Fussball-Bundesliga

Gladbachs Dante ist nur im Urlaub ein Brasilianer

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Roland Leroi

Foto: dpa / dpa/DPA

Obwohl er noch kein Jahr für Borussia Mönchengladbach spielt, ist der 26-jährige Dante längst der Chef des Teams. Er zaubert selten, sondern hält hinten den Laden zusammen. "Ich bin nur im Urlaub ein Brasilianer", sagt er schmunzelnd – und überlegt, ob er eine zweite Staatsbürgerschaft annimmt.

Als „typischer Brasilianer wird Dante nicht gern bezeichnet. Hackentricks oder ähnliche Zaubereien am Ball hat der Abwehrspieler des Fußball-Bundesligaklubs Borussia Mönchengladbach zwar auch in petto, wirklich zeigen mag er sie aber nur selten. „Ich bin nur im Urlaub ein Brasilianer“, sagt der 26-Jährige. Dazu passt, dass er seine Ferien – anders als manche Landsleute – noch nie überzogen hat und angibt, auch bei Kälte und Regen gerne zu spielen.

Gegen Schalke 04 hat Dante das mal wieder mit Nachdruck bewiesen. Der Innenverteidiger wies gegen das Sturmduo Kuranyi/Farfan nicht nur extrem gute Zweikampfwerte auf, sondern schlug zudem in der 5. Minute den präzisen Pass auf Juan Arango, dessen Vorlage Marco Reus dann zum Siegtreffer nutzte. „Das war in jeder Hinsicht Weltklasse“, sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl.

Viel wichtiger sei es aber gewesen, dass Dante die Abwehr im Anschluss derart perfekt organisierte, dass es bis zum Schluss beim 1:0 (1:0) blieb. Seit fünf Spielen ist Gladbach jetzt unbesiegt, und es liegt vor allem an der Defensive um Dante, dass der Verein auf eine relativ sorgenfreie Saison hoffen darf. Der Anschluss ans Tabellenmittelfeld ist hergestellt. „Die Kompaktheit zeichnet die Mannschaft aus“, sagte Trainer Michael Frontzeck, der keinen Akteur herausheben wollte.

Dass Dante der Kopf des Teams ist, hat ohnehin jeder gesehen. Längst ist der Brasilianer, der im Januar von Standard Lüttich verpflichtet wurde, in der Bundesliga angekommen. Bereits in der Vorsaison erzielte der Mann mit dem Wuschelkopf drei Tore, von denen zwei eminent wichtig für den Klassenverbleib waren. Sein aggressives Zweikampfverhalten zeichnet ihn ebenso aus wie die schnelle Spieleröffnung nach Balleroberungen. „Die Abstimmung mit meinem Nebenmann Roel Brouwers klappt immer besser; die Teamleistung ist doch entscheidend. Wenn wir weiter das Maximum aus uns herausholen, geht auch Freitag in München für uns etwas“, sagt er selbstbewusst.

Dabei ist Dante kein Freund großer Worte. Stets gibt er an, nicht Deutsch zu sprechen und schlängelt sich unbehelligt durch die Mixedzone. Nach dem Sieg über Schalke, gelang es dem eigens für die Gladbacher Südamerikaner eingestellten Dolmetscher Jörg Stiel aber, ein paar Worte zu übersetzen. Wer ihm auf dem Trainingsplatz zuschaut, merkt allerdings, dass sich Dante schon ganz gut artikulieren kann. Auch wenn er so aussieht, ist er alles andere als ein Paradiesvogel. Sein Familienname lautet Bonfim. „Ein Heiliger“, erzählt Dante.

Hat so einer nicht das Zeug für die brasilianische Nationalelf? „Natürlich ist die Selecao der Traum eines jeden Brasilianers“, sagt Dante, der wohl realistisch einschätzen kann, dass dieser für ihn wohl unerfüllt bleiben wird. Weitaus interessanter ist eine Anfrage des belgischen Fußballverbandes, der Dante gern einbürgen lassen will. Immerhin hat er drei Jahre in Belgien gelebt und besitzt auch jetzt noch ein Haus in Anderlecht „Internationale Spiele wären toll. Schauen wir mal, wer schneller ist: die Brasilianer oder die Belgier“, sagt Dante. Er hat halt nur selten Urlaub, in dem er Brasilianer sein kann.