Europa League

Bayer verliert in letzter Minute gegen Villarreal

Das Viertelfinale in der Europa League ist für Bayer Leverkusen in weite Ferne gerückt. Die Werkself unterlag trotz drückender Überlegenheit gegen den FC Villarreal.

Dem Wirbel um Michael Ballack und Jupp Heynckes folgte die Ernüchterung auf internationaler Bühne: Bayer Leverkusen droht bereits im Achtelfinale der Europa League das Ende aller Titelträume. Die Werkself verlor im Hinspiel gegen den spanischen Tabellenvierten FC Villarreal 2:3 (1:1) und verspielte damit trotz bester Chancen eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am 17. März.

Im 148. Europacupspiel der Leverkusener Vereinsgeschichte brachte der Tscheche Michal Kadlec die Elf von Trainer Jupp Heynckes zunächst in Führung (33.), doch der italienische Torjäger Giuseppe Rossi (42.) und der Brasilianer Nilmar (68.) stellten das Spiel nach haarsträubenden Fehlern in der Bayer-Hintermannschaft auf den Kopf. Gonzalo Castro schaffte für den Uefa-Cup-Sieger von 1988 noch einmal den Ausgleich (70.), bevor erneut Nilmar in der vierten Minute der Nachspielzeit den Siegtreffer für die Gäste erzielte. Für Leverkusen war es die erste Niederlage im Europacup nach zuvor elf Spielen.

"Meine Mannschaft hat ein klasse Fußballspiel gezeigt. Aber Villarreal war effektiver. Unnötige Ballverluste werden gegen einen solchen Klassegegner bestraft", resümierte Bayer-Coach Jupp Heynckes und ergänzte: "Wir sind auswärtsstark. Warum sollen wir nicht zwei Tore in Villarreal schießen." Allerdings spricht die Statistik gegen die Leverkusener, die zuvor nach sechs Heimniederlagen auf Europas Bühne noch nie weiterkamen.

"Ich bin einfach nur sauer, das darf nicht passieren. Die machen aus drei Chancen drei Tore. Da sind wir nicht clever genug. Da muss man sich auch mal ein 2:2 gefallen lassen", wetterte Nationalspieler Stefan Kießling, und Kapitän Simon Rolfes meinte fast trotzig: "Wir können auswärts gewinnen. Das haben wir oft genug gezeigt und somit alle Chancen, weiterzukommen."

Schon die Vorbereitung auf den ersten echten Härtetest im Europacup war alles andere als optimal. Diskussionen um Heynckes, der eine Vertragsverlängerung um weitere zwei Wochen hinauszögert und damit die Spekulationen um einen Wechsel zu Bayern München weiter anheizte, sowie das Theater um Ballack hatten in den letzten Tagen die Schlagzeilen bestimmt. Ballack, der Fitnessdefizite aufholen soll und will, stand wie schon am Samstag beim 3:0 gegen den VfL Wolfsburg nicht im Bayer-Kader und saß auf der Tribüne.

Von den Nebengeräuchen ließ sich Bayer zunächst nicht anstecken. Vor nur 20.126 Zuschauern in der BayArena hatte der Brasilianer Renato Augusto bereits in der neunten Minute die Führung auf dem Fuß, doch nach einer Flanke von Domagoj Vidal klärte Carlos Marchena in höchster Not zur Ecke. Kurz darauf war es Eren Derdiyok, der Villarreal-Schlussmann Diego Lopez prüfte (13.). Der Keeper war aber genauso wie in der 19. Minute zur Stelle, als er einen Freistoß von Renato Augusto parierte.

In der 33. Minute war dann aber auch Lopez beim Schuss von Kadlec geschlagen. Der Tscheche hatte aus halblinker Position getroffen. Doch das kleine Polster gaben die Gastgeber schnell wieder her. Als die neuformierte Innenverteidigung mit Daniel Schwaab und Stefan Reinartz für einen Moment schlecht sortiert war, schlug Rossi eiskalt zu und markierte seinen siebten Treffer im laufenden Wettbewerb. Schwaab und Reinartz mussten wie schon gegen Wolfsburg in der Defensiv-Zentrale ran, da Sami Hyypiä nach einer Magen-Darm-Grippe nur auf der Bank Platz nahm und Manuel Friedrich wegen seines Schulterblattbruchs nicht zur Verfügung stand.

Von den Spaniern war über weite Strecken nicht viel zu sehen. Der frühere Champions-League-Halbfinalist agierte bieder und präsentierte sich vor allem in der Offensive harmlos, aber sehr effektiv. So brachte auch die zweite Torchance durch den eingewechselten Nilmar gleich ein Tor, doch 80 Sekunden später war Castro zur Stelle.