Leichtathletik

Rekordhalterin Katja Demut hat den Sprung geschafft

Seit Jahren ist Katja Demut eine der besten deutschen Dreispringerinnen. Bei der Hallen-EM in Paris will sie auch international konkurrenzfähig sein.

Es ist wichtig für die deutschen Leichtathleten, bei der Hallen-Europameisterschaft von Freitag bis Sonntag in Paris ein gutes Bild abzugeben. In Zeiten, in denen die Sportart der Läufer, Springer und Werfer unter immer stärkerem Bedeutungsverlust leidet, gar zu befürchten ist, dass die öffentlich-rechtlichen Sender von der WM im Sommer in Daegu (Korea) keine Livebilder senden werden, ist jedes Achtungszeichen willkommen. Dass der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) in Paris allerdings so erfolgreich abschneiden wird wie vor zwei Jahren in Turin (drei Titel, insgesamt zehn Medaillen), ist kaum zu erwarten. Zuletzt musste noch 100-Meter-Europameisterin Verena Sailer ihren 60-Meter-Start wegen Rückenproblemen absagen. 36 Athleten (je 18 Frauen und Männer) umfasst das DLV-Aufgebot nun noch.

Herbert Czingon, einer der beiden Leitenden Bundestrainer, sagt ohne Umschweife: „Die Hallen-EM ist nicht der Nabel, um den alles kreisen darf.“ Der Blick geht Richtung Daegu und Olympia 2012 in London. „Doch für die, die in Paris dabei sind, ist das eine wichtige Zwischenstation.“

Nerven behalten

Das sieht eine Athletin wie Katja Demut auch so. Für sie sind die Hallentitelkämpfe auch ein Test, wie weit sie international wirklich ist. Physisch wie psychisch. „Erst einmal die Qualifikation überstehen“, das treibt die Jenaerin um. Wenn man bedenkt, dass die Dreispringerin zuletzt konstant weit über 14 Meter gesprungen ist, vor drei Wochen sogar den gut 15 Jahre alten deutschen Hallenrekord auf nun 14,47 Meter verbessert hat, sollte das überhaupt kein Problem sein. Mit dieser Weite führt sie die europäische Jahresbestenliste an. „Platz eins ist zwar schön, nützt mir aber gar nicht“, sagt sie. Schließlich hat die 25-Jährige so ihre Erfahrungen gemacht. „Ich bin bei der WM 2009 in Berlin und der EM 2010 in Barcelona jeweils in der Qualifikation gescheitert.“ Da heißt es vor allem: Nerven behalten, wenn sie am Freitagfrüh um 9 Uhr als Erste aus dem DLV-Aufgebot an den Quali-Start gehen muss. Wenn da alles gut läuft, hat Demut sicherlich tags darauf eine Medaillenchance.

Der DLV darf sich über ein neues, frisches Gesicht freuen, eine sympathische Athletin, mit deren zuletzt starker Entwicklung wohl die wenigsten gerechnet haben dürften. „Ich wusste immer, dass ich weit springen kann, wenn ich alles umgesetzt bekomme“, sagt sie. Und spricht in einem Atemzug von der Vergangenheit: „Ich hatte eine sehr schwierige Zeit.“ Nein, ans Aufhören habe sie nie gedacht, aber teilweise „war es deprimierend“. Nach dem Abitur auf dem Sportgymnasium in Jena hatte sie neben dem Leistungssport eine dreijährige Ausbildung als Groß- und Einzelhandelskauffrau in einem Sportgeschäft durchgezogen. Sport und Ausbildung, dazu das viele Stehen – dies ging nicht zusammen. Dazu kam noch, dass sie am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankte, was erst einmal nicht erkannt wurde. „Ich dachte lange, ich bin von der Arbeit so schlapp.“

In der internationalen Elite

Doch Demut hat nicht aufgegeben. Es ging langsam aufwärts, seit sie sich im Oktober 2007 bei der Bundeswehr als Sportsoldatin verpflichtete. Beim Dreisprung muss man sehr geduldig sein. Der Muskelaufbau dauert seine Zeit, Schnelligkeit, Umsetzen des Anlaufs in die Sprünge – die Disziplin ist sehr komplex. National schon seit vielen Jahren spitze, ist sie nun in der internationalen Elite angekommen. Sie profitiert auch von der guten Zusammenarbeit zwischen ihrem Heimtrainer Michael Höhne und dem zuständigen Bundestrainer Eckhard Hutt. „Das läuft super.“

Katja Demut ist auch psychisch stärker geworden. „Nach all’ dem, was war, weiß ich mit Niederlagen umzugehen.“ Sie hat ihren Frust in Antrieb umgesetzt, als sie vor einigen Monaten erfuhr, dass sie knapp den Sprung ins „Team 2012“ des DLV verpasst hatte. Was unter anderen weniger Unterstützung bei Trainingsmaßnahmen in Hinblick auf Olympia bedeutet. „Da habe ich mir gesagt: Jetzt zeigst du es allen.“ Gesagt, getan. Und es wurde doch noch alles gut. Nach ihrem Rekordsprung in Düsseldorf kam Herbert Czingon zu ihr und sagte die erlösenden drei Worte: „Willkommen im Team.“