Manipulation

Uefa sucht nach dem Maulwurf der Wettmafia

Nachdem sich der neue Wettskandal angeblich über neun europäische Länder erstreckt hat, steht nun auch das Zentrum des europäischen Fußballs im Zwielicht. Vom Hauptsitz der Uefa soll ein "Maulwurf" die Wettpaten mit Informationen versorgt haben und Schiedsrichter-Ansetzungen vorzeitig benannt haben.

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Immerhin einen schönen Bau hat sich der „Maulwurf“ ausgesucht. In der Zentrale des europäischen Fußballverbandes Uefa im schweizerischen Nyon soll er sich eingerichtet haben, das Gebäude liegt wunderschön am Ufer des Genfer Sees. Von diesem Traumort aus soll er Wettpaten mit brisanten Informationen versorgt und der nun am Pranger stehenden Zockerbande im Manipulationsskandal schon Tage vor einer Partie etwa die entsprechende Schiedsrichteransetzung benannt haben.

Der „Maulwurf“, berichtet die englische „Times“, war da gleichermaßen rege wie gewissenlos. Denn für die Wettmafia sind jene Informationen überaus nützlich, weil neben Spielern und Klubpräsidenten so auch empfängliche Unparteiische geschmiert werden könnten, damit ein Spiel „wunschgemäß“ ausgeht. Bereits 2005 beim Skandal um den deutschen Schiedsrichter Robert Hoyzer und dessen Machenschaften ist jene Weitergabe von Insiderwissen im Rahmen des Prozesses ausführlich geschildert worden, und vielleicht handelt es sich im aktuellen Fall noch immer um den alten, erfahrenen Schuft .

Doch noch reagiert der Zentralverband auf die neuerliche Beschuldigung aus England zurückhaltend. Man habe von den Vorwürfen gehört, überlasse das weitere Vorgehen aber der ermittelnden Bochumer Staatsanwaltschaft, hieß es aus Nyon.

Inzwischen ermittelt aber auch die Schweizer Bundesstaatsanwaltschaft, denn der Skandal hat auch die Eidgenossen selbst erreicht. Wie der „Tagesanzeiger“ berichtet, sollen in den Vorbereitungsspielen die Erstligisten Young Boys Bern und FC Aarau gegen mögliche Betrüger gespielt haben. So sollen die Testspiele gegen den bulgarischen Verein Mezdra in der Schweiz am 13. und 17. November möglicherweise nicht ordnungsgemäß über die Bühne gegangen sein. Die letzten beiden Tore für Young Boys fielen per Eigentor und Elfmeter, im Spiel gegen Aarau war der letzte Treffer ebenfalls einem Elfmeter entsprungen.

Zuvor schon hatte bereits der Schweizer Zweitligist FC Gossau seinen Mittelfeldspieler Mario Bigoni suspendiert. Der 25-Jährige soll Klubpräsident Roland Gnägi Unregelmäßigkeiten gestanden haben. Bigoni soll bereits von der Polizei vernommen worden sein.

Seit der ersten Bekanntgabe des größten Manipulationsskandals in Europa vergangenen Freitag sind alle neun von den vermeintlich verschobenen Spielen betroffenen Verbände in Alarmbereitschaft versetzt. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB). Heute reist Generalsekretär Wolfgang Niersbach nach Nyon, um sich vor Ort ein Bild zu machen über das Ausmaß des Skandals. „Das Treffen mit der Uefa wird dazu dienen, alle neun betroffenen Nationalverbände auf einen gemeinsamen Informationsstand zu bringen. Ob sich neue Fakten ergeben, die über die bisher veröffentlichen Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft Bochum hinausgehen, glaube ich eher nicht“, sagte Niersbach gestern.

Wegen der laufenden Ermittlungen hat die Bochumer Staatsanwaltschaft bislang keine Namen von beteiligten Spielern oder Schiedsrichtern bekannt gegeben. Bislang stehen allein im Jahr 2009 in Deutschland 32 Spiele von der Zweiten Liga abwärts unter Manipulationsverdacht. In sechs europäischen Ländern sind Erstligaspiele betroffen, zudem sollen zwölf Partien der Europa League sowie drei Champions-League-Spiele verschoben worden sein. Insgesamt stehen mehr als 200 Spiele in neun Ländern unter Manipulationsverdacht.

Niersbach, der gemeinsam mit Robert Weise, DFB-Abteilungsleiter Sportgerichtsbarkeit, zur Krisensitzung nach Nyon reist, will nun prüfen, „ob wir vielleicht einen Maßnahmenkatalog verabreden“. Es sind zarte Bemühungen im Kampf gegen die Korruption.