Studie

Berlin ist Deutschlands Sportstadt Nummer eins

Zum zweiten Mal nach 2007 veröffentlichte das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut ein Ranking der deutschen Sportstädte. Dabei verdrängte Berlin den Vorjahressieger München von Platz eins. Denn die Hauptstadt hat in zwei der vier berücksichtigen Kategorien das beste Angebot.

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And the winner is? Berlin! Die Hauptstadt ist in diesem Jahr auch Deutschlands Sportstadt Nummer eins. Das geht aus dem zum zweiten Mal nach 2007 veröffentlichen Sportstädte-Ranking des angesehenen Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) hervor, das Morgenpost Online exklusiv vorliegt.

Dabei gelang Berlin im Vergleich zum Vorjahr der Sprung vom ungeliebten vierten Platz an die Spitze. München konnte an die zweite Position verdrängt werden. Während Hamburg seinen dritten Platz behielt, fiel Stuttgart vom zweiten auf den vierten Rang vor Köln zurück. „Natürlich freut mich das sehr“, erklärte Norbert Skowronek, der Direktor des Landessportbundes Berlin. „Andererseits überrascht es mich nicht, denn im Frühjahr dieses Jahres wurde Berlin in einer Studie des internationalen Sportberatungsunternehmens Sportbusiness in London als zweitbeste Stadt weltweit für sportliche Großereignisse hinter Melbourne genannt.“

Berlin in zwei Kategorien Spitze

Das HWWI berücksichtigte in seiner Untersuchung erneut die 15 größten deutschen Städte, die mindestens rund eine halbe Million Einwohner haben. Dem Ranking liegen die vier Kategorien Breitensport, Profisport, Infrastruktur und Sportevents zu Grunde. In den beiden letzten Bereichen hat Berlin die nationale Spitzenposition sowie im Profisport dank Hertha BSC und Union (Fußball), Alba (Basketball), Eisbären (Eishockey) und Füchse (Handball) den zweiten Rang hinter München, das in dieser Kategorie sehr stark vom dreistelligen Millionen-Etat des FC Bayern profitiert und damit dort den Mangel an Vielfalt übertünchen kann.

Weiterhin weist Berlin aber erhebliche Schwächen im Breitensport auf, da insbesondere im Ostteil der Stadt – ebenso wie in Leipzig und Dresden – die Vereinsstrukturen bei weiten nicht so ausgeprägt sind wie im Westteil und den alten Bundesländern. Doch dieses Defizit, das nur Platz 13 in diesem Bereich einbrachte (siehe Grafik), konnte den Gesamt-Erfolg Berlins diesmal nicht verhindern, da der Vorsprung in den anderen drei Bereichen gegenüber den meisten Konkurrenten zu groß war. Die Endplatzierung im Gesamtranking ergibt sich somit nicht einfach daraus, dass man die Resultate der vier einzelnen Kategorien addiert und dann durch vier teilt. Dann läge München vorn.

Größte Hallenkapazität dank der O2 World

Auch die HWWI-Autoren Dr. Henning Vöpel und Max Steinhardt sind vom Erfolg Berlins nicht überrascht. „Es lag auf der Hand, dass die Eröffnung der O2 World als neue große Mehrzweck-Arena eine erhebliche Auswirkung haben würde. Da Berlin ja auch noch die Schmeling-Halle für rund 10.000 Zuschauer hat, gibt es in der Hauptstadt nun die mit Abstand größte Hallen-Kapazität in Deutschland. Zudem haben wir in der Kategorie Profisport einen Erfolgsfaktor eingeführt. Entsprechend wirkten sich die Meistertitel für Alba und die Eisbären positiv für das Ranking aus“, sagt Vöpel.

Neu aufgenommen in die Wertung im Bereich des Profisports wurde die eingleisige Dritte Liga im Fußball. So fand nun auch der 1. FC Union Berücksichtigung. Vor allem aber Düsseldorf profitierte nachhaltig davon, das sich im Vergleich zu 2007 vom zwölften auf den siebten Platz verbesserte und damit den größten Sprung im Vergleich zum Vorjahr machte.


Niemand kann sich mehr auf seinem Lorbeer ausruhen

Anders als bei der Premiere des Sportstädte-Rankings vor gut einem Jahr werden nun bei den Sportevents nicht mehr die Veranstaltungen der vergangenen fünf Jahre, sondern nur noch für das laufende Jahr und das Vorjahr berücksichtigt. „Dadurch entsteht in diesem Bereich eine größere Dynamik. Keine Stadt kann sich mehr lange auf ihrem Lorbeer ausruhen“, sagt Steinhardt. Vor allem Städte wie Dortmund, die im Vorjahr noch stark von den Spielen der Fußball-WM 2006 profitiert hatten, fielen jetzt ab.

2007 war aus Berlin nach der Einstufung auf Platz vier Kritik an Kriterien der Studie gekommen. „Wenn man die Beteiligung am Sport misst, muss man die ganze Bandbreite einbeziehen“, hatte Skowronek damals bemängelt.

Die Aussichten, die Spitzenposition zu halten, stehen für Berlin gut. Denn die im kommenden Jahr anstehende Leichtathletik-WM wird in der Kategorie der Sportevents noch einmal eine positive Wirkung haben, während in Stuttgart Weltmeisterschaften im Turnen und Radsport von 2007 aus der Wertung fallen. Gleiches gilt in Hamburg für die Spiele der Handball-WM und die Triathlon-WM 2007.

In Berlin aber dürfte die neue O2 World – neben den Heimspielen der Profiteams – auch künftig zahlreiche hochkarätige Einzelveranstaltungen wie Profiboxkämpfe anlocken, die früher nicht in Berlin stattfanden.