"Pulver im Kaffee"

Hoeneß lästert über Daums Comeback in Frankfurt

FC Bayerns Präsident wirft dem DFB Geldmacherei vor. Und Frankfurts Vorstandsboss Bruchhagen habe bei der Daum-Verpflichtung wohl "Pulver im Kaffee" gehabt.

Im feinen Zwirn hatte Uli Hoeneß Platz genommen. Neben ihm saß Manni Breuckmann. Die Radiostimme des Ruhrpotts, vor einem Jahr in Rente gegangen, führte durch den Abend im Düsseldorfer Kulturforum. Hoeneß, sein Stargast, war extrem gut drauf. Weshalb es ein Leichtes war, verbalen Doppelpass mit ihm zu spielen. Und so plauderten die Herren drauf los. Vor allem Hoeneß hatte Gefallen daran, mal wieder seine Sicht der Dinge im deutschen Fußball zu schildern. Der Präsident des FC Bayern München blieb dabei erstaunlich entspannt, wenn auch seine Worte eine Menge Zündstoff bargen.

Je länger der Plausch dauerte, je unverhohlener ging Hoeneß mit einigen Dingen ins Gericht. Dabei blieb – wen wundert’s – sein Intimfeind Christoph Daum natürlich nicht außen vor. Dessen Comeback in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt führte Hoeneß in einem süffisanten Kommentar auf „Pulver im Kaffee“ des Eintracht-Vorsitzenden Heribert Bruchhagen zurück – angesichts von Daums Kokain-Vergangenheit eine anstößige Aussage.

Hoeneß hatte die Daum-Affäre 2000 ins Rollen gebracht und damals gesagt: „Wenn das alles Fakt ist, worüber geschrieben wurde, auch unwidersprochen über den verschnupften Daum, dann kann er nicht Bundestrainer werden“. Bezüglich des neuen Daum-Engagements sagte er nun: „Ich habe mich schon gewundert, dass Heribert, den ich als sehr behutsamen und bedächtigen Mann konservativer Neigung und nachhaltigen Manager kennengelernt habe, so eine Aktion startet. Da muss irgendwie ein Pulver im Kaffee der Bundesliga gewesen sein, allgemein. Und er hat vielleicht auch etwas da drin gehabt.“

Auf die Attacke reagierte Bruchhagen mit Unverständnis. „Der Uli sitzt in seinem wunderschönen Haus am Tegernsee und kennt die Nöte und Sorgen der Bundesliga nicht mehr. Ich denke, ihm ist etwas langweilig da unten. Deshalb musste er mal wieder einen raus lassen“, sagte Bruchhagen „Morgenpost Online“. Redebedarf mit Hoeneß verspüre er aber nicht, „weil ich das Gefühl habe, dass er das aus einer Weinlaune heraus gesagt hat“. Er sei zufrieden, Christoph Daum als Trainer für die Eintracht gewonnen zu haben. „Ich bin überzeugt, dass wir Erfolg mit ihm haben werden.“

Daum selbst hatte in einem Interview gesagt, „dass es immer einen kleinen Prozentsatz geben wird, „der mich sehr, sehr kritisch sieht und für den ich ein rotes Tuch bin. Selbst wenn ich dreimal hintereinander deutscher Meister werden würde“. Am Dienstag entgegnete er auf Hoeneß’ Aussage, dass er „menschlich enttäuscht“ sei.

Doch der neue Frankfurter Coach war nicht einziges Ziel von Hoeneß. Einmal in Redelaune knöpfte er sich Montagabend auch noch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) vor und kritisierte die Ansetzung von Länderspielen zu Testzwecken in der heißen Meisterschaftsphase. Duelle wie mit Australien am Dienstagabend könne sich der DFB schenken, sagte Hoeneß. „Das wird ja auch nicht gemacht, um zu testen. Sondern da gibt es fünf Millionen Euro für den DFB.“

Der Verband würde dann den siebten Geldsilo bauen, die Bayern aber nicht zur Grundsteinlegung einladen. In der entscheidenden Phase der Saison müsse ein Testspiel nicht sein, schließlich gehe es in der Liga „um Meisterschaft und Existenzen“, sagte Hoeneß. Außerdem bezweifelte er den Wert solcher Spiele generell: „Die Bundesliga ist auf dem Weg, die beste Liga der Welt zu werden. Die Spiele dort sind besser als jeder Test. Ein Trainingsspiel bei Bayern, Team A gegen Team B, ist besser bestückt als das Spiel gegen Australien.“

Worte, die man seitens der Nationalmannschaft und des DFB nicht einfach so im Raum stehen lassen wollte. Teammanager Oliver Bierhoff entgegnete, dass Testspiele „für die Entwicklung der Mannschaft und vor allem der jungen Spieler wichtig“ seien. Schärfer fiel die Reaktion von DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach aus: „Ich darf Hoeneß in aller Sachlichkeit daran erinnern, dass die Nationalelf zweimal für den FC Bayern in München angetreten ist: einmal zur Eröffnung der Allianz-Arena und beim Abschiedsspiel für Oliver Kahn.“

Einmal in Fahrt, stichelte Hoeneß auch gegen Tabellenführer Dortmund, der in der Liga nur noch sieben Punkte vor Leverkusen liegt. „In der Winterpause war ich sicher, dass die Meisterschaft entschieden ist. Aber so wie es gerade läuft, habe ich gewisse Zweifel. Wenn ich in schwarz-gelben Unterhosen schliefe, würde ich langsam unruhig werden“, sagte er. Dennoch drücke er dem BVB am Samstag gegen Hannover die Daumen. 96 liegt auf Platz drei, fünf vor Punkte vor den Münchnern, die mit aller Macht diesen Rang erreichen wollen, der zur Qualifikation für die Champions League berechtigt.