EM-Qualifikation

Glanzloser Erfolg der DFB-Elf gegen Kasachstan

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Lars Wallrodt

Die deutsche Nationalelf hat auch ihr fünftes Spiel in der EM-Qualifikation gewonnen. Dabei konnte das Löw-Team aber nur in der ersten Hälfte überzeugen.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft marschiert weiter souverän durch die EM-Qualifikation. Gegen den Außenseiter Kasachstan gewann das Team von Bundestrainer Joachim Löw zwar mühelos mit 4:0 (3:0) und feierte damit den fünften Sieg im fünften Spiel der laufenden Qualifikation für die Euro 2012 in Polen und der Ukraine. Doch in der zweiten Halbzeit zeigte die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) eine indiskutable Vorstellung und musste sich Pfiffe der Fans gefallen lassen. Da Verfolger Österreich tags zuvor gegen Belgien 0:2 verloren hatte, baute der WM-Dritte seinen Vorsprung in der Gruppe A auf acht Punkte aus.

Das zur Schau gestellte Selbstbewusstsein verpackte Joachim Löw in einer feinen Formulierung. "Die Frage lautet nicht: ‚Wie gut ist Kasachstan?‘ Die Frage lautet: ‚Wie gut sind wir?‘", sagte der Bundestrainer vor dem EM-Qualifikationsspiel Samstagabend. 2:51 Minuten nach dem Anpfiff dürfte er schon etwas schlauer gewesen sein. Dann nämlich traf Mittelstürmer Miroslav Klose an alter Wirkungsstätte in Kaiserslautern zum 1:0 und setzte so den Startschuss zu einem standesgemäßen Sieg. 4:0 (3:0) hieß es am Ende vor 47.984 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion.

Dank des fünften Sieges im fünften Spiel steht die Mannschaft von Löw damit unangefochten an der Tabellenspitze der Gruppe A und dürfte recht sicher Kurs nehmen Richtung Europameisterschaftsendrunde im kommenden Jahr in Polen und der Ukraine. Zumal der härteste Widersacher in der Qualifikationsstaffel, Österreich, am Freitag daheim 0:2 gegen Belgien verloren hatte.

Wahre Aussagekraft dürfte das Spiel für die Deutschen aber ebenso wenig besitzen wie die kommende Freundschaftspartie am Dienstag in Mönchengladbach gegen Australien. Viel zu schwach und unbeständig spielten die Kasachen, als dass sie ein ernsthafter Kontrahent für den WM-Dritten hätten werden können. Neben Klose, der nach dem Führungstor auch noch zum 4:0 traf (88.), erzielte Thomas Müller (25./43.) die beiden anderen Tore. "Wir freuen uns, dass wir die Aufgabe so gut gemeistert haben“, sagte Müller nach der einseitigen und in der zweiten Halbzeit gar langweiligen Begegnung. "Kasachstan hat sich hinten reingestellt, da war es für uns wie auch für die Zuschauer nicht immer einfach, sich das anzuschauen, weil es viel Ballgeschiebe gegeben hat. Dass es nicht ganz so ein Spektakel wie erhofft wurde, hat der Gegner verhindert.“

Einzig für Mittelstürmer Klose könnte das Spiel ehedem ein Grund für freudige Erinnerungen sein. Er erzielte seine Länderspieltore 60 und 61 und hat nun nur noch sieben Treffer weniger auf seinem Konto als die Angreiferikone des deutschen Fußballs: Gerd Müller, 65. "Natürlich ist es ein Riesenanreiz für mich, diesen Rekord zu knacken“, sagte Klose. "Aber, und das habe ich dem Gerd auch schon persönlich gesagt, wäre ich niemals so vermessen, mich mit ihm auf eine Stufe zu stellen.“

Klose, 32, ist selbst im reifen Alter noch immer das geblieben, was er schon bei seinem Nationalmannschaftsdebüt 2001 war: ein Muster an Bescheidenheit. Selbst das fortgesetzte Bankdrückerdasein bei seinem Klub Bayern München vermochte sich bislang nicht nachteilig auf seine Gemütslage auszuwirken. Vielleicht ist er auch gerade deswegen so stark im Nationalteam. Das 1:0 auf Vorlage von Klubkollege Bastian Schweinsteiger war zwar erst der siebte Torschuss von Klose in der aktuellen EM-Qualifikation, aber die Bilanz ist ansehnlich: Es war auch sein siebter Treffer. Die Versuche acht und neun aber scheiterten noch vor der Pause an der Gegenwehr von Torhüter David Loria. Mit ein bisschen mehr Fortune wäre Klose der Bilanz des eigenen Vorbilds gestern Abend noch näher gekommen.

Vielleicht hätte auch ein Namensvetter des Weltmeisters von 1974 Angreifer Klose einfach nur den Vortritt lassen sollen. Thomas Müller erzielte zwei Tore und war der beste Spieler auf dem Platz. Zunächst traf er auf Flanke von Spielgestalter Mesut Özil per Kopf. Dann verwertete er abermals eine Vorarbeit des Real-Madrid-Profis und sorgte noch vor der Pause per Rechtsschuss für eine beruhigende Führung.

In der Gewissheit um drei sichere Punkte ließen es die Deutschen in der zweiten Hälfte allerdings zunächst etwas zu ruhig angehen. Zwar hatten sie den Gegner weiter im Griff, nur mit dem Toreschießen wollte es nicht mehr so klappen, weshalb ab Minute 70 deutlich hörbar Pfiffe durchs Stadion hallten. Auch Präsident Theo Zwanziger zog auf der Tribüne ein Gesicht, als hätte die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes just den WM-Titel vergeigt. Und als auch noch Zhambyl Kukeyew mit einem strammen Linksschuss bei der besten Chance der Gäste den Außenpfosten des deutschen Tores traf, wurde es auch Löw zu bunt. Lautstark forderte er die Seinen auf, dem Kaiserslauterer Publikum doch bitte noch ein bisschen was zu bieten.

Nach Mario Gomez wechselte der Bundestrainer Toni Kroos und Mario Götze ein, und mit den beiden letztgenannten Youngstern nahm das Spiel noch einmal an Fahrt auf. Allerdings sollte es bis zur 88. Spielminute dauern, ehe wieder Zählbares heraussprang. Auf Pass des in dieser Szene uneigennützigen Sami Khedira traf Klose ins verwaiste Tor – und versöhnte so die Zuschauer zumindest ein wenig.

Er freue sich immer sehr, "auf den Betzenberg zurückzukommen“, sagte Klose hinterher – und strahlte. Ganz im Gegensatz zu Kapitän Philipp Lahm. "In der zweiten Halbzeit war das zu wenig“, sagte der Münchner mit bitterer Miene. "Aber es ist auch schwer, wenn man so deutlich führt.“

Löw stellte fest: "Mit der ersten Halbzeit kann man gegen so einen defensiven Gegner zufrieden sein. In der zweiten Halbzeit haben wir das ganz große Tempo vermissen lassen. Es gibt keine Erbhöfe, aber Miroslav Klose hat über Jahre hervorragende Leistungen bei uns gezeigt. Und so lange wird er auch spielen.“ Sein kasachischer Kollege Miroslav Beranek meinte: "Das war ein sehr trauriges Spiel für uns, aber wir haben gegen einen sehr starken Gegner gespielt, gegen den Favoriten der Gruppe. Ich bin mir sicher, dass Deutschland auch bei der EM der Favorit sein wird.“

( dpa, sid/fb )