Pferdesport

Hoppegarten startet in die neue Rennsaison

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Matthias Brzezinski

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Am Sonntag startet in Hoppegarten vor den Toren Berlins die neue Rennsaison. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es 2011 mehr Renntage und gestiegende Preisgelder. Nicht nur deshalb hat sich der mongolische Nachwuchsreiter Bayorsaikhan Gaubat einiges vorgenommen.

Ein kleiner Junge schaut über die weite Steppenlandschaft nicht allzu weit entfernt von der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator. In der Ferne galoppieren Pferde. Es ist kalt, aber die Luft ist glasklar. Man sieht den Atem der Tiere. Pure Faszination für Bayorsaikhan Gaubat, als er zu Besuch bei seinen Großeltern ist, die als Nomaden in Zentralasien lebten. Der kleine Junge ist mittlerweile 25 Jahre alt. Die Begeisterung für Pferde, vor allem für galoppierende, ist geblieben. Eher sogar größer geworden – auch als Auszubildender zum Pferdewirt im Stall von Trainer Hardy Hötger (42) in Hoppegarten.

In der Zeitung fündig geworden

„Ich war 14 Jahre alt, als meine Eltern nach Deutschland gegangen sind. Ich habe hier die Schule beendet und mich mit Schwerpunkt Betriebswirtschaft weitergebildet“, erzählt der angehende Rennreiter und streichelt dem achtjährigen dunkelbraunen Wallach Westfalensturm den Kopf. „Dann habe ich in einer Zeitung eine Annonce gesehen und mich hier für die Ausbildung beworben und die Arbeit gekriegt, obwohl ich als Lehrling schon ziemlich alt bin“, lacht Gaubat, der im kommenden Jahr fertig wird, freundlich. „Er ist ein Guter“, schmunzelt sein Chef. Ein Guter, dem nichts geschenkt wird. Von 6 bis 13.30 Uhr und von 17 bis 19 Uhr, sieben Tage die Woche, ruft während der Rennsaison der Job. „Im Winter ist es etwas ruhiger“, sagt Hötger. Rund 45 Minuten täglich dauert die Arbeit mit jedem der 38 Pferde im Hötger-Stall für die insgesamt sieben Angestellten.

Am Sonnabend wartet auf Bayorsaikhan Gaubat eine willkommene Abwechslung. Er bestreitet mit Westfalensturm in Magdeburg sein bislang siebtes Rennen. Und am Sonntag (14 Uhr) beginnt für ihn – zunächst als Zuschauer – das Rennjahr auf der Heimatbahn Hoppegarten. Bislang konnte sich Gaubat zwischen den Rängen drei und sechs platzieren. Siege sind noch Fehlanzeige. 50 muss man haben, um Jockey zu sein. Der Berufswunsch, den er sich unbedingt erfüllen will. Sein Karrieretraum geht noch einen Schritt weiter: „Ich möchte einmal beim Deutschen Derby starten.“

Auf der Bahn vor den Toren Berlins stehen am Sonntag neun Rennen auf dem Programm. Spektakulärer Höhepunkt beim Start in die 143. Saison dürfte das mit 10.000 Euro dotierte Sprintrennen über 1000 Meter sein. Star im Neuner-Feld ist Overdose. Der sechsjährige Hengst, im Besitz des Ungarn Zoltan Mikocy, war lange verletzt, die Fortsetzung des in 15 Rennen 14-mal siegreichen Ausnahmepferdes galt als ungewiss. Overdose wird von Andreas Suborics geritten.

Eigentümer Schöningh gibt sich erwartungsfroh

Rennbahn-Eigentümer Gerhard Schöningh freut sich, dass es endlich wieder los geht: „Mit dem Start von Overdose bieten wir ein Highlight an. Und ich wünsche mir natürlich eine spannende Saison. Wir haben die Anzahl der Renntage von neun auf zehn erhöht. Die Rennpreise steigen von 705.000 auf insgesamt 969.000 Euro“, sagte der 49-Jährige und fuhr fort: „Am meisten freue ich mich auf den 121. Großen Preis von Berlin am 24. Juli. Das Rennen wurde 1888 in Hoppegarten erstmals gelaufen und zuletzt 1944. Mit 175.000 Euro ist es das vierthöchst dotierte Rennen Deutschlands.“

Mit großem Interesse schaut man in Hoppegarten auf die derzeitige Diskussion um das Thema Sportwetten. Bei einer außerordentlichen Versammlung der Ministerpräsidenten zum Glücksspiel-Staatsvertrag wurde unter anderem über die Tatsache gesprochen, dass der Pferdesport große Teile der bei Wetten anfallenden Steuern wiedererstattet bekommt. Das basiert auf dem Rennwett- und Lotteriegesetz von 1922. Pferderennen sind die vom Landwirtschafts-Ministerium vorgeschriebenen Leistungsprüfungen für die spätere Zucht. Der gemeinnützige Teil des Sports finanziert sich aus den Wetten.

Die Steuer-Rückerstattung könnte infrage gestellt werden. „Ein kompletter Wegfall entzieht den Bahnen die Grundlage zur Existenz. Aus Sponsoren-Einnahmen und Eintrittsgeldern allein können wir uns nicht finanzieren“, sieht Gerhard Schöningh das Problem, allerdings auch die Möglichkeit eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden.