Kolumne "Nachspielzeit"

Heynckes ist die schnellste lahme Ente der Bundesliga

Was vom 27. Spieltag übrig bleibt: Heynckes ist mit Bayer auf Champions-League-Kurs und geht danach zu Bayern. Die Duelle mit München und Freiburg sind deshalb sehr pikant.

Foto: picture-alliance / Pressefoto UL

Die jüngsten Aktivitäten auf dem Trainermarkt der Fußball-Bundesliga als vogelwild zu beschreiben, ist mehr als angemessen. Denn mit Jupp Heynckes (Bayer Leverkusen) und Robin Dutt (SC Freiburg) werden zwei weitere Trainer als lahme Enten in die entscheidende Saisonphase geschickt.

Im Gegensatz zu Louis van Gaal (FC Bayern) sowie den inzwischen schon entlassenen Armin Veh (Hamburger SV) und Felix Magath (FC Schalke) allerdings trennen sich Heynckes und Dutt von ihren Klubs, weil sie aufgrund ihrer Erfolge Begehrlichkeiten der Konkurrenz weckten.

Da der FC Bayern in der Not traditionell auf konservative Lösungen setzt und Ottmar Hitzfeld als Schweizer Nationalcoach schon vergeben ist, wird Heynckes, guter Freund von Vereinspräsident Uli Hoeneß, nach 1987 und 2009 zum dritten Mal Trainer in München.

Seit Wochen zierte sich der fast 66-Jährige, seinen Vertrag in Leverkusen zu verlängern. Die enervierende Hängepartie schadete aber weder dem Ansehen des Altmeisters noch der Leistungsbereitschaft der Mannschaft. Das souveräne 2:0 (2:0) am Sonntagabend gegen den vom früheren Magath-Assistenten Seppo Eichkorn trainierten FC Schalke war der dritte Sieg ohne Gegentor in Folge für die Heynckes-Elf. Diesmal machte sogar Bayers Problemfall Michael Ballack ein ordentliches Spiel.

Als erfolgreichste Mannschaft der Rückrunde verkürzten die Leverkusener den Abstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund auf sieben Zähler. Zumindest die Chancen, dass sich Bayer erstmals seit 2004 wieder für die Champions League qualifiziert, stehen sehr gut. Heynckes ist zwar eine lahme Ente, aber zurzeit die schnellste der Liga.

Seine erfolgreiche Arbeit soll in der kommenden Spielzeit der 46-jährige Dutt fortsetzen. Der hat sich bei Außenseiter SC Freiburg einen so guten Namen gemacht, dass sogar die jüngste Niederlagenserie der Breisgauer (Platz 16 in der Rückrundentabelle) in Leverkusen offenbar niemanden an den Fähigkeiten des Wunschnachfolgers zweifeln lässt.

In Anbetracht der Misere würde eine weitere Niederlage der Freiburger am 34. Spieltag vielleicht gar nicht so auffallen, wenn der Gegner Bayer Leverkusen heißt. Man darf dann auf die Taktik des designierten Bayer-Trainers Dutt gespannt sein und muss an van Gaals böses Wort der „Wettbewerbsverzerrung“ denken, mit der Bayerns scheidender Chefcoach, nach Magaths Seitenwechsel von Gelsenkirchen nach Wolfsburg, das rasant rotierende Trainerkarussell kritisierte.

Van Gaal, der eine Transferperiode auch für Trainer fordert, wurde beim 1:1 der Wolfsburger am Sonntag im Kellerduell beim VfB Stuttgart in seiner Ansicht bestätigt, dass der Meister von 2009 unter Magath eine bessere Mannschaft als unter Pierre Littbarski ist. Das werden auch noch andere Konkurrenten im Abstiegskampf zu spüren bekommen, am übernächsten Spieltag zum Beispiel der FC Schalke, für den dann Ralf Rangnick auf der Bank sitzt, in der Hinrunde noch Trainer von 1899 Hoffenheim.

Insgeheim müsste Bayerns lahme Ente van Gaal aber glücklich sein, dass ihm nach dem 0:2 in der Hinrunde und dem 0:1 im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Schalke ein drittes Duell mit Magath erspart bleibt. Die Spiele gegen die Wolfsburger, am 1. Spieltag (2:1) und zum Rückrundenauftakt (1:1), als deren Trainer noch Steve McClaren war, haben die Münchner glimpflich überstanden.

Nach drei vergebenen Titelchancen geht es für van Gaal in den letzten sieben Bundesligaspielen nur noch darum, Schadensbegrenzung zu betreiben. Zum Minimalziel, Tabellenplatz 3, der zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigt, fehlen den Münchnern momentan noch zwei Punkte.

Wahrscheinlich drückt Jupp Heynckes dem Rivalen heimlich die Daumen, sonst landet Deutschlands schnellste lahme Trainer-Ente nächste Saison in der Europa League. Und wenn am 30. Spieltag der FC Bayern gegen Bayer Leverkusen antritt, darf man auf Heynckes‘ Taktik gespannt sein. Kurz bevor sein Wechsel von Leverkusen nach München bekannt wurde, schimpfte Bayers scheidender Trainer die Bundesliga übrigens „ein Tollhaus“.