200-Meter-Finale

Usain Bolt holt auch zweiten Titel mit Weltrekord

100-Meter-Weltmeister Usain Bolt hat sich bei der Leichtathletik-WM in Berlin auch über die doppelte Distanz Gold mit Weltrekord gesichert. Damit gewann der 22-Jährige wie schon bei Olympia 2008 in Peking die beiden wichtigsten Sprintstrecken. Am Freitag hat er einen weiteren Grund zu feiern.

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Der Rekordmann beliebte zu scherzen. Diese Eigenschaft ist zwar nicht neu an Usain Bolt, doch seine Kreativität beeindruckte allemal. Vor dem Finale über 200 Meter schlenderte der Jamaikaner wie immer aus den Katakomben des Olympiastadions hinaus ins Freie. Statt alberner Gesten präsentierte er dieses Mal eine Aufschrift auf seinem gelben ärmellosen T-Shirt: „Ich bin ein Berlino“ stand über einem mit Filzstift gemalten Bären zu lesen.

Wenn man so will, ist Bolt neben dem Maskottchen der größte Li-La-Laune-Bär bei diesen Weltmeisterschaften. Und mit jedem Lauf bekommt er seinen Marktwert mehr vor Augen geführt. Ohne Zweifel ist neben Ariane Friedrich vor allem Bolt der Grund gewesen, warum das Stadion gestern so voll besetzt gewesen ist wie noch nie bei dieser WM. So einer gewinnt ja nicht nur, er pulverisiert bei den größten Sportereignissen auch Bestmarken mit einer Zuverlässigkeit und schnoddrigen Selbstverständlichkeit. Wer soll diesen Mann stoppen?

Im 200-Meter-Rennen, das Bolt bei den Olympischen Spielen vor einem Jahr bereits mit Weltrekord (19,30 Sekunden) gewonnen hatte, jedenfalls niemand. Vom Start weg – er musste wegen eines Fehlstarts wiederholt werden – holte Bolt aus seinem so begnadeten wie rätselhaften Körper alles heraus. Mit raumgreifenden Schritten schob er sich schon in der Kurve an die Spitze des Statistenfeldes, spätestens nach 100 Metern war es ein Rennen gegen sich selbst. Wieder einmal.

Bolt warf sich ins Ziel, neben ihm ploppte umgehend die Siegerzeit auf zwei Anzeigentafeln auf: 19,20 Sekunden. Weltrekord. Natürlich. Das Gejohle auf den Rängen nahm noch zu, als die offizielle, korrigierte Zeit (19,19 Sekunden) eingeblendet wurde.

Was folgte, ist beinahe schon Routine: Klopfen auf die Brust, Bogenschützen-Geste, Jamaika-Flagge schnappen, Schuhe ausziehen, Rücklings-auf-den-Boden-werfen, mit Berlino rumblödeln. So steigert die Ein-Mann-Entertainment-AG Usain B. ihren Kurs immer noch weiter.

Hinter ihm haderten die Bezwungenen mit ihrem Schicksal. „Selbst wenn ich das beste Rennen meines Lebens gemacht hätte, war von vornherein klar, dass ich nicht gewinnen würde“, jammerte der Amerikaner Wallace Spearmon, der in 19,85 Sekunden hinter Alonso Edward aus Panama (19,81) Bronze holte.