Eishockey

Beim ECC Preussen tobt ein Machtkampf

Obwohl Rainer Groß das Präsidentenamt beim Oberligisten erst vor zwei Monaten antrat, will der Vorstand ihn schon wieder loswerden. Der Vorwurf: Statt Sponsoren zu holen, habe er den Verein nach seinen Vorstellungen umkrempeln wollen.

Foto: JOERG KRAUTHOEFER

Es könnte ein bunter Abend werden, wenn am Donnerstag die Mitglieder des ECC Preussen in einem Hotel in Alt-Moabit zu ihrer außerordentlichen Versammlung zusammenkommen. Für manche dürfte es interessant sein, weil sie erstmals Einblick in die tatsächliche finanzielle Situation des Eishockey-Vereins erhalten sollen. Weit mehr im Mittelpunkt aber wird der Machtkampf stehen, der gerade in der Führungsetage des Drittligisten ausgefochten wird. Die Ansetzung lautet: Vorstand gegen Präsident.

Es ist erstaunlich, wie sich die Dinge in knapp zwei Monaten entwickelt haben. So lange nämlich erst ist Rainer Groß Präsident der Preussen. Wie verfahren die Situation ist, zeigt sich allein daran, dass der Vorstand zur außerordentlichen Versammlung aufgerufen hat, um Groß abwählen zu lassen. Der aber sagt als Versammlungsleiter: „Mir liegt kein Antrag auf Abwahl vor. Außerdem wurde der Präsident laut Satzung für drei Jahre gewählt.“ Es existiert allerdings auch eine Tagesordnung, auf der unter Punkt fünf die Abwahl des Präsidenten auftaucht. Bei den Preussen, so scheint es, geht es durcheinander wie in schlimmsten Zeiten. „Das ist eine traurige Angelegenheit“, sagt Andreas Kinder. Seine beiden Jungs spielen im Nachwuchs, sind sehr talentiert. Kinder hat Angst, dass der Klub auseinanderfällt.

Ausgangspunkt der Querelen war das Geld. In dieser Saison mussten die Preussen im Hangar auf dem Flughafen Tempelhof spielen, wo nur 200 Zuschauer Platz haben. Geld konnte da kaum verdient werden. Schnell summierten sich offene Beträge. Im Bemühen, die Probleme zu lösen, kam Groß ins Spiel. Der, eloquent und überzeugend, versprach Sponsoren. „Ich dachte, er könnte was bewirken. Aber das Gegenteil hat sich herausgestellt. Hinterrücks wollte er alles umkrempeln“, sagt Kinder. Ziemlich schnell nach Groß' Wahl zum Präsidenten fühlten sich einige Mitglieder – vor allem im Vorstand – überrumpelt, mit falschen Versprechungen hinters Licht geführt. Denn Groß reichte bald einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ein und gründete einen neuen Verein, zu dem es einen kompletten Mitgliederwechsel gegeben haben soll. Für diesen beantragte er auch eine Spielgenehmigung beim Berliner Verband.

Der Vorstand wirft ihm vor, nur aus Eigennutz und ohne Absprache zu handeln. Einige Dinge wirken in der Tat sonderbar. Groß behauptet, beim Amtsantritt nichts über das Ausmaß der Schulden, damals gut 80.000 Euro, inzwischen etwa 100.000, gewusst zu haben. Doch es liegen eidesstattliche Erklärungen zweier Vorstandsmitglieder vor, in denen das Gegenteil beteuert wird. „Was würde das ändern“, fragt Groß, „ich habe den Verein nicht verschuldet.“ Letzteres ist zwar richtig, aber alles nimmt Groß offenbar nicht so genau. Der Mitgliederwechsel hatte trotz der Behauptung im Schreiben an den Verband nie so stattgefunden. Groß sagt, er wollte nur eine Sicherheit schaffen mit dem neuen Verein.

Groß' Handeln veranlasste nun einige Personen in der höheren Ebene des Klubs, sich mit dessen Vergangenheit zu beschäftigen. Da kamen einige Verfahren und auch ein paar Verurteilungen zusammen. „Das sind alles Nebenkriegsschauplätze, die hätten lieber Spenden sammeln sollen, als in meiner Biografie zu gucken, was da ist“, sagt Groß. Er jedenfalls hat nicht vor, seinen Posten aufzugeben. Rücktrittsforderungen kam er nicht nach.

Dass auch der alte Vorstand Fehler gemacht hat, gesteht dieser inzwischen ein. „Wir haben in der Vergangenheit nicht transparent genug gehandelt und die Mitglieder nicht gut informiert“, heißt es in einer Mitteilung auf der Homepage. Der Insolvenzantrag sei Geschichte, neue Geldgeber in Verbindung mit einem neuen Präsidenten stünden bereit. Auch der alte Vorstand würde das Feld räumen für einen Neuanfang. Andreas Kinder hofft, dass es genau so kommt: „Unter Groß würden viele Eltern nicht mehr weitermachen.“ Die Preussen stehen Donnerstagabend am Scheideweg, wieder einmal.