DFB-Manager

Oliver Bierhoff sucht schon ein EM-Quartier in Polen

Oliver Bierhoff kritisiert Kaiserslauterns Publikum für die Pfiffe gegen Bastian Schweinsteiger und plant schon die EM-Endrunde 2012.

Der Manager der deutschen Nationalmannschaft weiß, wie hart Fußballfans sein können: Nachdem Oliver Bierhoff 1998 zum AC Mailand gewechselt war, pfiffen die Zuschauer den 42-Jährigen in Spielen ohne Torerfolg zunächst aus. Der Stürmer setzte sich bei dem Topklub trotzdem durch: In 91 Partien erzielte er für die Mailänder 38 Tore und gewann 1999 die italienische Meisterschaft. Von den deutschen Fans fordert er nach deren Kritik in der zweiten Hälfte beim 4:0 gegen Kasachstan künftig bei Länderspielen mehr Unterstützung für die Mannschaft – gerade in Partien gegen schwächere Gegner.

Morgenpost Online: Herr Bierhoff, haben Sie die Pfiffe der Fans in Kaiserslautern geärgert?

Oliver Bierhoff: Ich fand die Stimmung ganz gut. Dass es mal ein paar Pfiffe gibt, wenn das Spiel gerade nicht so läuft, ist eben so. Nicht gut finde ich, dass die Zuschauer gepfiffen haben, als Bastian Schweinsteiger ausgewechselt wurde. Er hatte gegen Kasachstan sicher nicht seinen besten Tag, aber er hat sich in 86 Länderspielen für Deutschland immer voll eingesetzt. Da fehlte mir die Unterstützung. Vielleicht liegt es an der Rivalität mit Bayern München.

Morgenpost Online: Die ist aber außer in München fast überall gegeben.

Bierhoff: Ja, darum wünsche ich mir bei Länderspielen Neutralität von den Fans. Es sollte kein Vereinsdenken geben, wenn die Nationalmannschaft auftritt. Das gibt es ja auch in den meisten Fällen nicht.

Morgenpost Online: Ist die Mannschaft mittlerweile zum Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden, wenn es selbst bei einem 4:0 noch Pfiffe gibt?

Bierhoff: Sicher haben wir die Ansprüche sehr hoch gesetzt. Aber wir sehen auch in den anderen Qualifikationsgruppen, dass die großen Fußball-Nationen die vermeintlich Kleinen nicht mit Kantersiegen aus dem Stadion schießen. Da gibt es viele 1:0- oder 2:0-Siege, die nicht gerade souverän sind. Das soll aber keine Ausrede sein: Wir wollen attraktiven Fußball bieten und wollten gerade im Spiel gegen Kasachstan nicht nur drei Punkte holen, sondern unser Spiel auch weiterentwickeln. Das muss unser Anspruch sein. Damit holen wir dann auch die Zuschauer ab, die immer zahlreich zu unseren Partien kommen. Wir wollen mit schönem Fußball diese spezielle Verbindung zum Publikum herstellen. Allerdings muss diese Verbindung gerade in schwierigen Momenten auch andersherum funktionieren. Gerade in schwierigen Phasen wäre es schön, wenn uns die Fans engagiert unterstützen. Jeder, der etwas vom Fußball versteht, hat gesehen, wie schwer es gegen Kasachstan gewesen ist, Räume zum Kombinieren zu finden. In der ersten Hälfte haben wir es gut gemacht, in der zweiten ist unser Spiel dann leider ins Stocken geraten.

Morgenpost Online: Ist es für einen Profi wirklich so schwer, bei einer klaren Führung weiter konzentriert zu spielen, oder fehlt der deutschen Mannschaft da einfach noch der sogenannte Killerinstinkt?

Bierhoff: Wir müssen mit der Klasse und der Erfahrung, die unsere Spieler haben, das Spiel auch bei einer klaren Führung attraktiv gestalten. Natürlich gibt es Situationen, wo Spieler, die noch in der Champions League oder um einen Titel mitspielen, eher zurückziehen als voll draufzugehen. Das ist verständlich und auch richtig so. Aber daran hat es gegen Kasachstan nicht gelegen. Wir haben einfach den Faden verloren und uns durch langsameres Spiel das Leben schwer gemacht.

Morgenpost Online: Trotz allem hat Deutschland in der Qualifikationsgruppe nun acht Punkte Vorsprung. Es sind zwar noch fünf Spiele zu absolvieren, aber haben Sie überhaupt noch Zweifel, dass Deutschland 2012 in Polen und der Ukraine dabei sein wird?

Bierhoff: Nein, Zweifel habe ich keine mehr. Aber wir werden erst feiern, wenn wir endgültig qualifiziert sind. Wir haben aber schon den Anspruch und auch genügend Qualität, um das souverän zu bewerkstelligen.

Morgenpost Online: Haben Sie schon ein Quartier ausgesucht?

Bierhoff: Nein, noch nicht. Im April werde ich mit den Trainern nach Polen fliegen, wo wir uns drei Quartiere anschauen werden, die ich vorab ausgesucht habe.

Morgenpost Online: Die Mannschaft wird also in Polen wohnen und nicht in der Ukraine?

Bierhoff: Ja, es fokussiert sich auf Polen.

Morgenpost Online: Am Dienstag steht noch ein Freundschaftsspiel gegen Australien auf dem Programm.

Bierhoff: Wir werden immer wieder auch zu Spielen antreten müssen, in denen es um nichts geht. Aber auch diese Partien müssen von uns gut gestaltet werden. Australien ist ein sehr guter Gegner. Wir wollen dieses Spiel nutzen, um Dinge auszuprobieren und auch Spieler einzusetzen und zu testen, die nicht zur Stammformation gehören. Dass da nicht immer alles eingespielt ist, ist klar. Wir wollen unseren Fans aber auch gegen Australien etwas bieten.

Aufgezeichnet von Lars Wallrodt

Kommentar: Deutschlands stärkster Gegner sind die eigenen Fans