"Auszeit"

Ein Geschenk, das Brasilien nicht erfreuen wird

Die missgünstigen Argentinier verpassen den Nachbarn ein gar nicht nettes WM-Maskottchen. Doch in der Historie der Glücksbringer finden sich viele Tiefpunkte.

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Die Geschichte der Fußball-Maskottchen bei Weltmeisterschaften ist ja eine äußerst leidvolle. Selten bis gar nicht kam bei den Entwürfen nämlich keine Geschmacksverirrung heraus. Mit Willi, dem Löwen, fing es 1966 bei der WM in England zwar noch harmlos an.

Doch der dickliche Juanito karikierte sich darauf in Mexiko schon mit seiner offen liegenden Plauze. Naranjito war 1982 der erste Tiefpunkt. Eine feist lächelnde Orange stand für Spanien, was damals schon Fremdschämen auslöste. In Mitleid schlug das um, als der Bauklotzmann 1990 in Italien da war. Erstmals führte eine am Computer entworfene Stillosigkeit durch die WM.

Doch wir müssen von dem hohen Ross runter kommen. Unsere Tip und Tap waren 1974 auch an der Grenze zur Einfallslosigkeit und der bärähnliche Löwe Galileo VI spazierte beim Sommermärchen beharrlich ohne Hose durchs Turnier.

Fies wie jetzt die Argentinier war aber bislang kein WM-Nachbar. Weil Brasilien als Gastgeber für das Ereignis 2014 noch kein Maskottchen hat, legten die in tiefer Abneigung verbundenen Gauchos den Organisatoren nun den maskierten „Favelito“ ans Herz. Das heißt in etwa „kleiner Bewohner des Armenviertels“, was natürlich gar nicht nett gemeint ist.

Er wäre zudem das erste Maskottchen mit Pistolen, von der Badehose ganz zu schweigen. Nein, das haben die Brasilianer nicht verdient. Immerhin erscheint „Favelito“ aber nicht ganz so geschmacklos wie Mexikos selbstauferlegtes Früchtchen 1986: Da grinste uns eine grüne Jalapeno-Chilischote mit Vollbart an.