Eishockey

Warum Mannheim und Ingolstadt wieder versagten

Bei den DEL-Klubs Adler Mannheim und ERC Ingolstadt ist die Enttäuschung Dauerzustand. Schon wieder scheiterten die finanzstarken Vereine früh im Play-off.

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Rich Chernomaz ist an sich ein kerniger Typ. Seinen Spitzenamen bekam der frühere Eishockeyspieler und jetzige -trainer nicht umsonst verpasst: „Axt von Manitoba“ wird er wegen seiner rüden Art gerufen. Chernomaz kann aber auch sehr traurig gucken. Seine Augen sind dann leicht glasig, der Blick ist leer.

Am Dienstagabend sah der Kanadier wieder einmal so aus, nachdem er mit dem ERC Ingolstadt im Viertelfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in vier Spielen an den Eisbären Berlin gescheitert war. Mit traurigen Augen erzählte Chernomaz, dass „Berlin mehr Erfahrung darin hat, wie eine Mannschaft im Play-off zusammenspielen muss“. Ein Punkt, der nicht unwesentlich ist bei der Unterscheidung beider Teams und nicht nur auf das Play-off beschränkt. Während die Berliner auf personelle Kontinuität setzen und dadurch ein über Jahre gewachsenes Gebilde darstellen, bleibt Ingolstadt stets ein Team im Wandel.

Geld unterliegt Konzept

Unter anderem dadurch entwickelten sich die Oberbayern zuletzt ein bisschen zum Abziehbild einer anderen Mannschaft der DEL, und zwar der Adler Mannheim. In mancher Hinsicht geben die Adler fraglos einen guten Orientierungspunkt ab, mit acht Millionen Euro sind die Kurpfälzer das bestausgestattetste Team der Liga. Ingolstadt eiferte dem nach und folgt mit etwa 6,5 Millionen Euro auf Platz vier. Nur kommt das Geld gegen das Konzept der Klubs wie Berlin oder Meister Hannover kaum mehr an. Mannheim scheiterte gerade in vier Spielen an Düsseldorf.

Die Geschichte in Mannheim wird langsam dramatisch. Mit fünf Titeln sind die Adler noch immer Rekordmeister der DEL. Seit dem letzten Erfolg 2007 aber durchlebt der Klub seine schwächste Periode in der Liga. Lediglich eine Halbfinalteilnahme gelang seither, vergangenes Jahr war nicht mal das Viertelfinale drin. Ingolstadt schaffte es da zwar in die Vorschlussrunde, hatte vor zwei Jahren aber sogar das Pre-Play-off verpasst.

Wie schon oft starteten beide als Titelanwärter in die Saison. Und wie schon oft taten sich beide bald wieder als besonders aktiv hervor und kauften einige hochwertige Spieler nach. „Die Tiefe des Kaders ist absolut in der Ligaspitze einzustufen“, urteilt Jim Boni, Ingolstadts Manager, der durch Verletzungen zum Handeln gezwungen war. Nur eine Einheit wollte auch diesmal nicht aus den zusammengewürfelten Profis nicht entstehen. Boni klagt über persönliche Eitelkeiten, die zurückstehen müssten, es aber teilweise doch nicht taten.

Kreis hatte keinen EInfluss

Zwar haben sie in Mannheim schon vor der Saison erkannt, dass die wahllose Verpflichtung teurer Spieler der falsche Weg ist. Trotzdem änderte sich das Bild nur wenig. Was auch daran lag, dass Harold Kreis, der neue Trainer, mit Personal arbeiten musste, auf dessen Auswahl er keinen Einfluss hatte. Also ereigneten sich auch diesmal spektakuläre Wechsel. Der eine Star, Nathan Robinson, wurde weggeschickt, der andere, Steven Reinprecht (Jahresgehalt 2,1 Millionen Dollar), direkt aus der nordamerikanischen Profiliga NHL importiert. In Play-off fiel Reinprecht dann kaum auf. „Dieses Jahr war als Umstrukturierung gedacht“, sagt Kreis. Mit der stärkeren Berücksichtigung des eigenen Nachwuchses setzte er dennoch erste Zeichen.

Weitere werden folgen. „Er bekommt die Chance, seine eigene Mannschaft aufzustellen“, sagt Klubchef Daniel Hopp zu den Perspektiven des Trainers. Der war auch enttäuscht, weil sich das Team mit einer ganz schwachen Leistung in den Urlaub verabschiedet hat. Aber an so etwas sind die Zuschauer in Mannheim längst gewöhnt, es kamen nur 8800. Zum ersten Mal liegt der Besucherdurchschnitt der Adler damit in einer Saison unter 10.000 (9700). Es darf als dringende Aufforderung im Eishockey-begeisterten Mannheim gewertet werden, eine neue Richtung einzuschlagen.