College-Sport

Berliner Niels Giffey vor US-Basketball-Titel

Der 19-jährige Niels Giffey aus Berlin-Marzahn steht in den USA im Halbfinale der populären Basketball-College-Meisterschaft. Ex-Alba-Spieler Henrik Rödl, der das Ausnahmetalent einst trainierte, weiß um die Qualitäten seines ehemaligen Schützlings.

Foto: AFP

Henrik Rödl kann sich gut vorstellen, wie sich Niels Giffey gerade fühlt. Denn Rödl, einst sowohl Profi als auch Trainer beim Basketballklub Alba Berlin, hat das alles zweimal mitgemacht – das Final Four um die College-Meisterschaft in den USA. 1993 gewann der heute 42-Jährige, inzwischen Cheftrainer beim Bundesligisten TBB Trier, als Student mit der Universität von North Carolina sogar den Titel. Jetzt hat der Berliner Giffey die Chance. „Das ist eine sensationelle Erfahrung für ihn, vor allem, wenn man bedenkt, dass Niels erst im ersten Jahr im Team steht“, sagt Rödl.

Für den 19-jährigen, 2,01 Meter großen Niels Giffey, der einst in Marzahn begann, dann bei TuS Lichterfelde und bis zum Sommer 2010 bei Alba spielte, ist es in den USA eine Entwicklung wie von null auf hundert. Vor neun Monaten hatte der Abiturient an der University of Connecticut (UConn) zugesagt, jetzt steht er mit den „Huskies“, wie das Basketballteam der Uni genannt wird, im Halbfinale um die US-Meisterschaft. Am Sonnabendabend (Ortszeit) trifft er mit seinem Team in Houston im Halbfinale auf die University of Kentucky, zwei Tage später wäre das Endspiel. Die College-Titelkämpfe haben in den USA einen enormen Stellenwert. „Fast die gesamte Aufmerksamkeit der am Sport Interessierten ist in diesen Tagen nach Houston gerichtet“, sagt Rödl. CBS überträgt alle Spiele live.

Und Giffey mittendrin. „So eine Chance kommt nur einmal im Leben, Schule und Basketball auf hohem Level vereinbaren zu können“, sagte er einst in einem Interview mit „eurobasket.com“. „Es war sein Traum, das hat er für sich entschieden und sich auch nicht davon abbringen lassen“, erinnert sich Rödl. Er selbst war Coach von Giffey, als Albas Junioren in der Nachwuchs-Bundesliga NBBL 2009 den Titel holten. Warum er nicht bei Alba blieb, verriet Giffey in einem Gespräch mit dem Internetdienst „spox“: „Mir fehlte dort die Weiterführung aus der Jugend in den Spitzenbasketball. Die Nachwuchsförderung ist überragend, aber anscheinend ist es in Berlin nicht möglich, angesichts des Leistungsdrucks junge deutsche Spieler in die erste Mannschaft zu integrieren.“

„Er ist ein sehr vielseitiger Flügelspieler, intelligent, angenehm und ehrgeizig“, charakterisiert Rödl seinen ehemaligen Spieler, der von der U16 bis zur U20 in allen Nachwuchsteams des Deutschen Basketball Bundes (DBB) gespielt hat. „Es ist schwer, Minuten zu bekommen“, sagt Giffey über seine Situation. „Zum Saisonanfang war es einfacher, ich weiß nicht so recht, woran es jetzt liegt.“ Rödl beobachtet genau, dass Giffey „zuletzt immer weniger gespielt hat“. Beim 65:63 gegen Arizona, das den Sprung ins Final Four sicherte, stand er gerade mal eine Minute lang auf dem Feld. Sein Landsmann im Team, Enosch Wolf (Sohn des ehemaligen Nationalspielers Horst Wolf), ist es gewohnt, so gut wie nie zu spielen.

Ob auf Dauer der Wechsel ans College für Giffeys Werdegang das Beste war, bezeichnet Rödl als „momentan offen“. Ob es besser gewesen wäre, bei einem Erstligisten zu reifen, sei „reine Spekulation“. Doch erst einmal wird Niels Giffey das Ereignis in Houston genießen.