Kolumne "Abschlag"

Wie Kaymer-Kumpel Fritsch Spaß am Golf wiederfand

Als Jugendlicher wurde Florian Fritsch mit Martin Kaymer EM-Zweiter. Doch dann verlor er die Lust am Golf. Nun ist er wieder zurück bei den Profis.

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Der deutsche Golfsport ist dank Martin Kaymer wieder ein Thema. Und natürlich konzentrieren sich die Gespräche auf den Weltranglistenersten, der sich auf das US-Masters kommende Woche in Augusta/Georgia vorbereitet. Doch auch ein Blick auf die zweite Reihe der deutschen Profis lohnt sich. Ich meine vor allem den 25 Jahre alten Münchner Florian Fritsch, der dieses Jahr als Neuling auf der Europa-Tour spielt und durchaus die Fähigkeiten besitzt, sich in der internationalen Spitze zu etablieren. Wer ist dieser junge Mann, der als Jugendlicher mit Martin Kaymer EM-Zweiter wurde?

Zunächst lag eine Zukunft als Tennisspieler nahe, schließlich war seine Mutter Nationalspielerin und sein Vater Ausbilder für Tennislehrer. Mit zehn Jahren allerdings nahmen ihn die Eltern zum ersten Mal mit auf den Golfplatz in Pfaffing bei München, und nur zwei Jahre später äußerte Fritsch den Wunsch, Golfprofi zu werden. Die Eltern suchten daraufhin einen Weg, Schule und Sport zu vereinbaren, und meldeten ihren Sprössling an der Leadbetter Golf Academy in Bradenton/Florida an. „Viele Eltern verstanden diesen Schritt nicht, einen Zwölfjährigen für drei Jahre nach Amerika zu schicken“, sagt Fritsch, „aber ich bin ihnen unendlich dankbar.“

Mit 15 kehrte das Talent heim und schloss sich dem Golfclub St. Leon-Rot bei Heidelberg an. Unter Trainer Frank Adamovicz wurde Fritsch fünfmal deutscher Mannschaftsmeister und gleichzeitig zu einer Stütze der Nationalmannschaft. Mit Kaymer holte sich Fritsch 2005 sogar EM-Silber. 2008, nach drei Jahren auf dem College in South Carolina, wechselte er zu den Profis und qualifizierte sich gleich für die Challenge-Tour. Diese schloss er nach zwei zweiten Plätzen als zweitbester Deutscher ab – eine erfolgreiche Profikarriere schien programmiert.

Doch plötzlich hatte Fritsch Anfang 2010 keine Lust mehr. „Ich fühlte mich fremdbestimmt, wollte zu mir selbst finden. Nach einer mehrmonatigen Auszeit weiß ich nun, dass ich wirklich Golfer sein will.“ In den kommenden Wochen möchte sich Fritsch darauf konzentrieren, mit guten Platzierungen seine Tourkarte zu sichern. Den ersten Schritt hat er mit Rang acht vorige Woche in Malaga gemacht, der nächste soll in diesen Tagen in Marokko folgen.