Peer Kusmagk

Warum Hertha in die Champions League gehört

"Dschungelkönig" Peer Kusmagk ist seit seiner Kindheit Hertha-Fan. Im Interview mit Morgenpost Online sagt er, wie es die Berliner aus der Zweiten Liga in die Champions League schaffen.

Foto: Reto Klar

In Kreuzberg geboren, in Neukölln aufgewachsen – und von Kindesbeinen an Fan von Hertha BSC. Ob es gerade sein live vorgetragenes Bekenntnis war, weshalb ein Millionenpublikum Peer Kusmagk (35) beim RTL-Format „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ Anfang des Jahres zum „Dschungelkönig“ wählte? Morgenpost Online sprach mit Kusmagk über seine Motive für den Gang in den Dschungel und warum er und Hertha eigentlich in die Champions League gehören.

Morgenpost Online: Sind Sie Masochist, Herr Kusmagk?

Peer Kusmagk: Weil ich ins Dschungelcamp gegangen bin? Ich fand das cool. Ich habe lange darüber nachgedacht, weil es hieß: Wer das macht, ist der Loser der Nation. Ich wollte zeigen, dass das nicht stimmt.

Morgenpost Online: In den Dschungel zu gehen, ist das eine. Aber als Jahrgang 1975 mit zehn zum Hertha-Fan zu werden, ist fast genauso hoch zu bewerten, oder?

Kusmagk: Andererseits konnten wir zu diesen Oberliga-Zeiten jedes Auswärtsspiel sehen (lacht). Ich erinnere mich noch an eines in Rudow, auf einem Schotterplatz! Und der ortsansässige Gerüstbauer hatte ein Provisorium errichtet, das null Sicherheit bot, aber noch 1500 Leute mehr ins Stadion packte. Ohnehin kann man sich nicht aussuchen, von welchem Klub man Fan wird – und ich sage: Lieber blau-weiße Trikots als lila; lieber Hertha als Tennis Borussia.

Morgenpost Online: Nie zwischendurch eine andere Liebe gehabt als die alte Tante Hertha?

Kusmagk: Niemals. Immer Hertha!

Morgenpost Online: Wie bitter war das Abstiegsjahr? Hertha schien doch fest in der Bundesliga etabliert.

Kusmagk: Ich sage Ihnen was: Viel bitterer war die verpasste Meisterschaft. Als feststand, dass wir die Schale, die wir doch schon in Händen hielten, doch nicht zu fassen bekommen – da habe ich zum bis jetzt letzten Mal im Stadion geweint. Dagegen war der Abstieg ja ein langer Tod auf Raten und deshalb weniger schmerzhaft.

Morgenpost Online: Das Abstiegsjahr 2010 passte auch ganz gut zum Hertha-Fan Kusmagk. Von sich selbst sagten Sie, zu der Zeit gleichfalls ganz, ganz unten gewesen zu sein. Weshalb?

Kusmagk: Manchmal geht im Leben einfach alles schief. Ich hatte mir eine Bar in Kreuzberg aufgebaut, auf einmal brannte da alles ab. Und bei Hertha hat es, um im Bild zu bleiben, genauso lichterloh gebrannt. Aber wie Michael Preetz es gesagt hat: Es bringt nichts zu lamentieren. Man muss die Ärmel hochkrempeln und den Schaden reparieren. Er hat das gemacht, ich auch. Die Bar ist wieder geöffnet, und Hertha steigt auch wieder auf.

Morgenpost Online: Waren schon mal Herthaner bei Ihnen im „La Raclette“ zu Gast?

Kusmagk: Ja, vereinzelt schon. Fabian Lustenberger, der ja Schweizer ist. Und Axel Kruse, ein Herthaner durch und durch. Solche Typen – Marke: aus dem Volk für das Volk – imponieren mir. Genauso wie ein Andreas "Zecke" Neuendorf.

Morgenpost Online: Vermissen Sie solche Typen im aktuellen Kader?

Kusmagk: Ja und nein. Klar vermisse ich solche Diven wie Marcelinho oder Alves oder Pantelic, die polarisierten und auch für ihre Trainer nicht immer ganz einfach waren, aber dafür verlässlich ihre Buden gemacht haben. Aber wir haben ja noch einen Patrick Ebert. Der entspricht ziemlich dem Idealfall: Im Verein groß geworden, jetzt für sein vergleichsweise junges Alter sportlich schon sehr gefestigt und bei den Fans hoch im Kurs. Ebert kann der nächste Zecke Neuendorf werden.

Morgenpost Online: Herr Kusmagk, nach eigener Definition sind Sie ein chaotischer Mensch…

Kusmagk: Ich bin sogar megachaotisch, Unordnung scheint zu meinem Leben zu gehören!

Morgenpost Online: Mögen Sie es da, wenn es bei Hertha im Vergleich zu früher nicht mehr ganz so chaotisch zugeht?

Kusmagk: Auch auf dem Fußballplatz darf gerne ein geordnetes Chaos herrschen; das nennt man dann wohl Kreativität. Aber dass Hertha inzwischen gefestigte Strukturen aufweist, ist mir sogar mehr als recht.

Morgenpost Online: Weil Sie sich dann auch nicht mehr dafür schämen müssen, Fan des Klubs zu sein?

Kusmagk: Ach, inzwischen ist das doch gar nicht mehr so verpönt. Im Meisterjahr hat die Eckkneipe meines Vertrauens erstmals an Sonnabenden Hertha-Spiele gezeigt und nicht Bayern oder sonst was. Das war der Durchbruch, ich hoffe, das bleibt so, wenn wir bald wieder in der Bundesliga spielen.

Morgenpost Online: Das wäre dann eine weitere Parallele zwischen Ihnen und Hertha: von ganz unten wieder nach oben. Sie haben gerade „The Dome“ moderiert. Das, sagten Sie, sei die Champions League im Showgeschäft.

Kusmagk: Na klar, jedenfalls von der Herausforderung her, vor einem so großen Publikum eine Show mit so großen, zurzeit angesagten Künstlern zu moderieren.

Morgenpost Online: Sehen wir Hertha irgendwann mal wieder in der Champions League?

Kusmagk: Mit Sicherheit. Zumindest muss das das Ziel sein. Deshalb hoffe ich auch, dass sie zur kommenden Saison noch zwei, drei tolle Spieler dazu holen.

Morgenpost Online: Wenn Sie sich jemand wünschen dürften...

Kusmagk: Dann einen Spitzenstürmer, der eine Bude nach der anderen macht.

Morgenpost Online: Jemand wie Andrey Voronin? Hat er mit seiner schillernden Art zu Hertha gepasst?

Kusmagk: Gar nicht! Hertha ist kein Arbeiterklub. Aber ein Glamourklub sind wir auch nicht.