Pleiten, Pech und Pannen

Die amüsante Katastrophen-PK des Joachim Löw

Eine Wasserfontäne, ein Mangel an Stühlen und Waterloo: Die Pressekonferenz mit dem Bundestrainer vor dem Kasachstan-Spiel geriet unerwartet unterhaltsam.

Foto: dpa / dpa/DPA

Normalerweise sind Pressekonferenzen vor Länderspielen eine ziemlich trockene Sache. Die Journalisten munitionieren sich mit Zitathäppchen, die der Bundestrainer und ausgewählte Spieler ihnen zuwerfen. Erhellendes ist nur selten dabei, meist wird das "Wir-müssen-hochkonzentriert-zu-Werke-gehen-alles-andere-entscheidet-der-Bundestrainer"-Niveau nicht überschritten. Vor dem Kasachstan-Spiel jedoch wurde es lustig.

Es begann damit, dass das Mineralwasser von Joachim Löw offensichtlich zuvor falsch behandelt wurde. Als der Bundestrainer nämlich vor seinen ersten Ausführungen zur Flasche griff und schwungvoll den Schraubverschluss öffnete, ergoss sich eine Fontäne kohlenübersäuertes Wasser auf sein Jackett. Da sich Schadenfreude gegenüber dem obersten Übungsleiter des Landes natürlich nicht ziemt, starrten alle anwesenden konzentriert auf den Rücken des Vordermannes, während Löw mittels Papierservietten das Malheur beseitigte. Es sollte nicht die einzige Szene mit Schmunzelfaktor werden.

Kurze Zeit darauf erteilte DFB-Pressesprecher Harald Stenger einem kasachischen Reporter in der letzten Reihe das Wort. Dessen Frage an Löw war ebenso laut wie unverständlich, nicht einmal die Sprache ließ sich genau bestimmen. Hilfesuchend wandte sich Stenger mit der Bitte um Übersetzungshilfe an einen deutschen Kollegen, der neben dem Kasachen stand. Der zuckte mit den Schultern, hatte ebenfalls kein Wort verstanden. Erst ein Kameramann erbarmte sich und deutete die Frage als "Herr Löw, was halten Sie von der kasachischen Mannschaft?".

Als Löw sich noch bemühte, den kommenden Gegner weder zu klein noch zu groß zu reden, erfüllte plötzlich Musik den Konferenzraum. Einen Fotografen in der ersten Reihe erreichte ein Anruf, und da er vergessen hatte, den Vibrationsalarm einzuschalten, partizipierte die Versammlung von seinem Klingelton. "Waterloo, I was defeated, you won the war. Waterloo, promise to love you for ever more" tönte es und outete den Handy-Besitzer als Abba-Fan. Weil der den Ausknopf des Mobiltelefons nicht fand, wählte er Variante B und stürmte aus dem Saal.

Den betraten kurz darauf Philipp Lahm und Andre Schürrle, um sich zu Löw und Stenger zu gesellen. Leider waren auf dem Podium nur drei Stühle platziert. Gentleman Stenger bot Schürrle kurzerhand seinen Sitz an und bat einen der Bodyguards der Nationalmannschaft um Nachschub. Als der sich allerdings im Auditorium bedienen wollte, erwiesen sich die dortigen Stuhlreihen als fest verschraubt. Stenger musste die Pressekonferenz vorübergehend in kniender Haltung moderieren.

Und natürlich endete die Sitzung auch humoresk. Als eigentlich schon alles gesagt war, ergriff Stenger noch einmal das Wort und berichtete, dass der Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank am Tag zuvor bei der Mannschaft gewesen war und den Spielern Tipps zur Geldanlage gegeben hatte.

Während allgemeine Heiterkeit aufkam und die Lümmel in der letzten Reihe bereits darüber spekulierten, ob nun alle Nationalspieler ihre Gehälter auf ein "Startkonto plus" der Commerzbank überwiesen bekämen, sprang Philipp Lahm seinem Pressesprecher zur Seite. Es sei ein interessantes Gespräch gewesen und habe zum Nachdenken angeregt, sagte er. Woraufhin ein Pfälzer Kollege das Wort ergriff und in Richtung des Jungprofis Andre Schürrle tönte: "Und bei Dir, Andre? Ist noch nicht so viel rübergekommen, oder?" Abgang, Gelächter.