Boxen

Witali Klitschko - Schattenboxen um den Titel

„La Sombra“ also - „der Schatten“. Das klingt bedrohlich, undurchschaubar. Ein schöner Kampfname für einen Profiboxer, irgendwie geheimnisvoll und nicht so platt martialisch wie zum Beispiel „Dr. Eisenfaust“. Der Schattenmann hört im bürgerlichen Leben auf den Namen Odlanier Solis, stammt aus Kuba und geht am Samstag in Köln (22.10 Uhr/RTL) seinem Beruf als Pflichtherausforderer des WBC-Schwergewichtsweltmeisters Witali Klitschko nach.

Da wird man dann mal sehen, ob der Champion wie einst Comic-Held Lucky Luke schneller schlägt als sein Schatten. „Ich werde beweisen, warum ich Champion bin, und den Titel verteidigen“, sagte Klitschko vor dem Schattenboxen um den Titel. Der 39-Jährige präsentiert sich zuversichtlich wie immer nach 41 Siegen und nur zwei verletzungsbedingten Niederlagen in seiner Karriere. „Die großen Sprüche von Solis sind doch nur das Pfeifen im Walde“, sagte Klitschko.

Tatsächlich warf Solis noch drei Tage vor dem Fight beim öffentlichen Training einen umfangreicheren Schatten, als das ein durchtrainierter Weltklasseboxer eigentlich tut. In bisher 17 Profikämpfen ohne Niederlage hat ihm das zusätzliche Gewicht allerdings noch nicht geschadet. Das schafft Selbstvertrauen, und Trommeln gehört ohnehin zum Handwerk. „Ich bin der beste Schwergewichtsboxer der Welt“, sagt der 30 Jahre alter Olympiasieger von 2004, „ich werde den Ring als Sieger verlassen.“

Solis wurde vor etwas über vier Jahren gemeinsam mit zwei weiteren Faustkämpfern von Promoter Ahmed Öner mit Hilfe professioneller Schleuser aus seinem Heimatland herausgeholt. Der Deutsch-Türke versprach sich Weltklasse für seinen Arena-Boxstall, Solis Ruhm und Dollars. Eine neue Frau und eine neue Heimat in Miami hat er schon. Einen Titel noch nicht.

Seine technische Box-Ausbildung ist natürlich kubanisch-erstklassig, er gilt als schnell und gewandt. Seine bisherigen Gegner und Ergebnisse sind aber alles andere als furchteinflößend. Dennoch hat er es in nur 17 Kämpfen zum Pflichtherausforderer in der schwach besetzten „Königsklasse“ gebracht. „Solis wird eine neue Ära einläuten“, glaubt Öner, „es ist höchste Zeit, dass Witali aufgezeigt bekommt, wie überschätzt er ist.“

Die gleichen Töne waren schon vor zwei Jahren zu hören, als Öner versuchte, mit Juan Carlos Gomes den Ukrainer zu stürzen. Das Ergebnis war eine technische K.o.-Niederlage in der neunten Runde in Stuttgart. Auch Gomez war technisch brillant, schnell und beweglich. Aber auch Gomez hatte keine Chance, den sperrigen Jab des Titelverteidigers zu überwinden und an Klitschko heranzukommen. Ähnlich wird es voraussichtlich in Köln aussehen. Solis ist immerhin 15 Zentimeter kleiner als Klitschko und hat eine zwei Zentimeter kürzere Reichweite.

„Witali ist wie guter Wein“, sagt Trainer Fritz Sdunek. Älter, besser, klar: „An Witali kommt Solis nicht heran. Ich rechne mit einem K.o. im letzten Drittel des Kampfes.“ Klitschko geht die Aufgabe zielstrebig und konzentriert an, die Vorbereitung soll ohne Probleme gelaufen sein. „Ich darf Solis nicht unterschätzen, er ist schnell, unangenehm und erfahren“, urteilt der Weltmeister, „der Gürtel bleibt aber in der Familie.“

Schließlich fehlt ja nur noch ein Sieg von Bruder Wladimir im Sommer gegen den britischen WBA-Champion David Haye, dann wäre der Traum der Brüder perfekt: Alle vier ernstzunehmenden Titel vereint. Schon allein deswegen darf sich Witali keinen Ausrutscher erlauben.

Wie lange er dann noch in den Ring steigt, ist ebenfalls eine spannende Frage. Ein nächster Kampftermin steht schließlich schon fest: In zwei Jahren sind wieder Bürgermeisterwahlen in Kiew, die er im ersten Anlauf verloren hat. „Diesmal werde ich es schaffen“, ist Klitschko überzeugt. Er mag nicht gern im Schatten stehen. Nirgends.