Champions League

Nagasato schießt Turbine Potsdam ins Finale

Durch ein 1:0 im Halbfinal-Rückspiel gegen den FCR Duisburg ziehen die Spielerinnen von Turbine ins Endspiel um den europäischen Club-Titel. Wermutstropfen: Nationalspielerin Fatmire Bajramaj wird den Verein Richtung Frankfurt verlassen.

Als drei Minuten auf der Spieluhr verblieben, wurde das Publikum im Karl-Liebknecht-Stadion noch einmal auf vorfreudige Weise unruhig. Fatmire Bajramaj, die alle nur „Lira“ nennen, zog mit dem Ball am Fuß in Richtung Tor. Schon 35 Meter dauerte ihr entschlossener Sololauf, die Entscheidung schien jetzt nur noch Formsache. Aber die so begnadete Fußballerin Bajramaj schloss plump ab; mehr trat sie mit dem rechten Fuß in den Boden als gegen den Ball, und so blieb es am Ende beim 1:0 (1:0) von Turbine Potsdam gegen den FCR Duisburg.

Wohl niemand hätte sich ein besseres Finale dieses Halbfinal-Rückspiels in der Champions League mehr gewünscht, als Bajramaj selbst. Zwar zog sie mit ihrem Team nach dem 2:2 im Hinspiel vor einer Woche auch so wie schon im Vorjahr ins Endspiel der kontinentalen Königsklasse ein. Und wie schon vor zwölf Monaten wartet erneut Olympique Lyon als Endspielgegner. Aber ehe die 23-Jährige am 26. Mai in London im Stadion „Craven Cottage“ ein letztes Mal für Potsdam auf Torejagd gehen wird, hätte sie sich nur zu gern auch mit einem Treffer von ihren Fans im eigenen Stadion verabschiedet.

FFC sticht Lyon und US-Klubs aus

Am Rande der Partie gegen Duisburg sickerte durch, dass die Offensivspielerin zur kommenden Saison zum ewigen Potsdamer Rivalen FFC Frankfurt wechseln wird. „Ich habe ein klares Signal von Lira: Ich gehe davon aus, dass wir am Montagmittag eine Einigung bekannt geben können“, sagte Frankfurts Manager Siegfried Dietrich Morgenpost Online. Zuvor hatte die Nationalspielerin ihren Beratern grünes Licht für einen Abschluss gegeben. Auch Lyon und Klubs aus der US-amerikanischen Profiliga – darunter mit Western New York Flash jener der brasilianischen Weltfußballerin Marta – um Bajramajs Unterschrift geworben.

Allerdings werden Tribünengast Dietrich und das gleichfalls angereiste Trainerteam von Pokalsieger Frankfurt ein wenig enttäuscht gewesen sein von Bajramajs gestriger Darbietung. Zwar startete sie vor 4600 Zuschauern immer wieder Offensivbemühungen, doch versandeten ihre Zuspiele ebenso wie ihre eigenen Abschlüsse ergebnislos blieben. Das einzige Tor des Spiels erzielte stattdessen die ähnlich ballsichere, aber ungleich durchsetzungsstärkere japanische Nationalspielerin Yuki Nagasato. In der 40. Minute bugsierte sie eine Kopfballablage von Viola Odebrecht per Drehschuss flach ins linke Eck. „Nach dem 1:0 hatten wir in einem Spiel auf Augenhöhe dann natürlich Vorteile“, sagte Turbine-Trainer Bernd Schröder. Dass er trotz nervös und fahrig geführter erster Hälfte letztlich einen „verdienten Sieg“ feststellen durfte, lag an einem zweiten Durchgang, in dem seinen Spielerinnen – auch Bajramaj – eigentlich nur vorzuwerfen war, dass sie eben nicht noch weitere Tore nachlegten. „Wenn wir das 2:0 machen, gewinnen wir auch 3:0 oder höher“, sagte Schröder. Doch ob Anja Mittag (50., 65.), Bajramaj (71., 74., 87.) oder Nagasato (68., 90.) – sie alle scheiterten immer wieder an Duisburgs Torfrau Christina Bellinghoven.

Für den Finaleinzug verdienten sich die Turbine-Spielerinnen ein Preisgeld von 200.000 Euro. Torschützin Nagasato freut sich schon auf die Neuauflage des Vorjahres-Endspiels. „Das ist gut“, sagte sie: „2010 haben wir nicht innerhalb der regulären Spielzeit gewonnen, diesmal wollen wir die Sache in 90 Minuten klar machen.“ Noch ein wenig weiter voraus, nämlich in die Zeit nach Bajramaj, blickte Trainer Schröder: „Auch ohne sie werden wir eine hervorragende Mannschaft haben, die um den Gewinn von Titeln spielen wird.“ Vorher werden sie noch gemeinsam versuchen, sich erneut Europas Krone im Vereinsfußball aufzusetzen.