Interview

Für Ecclestone war Vettel 2010 der Schnellste

Bernie Ecclestone erzählt bei Morgenpost Online, was er vom Saisonfinale am Sonntag beim Großen Preis von Abu Dhabi erwartet.

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Den Scheichs in Abu Dhabi hatte Formel-1-Vermarkter Bernie Ecclestone (80) ein paar Millionen extra abgeknöpft dafür, dass sie nach ihrem Rennveranstaltungsdebüt im Vorjahr diesmal sogar das Saisonfinale ausrichten dürfen. Die Investition hat sich gelohnt, erstmals streiten beim letzten Rennen des Jahres noch vier Piloten um den Titel.

Morgenpost Online: Mister Ecclestone, als Promoter kann mit dieser Saison nur zufrieden sein, oder?

Bernie Ecclestone: Absolut. Aber ich habe vor der Saison irgendwie geahnt, dass es spannend werden würde, alles hat darauf hingedeutet. Die Leistungsdichte bei den Teams und den Fahrern war offensichtlich, aber dass es nun so extrem eng wird, ist natürlich fantastisch.

Morgenpost Online: Haben Sie in Ihrer langen Karriere je etwas Spannenderes erlebt?

Ecclestone: Nein. Früher gab es die Duelle von zwei Superstars wie Prost gegen Senna oder Lauda gegen Hunt oder Mansell gegen Piquet – aber gleich vier Topfahrer, die im letzten Rennen um die WM fahren, das gab es noch nie.

Morgenpost Online: Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ecclestone: Früher hatten wir meistens nur zwei Teams, die wirklich siegfähig waren. McLaren gegen Ferrari, Williams gegen McLaren oder gegen Ferrari – das war das Maximum. Und dann gab es in der Regel auch nur einen Fahrer pro Team, der in der Lage war umzusetzen, was sein Auto hergab. So läuft das heute nicht mehr.

Morgenpost Online: Wie kam es dazu?

Ecclestone: Keine Ahnung. So etwas kann man nicht steuern, es passiert einfach. Dass wir aktuell so viele Topfahrer haben, zeigt, dass wir in den letzten Jahren in diesem Sport einfach Glück gehabt haben. Ich weiß, wovon ich spreche: Erfolg kann man zwar vorbereiten und die Bedingungen dafür schaffen, aber garantieren kann man ihn nicht.

Morgenpost Online: Wenn sie auf den zukünftigen Weltmeister wetten müssten, auf welchen Fahrer würden sie am Sonntag Ihr Geld setzen?

Ecclestone: Die offensichtlich beste Wahl wäre Fernando Alonso, weil er mit den meisten Punkten ins Rennen geht. Am Ende würde ich meine Wahl aber vom Abschlusstraining abhängig machen. Denn wir haben gesehen, dass ein Startplatz in der ersten Reihe zwar nicht das Rennresultat vorweg nimmt, aber doch am Ende eine extrem wichtige Rolle spielt. Zum Beispiel, wenn Sebastian Vettel die Bestzeit fahren würde und wie in Brasilien auf und davon zieht, könnte es für Alonso schon schwer werden. Erst recht, wenn Mark Webber nach dem Start dazu auch noch Zweiter sein sollte. Im Übrigen scheint niemand mehr mit den McLaren zu rechnen. Je nachdem, wie deren Autos hier laufen, könnten Hamilton und Button in der WM-Entscheidung aber noch eine bedeutende Rolle spielen. Wie ich gehört habe, hat Lewis seine Titelchancen noch nicht begraben.

Morgenpost Online: Alles diskutiert über eine verbotene Stallorder. Was sagen Sie dazu?

Ecclestone: Dazu würde ich was sagen, wenn sie von irgendeinem Team eingesetzt wird. Sie ist laut Fia verboten und wenn sie morgen eingesetzt würde, wäre die Frage: nach welchen Kriterien?

Morgenpost Online: Was meinen Sie damit?

Ecclestone: Wenn das Thema überhaupt auftaucht, dann nur bei einer bestimmten Rennsituation und die kennt im Moment noch keiner. Vielleicht tritt diese Situation auch gar nicht ein und wir zerbrechen uns jetzt umsonst den Kopf. Fragen Sie mich daher lieber nach dem Rennen.

Morgenpost Online: Unabhängig vom Ausgang des Titelrennens: Welcher Fahrer hat Sie in dieser Saison besonders beeindruckt?

Ecclestone: Sebastian Vettel ist für mich von den WM-Kandidaten der schnellste Mann und obwohl er einige Fehler machte, hat er mich sehr beeindruckt. Mark Webber war dagegen sehr konstant, Fernando Alonso wurde zu Saisonbeginn durch die Ferrari-Technik eingebremst. Dann hat er sich mit Ferrari auf bewundernswerte Art erholt und fantastische Resultate abgeliefert.

Morgenpost Online: Wer hätte den Titel in ihren Augen denn am meisten verdient?

Ecclestone: Jeder ist wie ein Weltmeister gefahren. Auch Lewis Hamilton, der von allen am meisten unter der nicht immer siegfähigen Technik litt. Ich bin sicher, wenn Lewis statt im McLaren im Red Bull gesessen hätte, wäre er jetzt in der Position der Red-Bull-Fahrer.

Morgenpost Online: Es gibt ja dieses Jahr eine Menge neuer, kleiner Privatteams, die sich mit der Finanzierung und erst recht mit Erfolgen schwer tun. Was können Sie für die tun?

Ecclestone: Solange ich in der Formel 1 arbeite; ist das so. Jeder weiß das und muss damit fertig werden, wenn er trotzdem ein Engagement wagt. Das geht und funktioniert, wenn man mutig und clever ist.

Morgenpost Online: Am Sonntagnachmittag ist die Saison vorbei. Was machen Sie im Winter, wenn es keine Rennen gibt?

Ecclestone: Genau das, was ich die letzten vierzig Jahre gemacht habe, ich bereite die nächste Saison vor. Für Ferien habe ich keine Zeit.