyball scheint gescheitert. Denn Friedrichshafen führt die Endspielserie nach dem Modus „Best of five“ mit zwei Siegen an und benötigt in der nächsten Partie am Sonnabend nur noch diesen einen Erfolg, um in der heimischen Arena am Bodensee den siebten nationalen Titel in Folge perfekt zu machen. „Jetzt geht es um die Musik, wir müssen nicht nur auf, sondern über die Brücke gehen“, sagt VfB-Trainer Stelian Moculescu, der sich von der Play-off-Rekordkulisse von 7111 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle beeindruckt zeigte. „Das war eine Werbung für unseren Sport“, sagte der frühere Bundestrainer, der heute 61 Jahre alt wird. Er sah den Fan-Zuspruch durchaus auch als Würdigung der eigenen Arbeit. „Wenn wir eine Hampelmanntruppe wären, würden sie nicht kommen“, sagte er.

Der VfB ist in der Tat weit davon entfernt, eine Hampelmanntruppe zu sein. Seit Jahren spielt das Team vom Bodensee den besten Volleyball in Deutschland. Der SCC hat es nach ein paar mageren Jahren in dieser Saison endlich wieder geschafft, am Thron des Rekordmeisters zu rütteln. Gar auf Augenhöhe sah man sich mit Friedrichshafen vor dem Finale, immerhin hatten die Berliner den Rivalen in der Bundesliga-Hauptrunde vor der Liga-Rekordkulisse von 8045 Zuschauern 3:1 besiegt und damit bewiesen, dass der VfB eben doch schlagbar ist. Jetzt aber herrscht Ernüchterung. „Wir waren im richtigen Moment nicht konsequent“, bemängelte SCC-Trainer Mark Lebedew, „im Tiebreak verhinderte eine Mischung aus Müdigkeit, Nervosität und mangelnder Konzentration einen erfolgreichen Abschluss unserer Aufholjagd.“ Lebedew war aber dennoch nicht unglücklich. „Wir haben Charakter gezeigt“, sagte der Australier, der heute seinen 44. Geburtstag feiert. „Letztendlich aber zählen Sätze nicht, sondern nur, wer gewonnen und wer verloren hat.“

In den bisherigen knappen 1:3- und 2:3-Final-Niederlagen haben die Berliner aber gezeigt, dass sie wieder näher an die Übermannschaft vom Bodensee herangekommen sind. Ein schwacher Trost, weil nah dran eben auch vorbei ist. „Natürlich sind wir enttäuscht. Die Chance für uns ist da, aber ein kleines bisschen fehlt immer“, haderte SCC-Kapitän Jaroslav Skach. Die Hoffnung auf den vierten Titel nach 1993, 2003 und 2004 glimmt dennoch. „Die Wahrscheinlichkeit liegt aufseiten von Friedrichshafen. Aber der Glaube ist noch da, dass wir uns Mittwoch in Berlin noch einmal sehen“, sagte Lebedew. Die Deutsche Volleyball-Liga ist jedenfalls für alle Fälle gut gerüstet. Die Meisterschale wird am Sonnabend in Friedrichshafen in der Halle sein, ebenso wie Verbandschef Werner von Moltke.

Psychologische Aufbauarbeit

SCC-Coach Lebedew muss bei seinen Spielern jetzt vor allem psychologische Aufbauarbeit leisten. „Zweimal hintereinander in sehr engen Spielen zu verlieren gegen Friedrichshafen, das ist auch moralisch schwer zu verkraften“, sagt Manager Niroomand, „im zweiten Spiel sind wir weniger am VfB gescheitert als an der eigenen Psyche.“