Galopp-Saisonstart

Ausnahmepferd "Overdose" bricht Hoppegarten-Rekord

Auf der Galopprennbahn Hoppegarten hat Ausnahme-Pferd "Overdose" mit neuem Bahnrekord gewonnen. Es war das erste Rennen für den Hengst, nachdem er 2009 wegen Hufproblemen kurz vor der Ausmusterung stand.

Foto: dpa / dpa/DPA

Was gibt es schöneres, als eine Tiergeschichte mit Happy End? Also bekamen die knapp 10.000 Zuschauer auf der Galopprennbahn Hoppegarten eine präsentiert. Zum Auftakt der 143. Rennsaison der Bahn hatten die Verantwortlichen um Besitzer Gerhard Schöningh mit dem Comeback von Ausnahme-Galopper „Overdose“ einen besonderen Anreiz geschaffen. Und der sechsjährige Hengst zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen zurück – auf der Distanz von 1000 m zeigte er seine außergewöhnlichen Fähigkeiten. Für exakt 54,1 Sekunden, dann war er – mit neuem Bahnrekord – im Ziel.

Für „Shot to nothing“ unter Filip Minarek und „Sapphire“ mit Stefanie Hofer im Sattel blieben in der mit 10.000 Euro dotierten Prüfung lediglich die Ränge zwei und drei.

„Das war schon beeindruckend nach seiner sehr langen Pause. Auf den ersten zwei- bis dreihundert Metern hat er zweimal die Galoppseite gewechselt und dann war mir klar, dass uns heute niemand im Feld schlagen kann“, zeigte sich Jockey Andreas Suborics, der nach einer schweren Kopfverletzung nach einem Sturz in Hongkong 2010 fast schon seinen Karriere beendet hatte, ebenfalls erleichtert: „Nach den vielen Gerüchten, die es um seine Form und Gesundheit gegeben hat, hat er alle Zweifler eines Besseren belehrt.“ Das Happy End einer langen Leidensgeschichte. 11 Siege in Folge, teilweise in einer eigenen Leistungswelt unterwegs, hatten „Overdose“ fast schon zum Überpferd gemacht. Doch 2009 war nach Sieg in einem Aufbaurennen im April die Saison zum Entsetzen von Besitzer Zoltan Mikoczy bereits beendet. „Overdose“ litt unter Hufproblemen. Die Hufwände waren zu dünn, er trug deswegen keine genagelten sondern geklebte Hufeisen. Im Winter 2010 wurde der Hengst nach Hoppegarten gebracht, wo er sich bei leichtem Training erholen konnte. Nach zwei Siegen bei Aufbaurennen riss die Serie von Erfolgen. In der Baden-Badener Goldenen Peitsche, dem besten Sprintrennen Deutschlands, rückte „Overdose“ erst nach acht Minuten in die Startbox ein, warf Jockey Soumillon dabei viermal ab. Platz sieben, ein Desaster.

„Overdose“-Besitzer Zoltan Mikoczy: „Der Fehler lag in erster Linie bei uns selber. Die Pause vor dem Badener Rennen betrug weniger als zwei Wochen, das war wohl zu wenig. Overdose gibt in seinen Rennen immer 120 Prozent, doch in Baden-Baden war er indisponiert. Pferde sind viel intelligenter, als wir denken. Overdose ist hoch sensibel, dieses Pferd hat eine Seele. Nach dem Rennen passierte, was wir am meisten gefürchtet hatten – er fiel in eine Depression.“

Mit der in Hoppegarten gezeigten Leistung scheint diese Phase überwunden zu sein. „Es war schon ein gewisses Risiko, Overdose hier in Hoppegarten einzusetzen. Aber wenn man wissen will, ob ein Pferd wieder zu seiner Form gefunden hat oder finden kann, muss man es laufen lassen“, war der Hoppegarten Trainer Roland Dzubasz vor dem Comeback vorsichtig optimistisch.

Für Zoltan Mikoczy hat sich das Risiko gelohnt. „Overdose“ stehen jedenfalls größere Aufgaben bevor. „Wir haben ambitionierte Pläne. Erst mal wollen wir ihn an sein Top-Leistungsniveau heranbringen. Unser Traum ist es, ihn im Juni in Royal Ascot am Start zu sehen. Wir wollen zeigen, dass er der beste Sprinter ist“, umriss Mikoczy die nähere Zukunft und fuhr fort: „In England oder Irland wäre er schon längst im Gestüt. Wir aber haben ungeheuer viel Energie, Zeit und auch Geld geopfert, um ihn. wieder auf die Rennbahn zu bekommen. Er ist ganz einfach ein Held in Ungarn.“