Manchester United

Ferdinand warnt – "Schalke hat nichts zu verlieren"

Rio Ferdinand, Verteidiger von Manchester United, spricht mit Morgenpost Online über das Halbfinal-Rückspiel gegen Schalke und die Qualität der Bundesliga.

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Nach der 0:2 Niederlage gegen Manchester United sind die Königsblauen im Champions-League-Halbfinalrückspiel in einer schwierigen Ausgangsposition. ManU-Trainer Ferguson rechnet in Old Trafford am Mittwoch mit deutlich offensiveren

Video: Reuters
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Rio ist überall. Manchester Uniteds Weltklasse-Verteidiger Rio Ferdinand (32) steht in England für mehr als nur Tacklings. Das Multitalent besitzt ein eigenes Plattenlabel, geht gern mit versteckter Kamera bei den Kollegen auf Tour und gibt mit „#5“ ein eigenes Online-Magazin heraus. Dabei macht der Chef Storys mit Größen wie dem ehemaligen britischen Premierminister Gordon Brown oder Sprint-Star Usain Bolt stets selbst. Im Interview spricht der 80-malige englische Nationalspieler über die Aussichten seines Klubs Manchester United im Halbfinal-Rückspiel gegen Schalke 04 (heute 20.45 Uhr, Sat.1/Sky), den deutschen Nationalkeeper Manuel Neuer und andere Stars aus der Bundesliga.

Morgenpost Online: Herr Ferdinand, wie groß war die Erleichterung nach dem 2:0-Erfolg beim FC Schalke im Halbfinal-Hinspiel der Champions League?

Rio Ferdinand: Wir haben sehr gut gespielt und uns sehr viele Chancen erarbeitet. Es war wirklich eine große Erleichterung, zwei Tore in so kurzer Zeit zu erzielen und Schalke aus dem Spiel zu nehmen.

Morgenpost Online: Was können wir für das Rückspiel in Old Trafford erwarten? Nach der überraschenden 0:1-Niederlage beim FC Arsenal in der Premier League am vergangenen Wochenende müssen Sie doch eine Menge Wut im Bauch haben?

Ferdinand: Das verrate ich nicht (lacht). Aber Schalke hat nichts mehr zu verlieren und wird uns einen harten Kampf liefern. Wir müssen sie respektieren, professionell auftreten und gut organisiert sein. Wichtig ist auch, dass wir kein Gegentor kassieren.

Morgenpost Online: Im offiziellen Klubmagazin „United Review“ hat Ihr Kollege Nemanja Vidic gesagt, dass das Zusammenspiel mit Ihnen so einfach wäre wie Fahrradfahren. Wie leicht ist es Ihnen denn gegen Schalke und Chelsea gefallen?

Ferdinand: Kein Spiel ist leicht, wenn du gegen die besten Stürmer der Welt spielst – wie Didier Drogba, Fernando Torres oder eben auch Raúl. Sie alle bewegen sich gut, machen Tempo und wenn du nicht zu 110 Prozent konzentriert bist, bestrafen sie dich.

Morgenpost Online: Und wie einfach würde es in einem möglichen Champions-League-Finale gegen den FC Barcelona mit Lionel Messi sein?

Ferdinand: Barcelona ist eine großartige Mannschaft – und Messi ist mit Sicherheit der beste Spieler der Welt. Es wird absolut nicht einfach, wenn es gegen sie im Finale geht.

Morgenpost Online: Plant Manchester United schon für das Endspiel im Londoner Wembleystadion?

Ferdinand: Moment mal, wir müssen erst unseren Job gegen Schalke machen, ehe wir irgendetwas planen können. Ein 2:0 aus dem Hinspiel garantiert noch keinen Einzug in das Finale.

Morgenpost Online: Viele Experten, darunter auch Ihr Trainer Sir Alex Ferguson, sagten nach dem Hinspiel, dass Schalkes Torhüter Manuel Neuer ein fantastisches Spiel gemacht hat. Ist er aus Ihrer Sicht ein Kandidat, um bei Manchester United in die Fußstapfen von Edwin van der Sar zu treten??

Ferdinand: Manuel Neuer hat großartig gespielt, ohne ihn hätten wir gegen Schalke vielleicht fünf Tore gemacht. Es wird für jeden Torhüter schwer, Edwin zu ersetzen.

Morgenpost Online: Schalkes Weltstar Raúl hat in Champions-League-Spielen gegen ManU häufig getroffen. Fürchten Sie seine Präsenz im Rückspiel?

Ferdinand: Raúl ist ein toller Botschafter des Fußballs und immer noch ein sehr guter Spieler. Das muss man respektieren und versuchen, ihn daran zu hindern, Tore zu schießen.

Morgenpost Online: Welche Bundesligaspieler könnten Sie sich bei Manchester United vorstellen?

Ferdinand: Schwer zu sagen! Ich bewundere Typen wie Franck Ribery, Bastian Schweinsteiger oder Mats Hummels. Die Bundesliga hat sehr viel Qualität.

Morgenpost Online: Ryan Giggs zeigte am vergangenen Dienstag beim Spiel in Gelsenkirchen eine fantastische Leistung. Ist der 37-Jährige ewig jung geblieben und könnte er in einem Finale gegen Barca aufgrund seiner Erfahrung den Unterschied ausmachen?

Ferdinand: Ryan ist schon die ganze Saison über weltklasse, seine Präsenz wird für uns im Endspurt in der Champions League und in der englischen Liga entscheidend sein.

Morgenpost Online: Das Spiel in Gelsenkirchen war nicht Ihre erste Begegnung mit deutschen Mannschaften im Europapokal. Wie kommen Sie mit den Deutschen zurecht?

Ferdinand: In den 90 Minuten geht es nur um Fußball. Wir haben keine Zeit, um mit dem Gegner zu quatschen.

Morgenpost Online: Das Finale in Wembley könnte für Manchester United ein Heimspiel werden. Es findet auf englischem Boden statt.

Ferdinand: Wenn wir es erreichen, wird es wohl so sein. Dann ist es großartig, als englisches Team in einem europäischen Endspiel in Wembley anzutreten. Dann ist es wirklich ein Heimspiel für uns.

Morgenpost Online: Der ehemalige Wolfsburger Stürmer Edin Dzeko spielt jetzt für Ihren Stadtrivalen Manchester City. In der Bundesliga galt er als Tormaschine. Haben Sie ihn schon vor seinem Wechsel nach England wahrgenommen, und kann er City helfen, sich unter den „Big Four“ in der Premier League zu etablieren?

Ferdinand: Ja, ich habe ihn bereits in der Bundesliga verfolgt. Diese Liga ist technisch stark, temporeich und besitzt viele gute Spieler. Dzeko kann Manchester City ganz neue Dimensionen eröffnen. Ich erwarte, dass er in der kommenden Saison so richtig einschlägt, weil er sich dann an den Stil und an das Tempo in der Premier League gewöhnt hat.

Morgenpost Online: Es gibt sehr viele ausländische Spieler in der englischen Premier League. Blockieren diese Stars die Entwicklung der eigenen Talente?

Ferdinand: Ich denke, dass die Spieler aus dem Ausland positive Attribute in die Premier League gebracht haben. Aber der Schlüssel zum Erfolg liegt in einem gesunden Mittelweg. Man muss auch englischen Talenten die Möglichkeit geben, sich in dieser Liga zu entwickeln.

Morgenpost Online: So wie Sie es getan haben. Gab es einen Wendepunkt in Ihrer Karriere?

Ferdinand: Ja, das war mein Wechsel zu Manchester United (am 22. Juli 2002, d. Red.). Ich hatte damit die Möglichkeit, für das beste Team der Welt zu spielen, mit den besten Spielern der Welt. Mein Spiel hat sich dadurch verbessert.

Morgenpost Online: Haben Sie spezielle Rituale vor einem Spiel?

Ferdinand: Nein, ich höre meine Musik und konzentriere mich auf nur auf mein Spiel.

Morgenpost Online: Sie haben zuletzt Ihre eigene Schuhkollektion präsentiert, mit „# 5“ (www.rioferdinand.com, d.Red.) geben Sie ein eigenes Internetmagazin heraus und arbeiten außerhalb des Platzes auch an verschiedenen Charity-Projekten. Wie viel Rio Ferdinand steckt darin?

Ferdinand: Nun, der Fußball wird immer mein wichtigstes Berufsfeld bleiben. Die anderen Geschäftsideen ergänzen sich prima mit meinem Status als Fußballer. Das Internet hat in den letzten zehn Jahren die Welt revolutioniert. Das Medium gibt den Leuten Zugang zu Wissen, das sie früher nur aus Büchern beziehen konnten. Als man mir anbot, ein Online-Magazin zu machen, ergriff ich diese Chance. Ich mag es generell, mich außerhalb des Spielfelds zu engagieren. Komischerweise hilft es mir, mich auf das Spiel zu konzentrieren.