Eisschnelllauf

Claudia Pechsteins Blutwerte schwanken weiter

Claudia Pechstein lässt nicht locker. Die Berliner Eisschnellläuferin veröffentlicht Testergebnisse, wonach bei ihr auch während der Zweijahressperre erhöhte Blutwerte gemessen worden sein sollen. Sie will damit eine Ausnahmegenehmigung erzwingen.

Foto: Bongarts/Getty Images

Sie hatte es angekündigt. Claudia Pechstein wollte parallel zu den offiziellen Blutuntersuchungen, die bei ihr vorgenommen werden, eigene Messungen durchführen lassen. Nun veröffentlichte die Eisschnellläuferin aus Berlin die Ergebnisse dieser privat in Auftrag gegebenen Analysen. Die Resultate bringen genau das hervor, was die 39-Jährige ohnehin erwartet hat: Ihre Blutwerte, genauer die Retikulozytenwerte, schwanken.

Damit ist also alles wie vor zwei Jahren, und auch in der Zeit davor. Allerdings wurde Pechstein 2009 wegen dieser schwankenden Werte unter dem Verdacht der Manipulation gesperrt. Erst vor drei Wochen kehrte die Berlinerin auf die Eisbahn zurück. Beim Weltcup in Salt Lake City vor zwei Wochen wurden Pechsteins Werte wieder über dem Normwert gemessen. „Aus diesem Grund beharre ich auch darauf, dass ich eben genau für diese Schwankungen eine Ausnahmegenehmigung der ISU erhalte“, erklärte Pechstein auf ihrer Internetseite.

Drohung mit dem Cas

Pechstein will damit Druck ausüben auf den Weltverband. Denn die Umstände ihrer Sperre waren durchaus zweifelhaft. Inzwischen liegen reichlich Gutachten vor, nach denen eine erbliche Blutanomalie zu den erhöhten Retikulozytenwerten bei ihr führt. Außerdem wurden die Regeln inzwischen modifiziert – ein Parameter wie bei Pechstein reicht nicht mehr aus, um Athleten aus dem Verkehr zu ziehen. Auch hat die ISU die alte Grenzwertregel verändert und setzt nun über Blutpässe auf individuelle Mittelwerte. Trotzdem fordert Pechstein die Ausnahmegenehmigung, denn sie wäre wohl juristisch verwertbar, um Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Deshalb will Pechstein notfalls auch vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas ziehen.

Der deutsche Verband hat die Genehmigung bereits beantragt, wann die ISU reagiert, ist offen. Ebenso wenig sind die von der ISU bei den Bluttests in den vergangenen Wochen ermittelten Werte bekannt. Pechstein musste sich zuletzt vermehrt den Prozeduren unterziehen. Allein in Salt Lake City drei Mal.

Auch am Wochenende in Heerenveen beim Weltcup-Finale rechnet die Berlinerin damit, häufiger kontrolliert zu werden als andere Athleten. In Holland will Pechstein das nächste Ausrufezeichen bei ihrem Comeback setzen. Für die Einzelstrecken-Weltmeisterschaft nächste Woche in Inzell hat sie sich bereits in Salt Lake City über 1500 Meter und 5000 Meter qualifiziert. Nun strebt Pechstein auch die Normzeit über die 3000 Meter an. „Angesichts der Zeiten, die Claudia Pechstein in Salt Lake City gelaufen ist, dürfte das kein Problem sein, wenn nichts Unvorhergesehenes passiert“, sagt Chef-Bundestrainer Markus Eicher.