Bauermann und Hoeness

Bayern plant schon die Meisterschaft – im Basketball

Am Sonntag stellen die Münchner gegen Würzburg einen Zweitliga-Zuschauerrekord auf. Nach dem wahrscheinlichen Aufstieg peilen sie den ganz großen Wurf an.

Manchmal scheint Dirk Bauermann das Ganze gar nicht so recht glauben zu können. „Wenn ich darüber nachdenke, muss ich mich kneifen. Dass das Projekt so schnell auf so hohem Niveau funktioniert, konnte keiner erwarten.“

Das Projekt: Fußball-Branchenprimus Bayern München hatte beschlossen, im Basketball richtig anzugreifen. Bauermann, als Bundestrainer beim Deutschen Basketball Bund (DBB) angestellt, wurde im vorigen Sommer verpflichtet. Er stellte ein hochkarätiges Team mit erfahrenen Erstligaspielern zusammen. Unter ihnen Nationalspieler Steffen Hamann, von dem sich Alba Berlin getrennt hatte, Aleksandar Nadjfeji, Darius Hall oder der allerdings verletzte Demond Greene. Sie sollen die Bayern-Korbjäger aus der Zweiten Liga, die sich Pro A nennt, nach oben hieven.

Novum im deutschen Basketball

Und wenn die Münchner den Aufstieg am Sonntag (14.30 Uhr) mit einem Sieg über Würzburg schon fast sicherstellen können, wird der Bayerische Rundfunk live im Fernsehen übertragen, und es werden 12.200 Zuschauer in der ausverkauften Olympiahalle erwartet. Wie gesagt: zweite Liga. So etwas hat es im deutschen Basketball noch nie gegeben. Bauermann sagt: „Die Verknüpfung eines erfolgreichen Teams und der starken Marke FC Bayern sorgt für diesen Höhepunkt.“

Es gilt der Satz von Bayern-Präsident Uli Hoeneß: „Wenn ich etwas mache, mache ich es gescheit – oder gar nicht.“ Entsprechend professionell wurde die Sache angegangen. Wobei die Münchner erst einmal eine Mitgliederbefragung durchgeführt hatten, ob denn überhaupt Interesse bestünde, dass sich der Klub richtig engagiert im Basketball – wie das für große Fußballklubs wie Real Madrid und FC Barcelona Tradition hat. Das Votum fiel überwältigend aus, und die Führung der Bayern konnte sich für die Vision erwärmen, dass der FC Bayern in naher Zukunft nicht nur bei den Kickern Spitze in Deutschland sein wird. Denn nichts anderes ist der Plan. Nur mal so mitspielen, die Teilnahme am Play-off als Ziel ausgeben, das ist nicht die Welt der Bayern, nicht die Welt von Hoeneß. „Ich habe gehört, dass pro Saison sechs bis acht Millionen Euro gebraucht werden, um um die Meisterschaft mitspielen zu können. Das wäre zu stemmen“, sagte der Präsident der „Bild am Sonntag“. Potenzielle Sponsoren, so Hoeneß, „stehen Schlange“. Ein großer Deal mit Audi wurde schon geschlossen; die Strahlkraft des FC Bayern München macht’s möglich.

In der Bundesliga können sich Mannschaften wie Meister Bamberg oder auch Alba Berlin schon mal auf einen ganz starken Konkurrenten einstellen. Die Liga-Leitung freut sich: „Auf der DNA von Bayern München ist Erfolg ein zentraler Bestandteil. Das wird der Liga einen Schub geben“, jubelt BBL-Geschäftsführer Jan Pommer.

Noch spielt das Team in der Pro A, aber in der Öffentlichkeit ist es schon eine große Nummer. München habe eine „sehr lebendige Medienlandschaft“, sagt Bauermann, entsprechend groß ist die Resonanz. Bisher kamen im Schnitt 3200 Zuschauer zu den Heimspielen in die immer ausverkaufte Eishalle, die für die Bundesliga allerdings nicht geeignet ist. Nach dem Aufstieg, an dem niemand zweifelt, werden die Bayern wohl in der Rudi-Sedelmayer-Halle (7000 Plätze) spielen; Verhandlungen mit der Stadt über Renovierungskosten sind auf einem guten Weg.

Doch ein Problem sorgt schon jetzt für Unruhe: Da ein BBL-Entschluss vorsieht, dass der Bundestrainer nicht gleichzeitig einen Erstligaklub trainieren darf, müsste sich Bauermann im Sommer entscheiden. Doch der 53-Jährige will beides machen. Ein Konflikt ist programmiert. „Wenn wir weitermachen, dann nur mit ihm“, hat Hoeneß schon einmal angekündigt. Und Bauermann sagt lediglich: „Darüber mache ich mir Gedanken, wenn der Aufstieg feststeht.“ Viel Zeit bleibt ihm demnach nicht mehr.