Eintracht Frankfurt

Daum will Spielern zu einem dritten Bein verhelfen

Der neue Trainer von Eintracht Frankfurt kassiert monatlich 250.000 Euro. Er denkt schon wieder an den Europapokal und verrät, was er von Voodoo hält.

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Schalke, Wolfsburg, Leverkusen, HSV und jetzt Frankfurt: Die Eintracht will mit einem neuen Trainer endlich Erfolge in der bislang mässigen Bundesligasaison feiern. Am Mittwoch haben die Hessen Christoph Daum als Nachfolger von Michael Skibbe.

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Als Christoph Daum um 12.36 Uhr im Blitzlichtgewinner auf die Bundesliga-Bühne zurückkehrte, machte er aus seiner puren Vorfreude auf die Mission Klassenerhalt keinen Hehl. „Es geht jetzt 25 Stunden am Tag um die Eintracht. Das Potenzial und die Perspektiven in Frankfurt sind großartig, deshalb habe ich zugesagt. Ich wollte zurück in die Bundesliga“, sagte der sonnengebräunte Daum bei seiner ersten Pressekonferenz als Trainer des abstiegsgefährdeten Klubs Eintracht Frankfurt.

Die offizielle Präsentation des Hoffnungsträgers im Bauch der WM-Arena glich einem Staatsempfang – und dauerte geschlagene 46 Minuten. Vor 15 Kamerateams, 20 Fotografen und rund 50 Journalisten machte Daum, gekleidet in einen hellgrauen Maßanzug, gewohnt plakativ deutlich, wo er den Hebel bei den Eintracht-Profis ansetzen will.

„Wenn der Kopf funktioniert, ist das wie ein drittes Bein“, sagte der 57-Jährige und ergänzte: „Ich werde versuchen, Fachkompetenz und Leidenschaft auf die ganze Mannschaft zu übertragen.“

Der als Motivationskünstler bekannte Daum, der schon einmal Geldscheine an die Kabinentür heftete, plant allerdings keine ungewöhnlichen Aktionen: „Es wird keine magischen Zirkel und kein Voodoo geben. Nur Hand auflegen, und der Erfolg stellt sich ein, das geht nicht.“

Eintrachts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen setzt trotzdem auf die Aura des Ex-Kölners. Er hoffe, dass Daums „Aufbruchstimmung auf die Mannschaft und den Verein“ ausstrahle, sagte Bruchhagen, der am Montag die Trennung von Michael Skibbe vollzogen hatte.

Nur anderthalb Stunden nach seinem ersten denkwürdigen Auftritt im Dienste der Eintracht leitete Daum am Mittwochnachmittag bei stahlendem Sonnenschein das erste Training der kriselnden Hessen. Die Einheit wurde live im Programm des Hessischen Rundfunk (HR) übertragen. Das hatte es zuvor beim Traditionsklub noch nie gegeben. Den rund 2000 erschienenen Fans versprach Daum schon einmal goldene Zeiten. „Irgendwann wollen wir dann auch das internationale Flair zurückholen. Das sind Zukunftsvisionen, aber Visionen schaffen Fakten“, sagte der Stuttgarter Meistertrainer.

Um Präsenz zu zeigen, wird Daum, der seinen Sohn Marcel als Video-Analyst mitbringt, ab sofort in einem Frankfurter Hotel wohnen. „Zu Hause habe ich Bilder von mir aufgestellt. Die kann sich meine Familie anschauen“, scherzte der routinierte Bundesligacoach, der in Frankfurt seine zehnte Trainerstation erlebt. Nach seinem Abgang von Fenerbahce Istanbul im Juni 2010 hatte sich Daum in England und Südamerika fortgebildet.

Die erste Bewährungsprobe steht für Daum am 3. April an, wenn die Eintracht beim VfL Wolfsburg mit dessen Feuerwehrmann Felix Magath auf der Bank antreten muss. „Es ist wichtig, dass wir schnellstmöglich den Klassenerhalt schaffen, damit wir Planungssicherheit haben“, sagte der Eintracht-Coach, der die Saison „neu starten“ will: „Wir möchten die Spitzenposition in der Tabelle der letzten sieben Spiele erobern.“

Im Falle des Klassenerhalts soll sich der bis zum Saisonende gültige Vertrag um mindestens zwei Jahre verlängern. Daum soll für sein Engagement am Main rund 250.000 Euro im Monat verdienen – und mit einer Nicht-Abstiegs-Prämie von 150.000 Euro belohnt werden.

Stürmer Ioannis Amanatidis ist davon überzeugt, dass Kommunikator Daum die Hessen vor dem Bundesliga-Abstieg bewahren wird - trotz nur fünf Punkten aus den bisherigen zehn Rückrundenspielen (3:16 Tore). „Er ist ein erfahrener Trainer, hat sehr viel mitgemacht und besitzt Auslandserfahrung“, sagte Amanatidis der Frankfurter Rundschau. Der Grieche ist vom Klassenerhalt überzeugt: „Zweifel gibt's nicht, gab's nie und wird es auch nie geben.“

Auch Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff lobte die Qualitäten von Daum: „Wer sich mit ihm schon einmal unterhalten hat, weiß, welche Kompetenzen er hat.“