Sieben-Punkte-Abstand

Sieg gegen Schalke – Bayer rückt an Dortmund ran

Mit einem hoch verdienten Heimsieg gegen Schalke verkürzt Bayer Leverkusen den Rückstand auf Tabellenführer Dortmund auf sieben Punkte.

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Michael Ballack stand mit dem Megafon auf dem Zaun und stimmte mit den Fans die Humba an: Mit einer bei ihm nie gesehenen Jubelpose hat der Nationalmannschaftskapitän nach langer Leidenszeit seine endgültige Rückkehr in die Stammformation von Bayer Leverkusen gefeiert und sich ausgiebig feiern lassen. „Die Fans haben nach ihm gerufen, da musste er ein bisschen durchs Mikro rufen“, sagte Bayer-Kapitän Simon Rolfes nach dem 2:0 (2:0) gegen Schalke 04 und ergänzte: „Das hat allen gut getan.“

Die Diskussionen um beide Trainer, die zuvor im Mittelpunkt gestanden hatten, traten da kurz in den Hintergrund, doch ihr Minenspiel sprach Bände: Jupp Heynckes klatschte vor der erwarteten Verkündung seines Abschiedes mit der gesamten Bank ab, Seppo Eichkorn vergrub nach seinem tor- und punktlosen Intermezzo die Hände in den Taschen und verschwand umgehend in der Kabine.

Heynckes-Klub Bayer Leverkusen machte weiter Boden auf Borussia Dortmund gut, die Schalker stecken auch nach dem Abschied von Felix Magath im Abstiegsstrudel: Vier Tage nach der Trennung vom Trainer-Manager verloren die von Interimslösung Eichkorn betreuten Königsblauen das Westduell verdient und konnten sich nicht vom Tabellenende absetzen. Der neue Chefcoach Ralf Rangnick, der am Montag vorgestellt wird, hat eine Menge Arbeit. Schalke spielte über weite Strecken konzeptlos und ideenlos, Nationaltorwart Manuel Neuer verhinderte eine noch höhere Niederlage.

Eren Derdiyok (19.) und Christoph Metzelder (27., Eigentor) sorgten für den verdienten Bayer-Sieg. Die Werks-Elf spielte sich drei Tage nach dem Aus in der Europa League gegen den FC Villarreal den Frust von der Seele und ist seit nunmehr sechs Bundesligaspielen ungeschlagen. Durch den Dreier konnte Verfolger Bayer den Rückstand auf Tabellenführer Dortmund (1:1 gegen Mainz) auf sieben Punkte verkürzen. Der Vorsprung auf Rekordmeister Bayern München beträgt weiterhin sieben Zähler.

Der möglicherweise bevorstehende Weggang von Chefcoach Jupp Heynckes zum FC Bayern beeinflusste die Spielfreude der Leverkusener nicht. Im Gegenteil: gegen Schalke zeigten die Rheinländer eines ihrer besten Heimspiele in dieser Saison. Eine Entscheidung über seine Zukunft verkündete Heynckes nach dem Spiel aber nicht. „Wir werden uns am Montag nach dem Training treffen. Ich hoffe, eine Entscheidung dann bekannt geben zu können“, sagte der 65-Jährige. Der Freiburger Robin Dutt wird bereits als sein Nachfolger gehandelt.

Schalke enttäuschte dagegen, die ständigen Unruhen im Klub wollte Neuer aber nicht als Ausrede gelten lassen. „Ich glaube nicht, dass wir es darauf schieben können“, sagte er: „Wir sind Profis, wir müssen auf dem Platz unsere Leistung bieten. Das hat leider nicht geklappt.“ Mit der Rückkehr Rangnicks verbindet der Torhüter die Hoffnung auf mehr Ruhe im Verein: „Es macht Schalke ja auch aus, dass es etwas unruhig ist. Aber ich glaube, dass wir bis zum Pokalfinale eine ruhige Phase erleben werden.“

Derdiyok überraschte beim 1:0 Neuer beim Führungstor mit seinem Schuss aus 14 Metern in den Torwinkel, nachdem Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack den Schweizer herrlich freigespielt hatte. Unglücklich war die Aktion Metzelders, der acht Minuten später eine Hereingabe des Brasilianers Renato Augusto per Kopf unhaltbar für Neuer ins eigene Netz verlängerte. Eichkorn wechselte Metzelder zur Halbzeit aus.

Heynckes hatte Ballack wieder in die Anfangsformation beordert. Der 34-Jährige übernahm den zentralen Part im offensiven Mittelfeld. In der neunten Minute scheiterte Ballack mit einem Kopfball am glänzend reagierenden Schalker Kapitän Neuer, der eine Minute zuvor bereits gegen den frei vor ihm auftauchenden Sidney Sam geklärt hatte. Renato Augusto traf per Eckball den Außenpfosten (65.).

Schalkes Interimstrainer Eichkorn schickte eine auf vier Positionen gegenüber dem 2:1 vor Wochenfrist gegen Eintracht Frankfurt veränderte Mannschaft aufs Feld. Der Champions-League-Viertelfinalist wirkte nach dem Theater um Magath in der vergangenen Woche jedoch verunsichert. Edu (16.) vergab eine der wenigen Chancen der Königsblauen.

Leverkusen war gegenüber dem schwachen Auftritt in der Europa League dagegen nicht wiederzuerkennen. Bayer spielte sehr variabel, brachte die Schalker mit schnellem Kombinationsspiel immer wieder in Verlegenheit. Ballack fügte sich gut ein und setzte seine Mitspieler ein ums andere Mal gut Szene.