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Schalke ist ein Schaden für den Magath-Mythos

Felix Magath galt als der erfolgreichste deutsche Trainer der Gegenwart, bis ihn Schalke als Heilsbringer holte. Nun bröckelt sein Denkmal.

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Felix Magath, Trainer, Manager und Vorstand beim FC Schalke 04, verlässt den Verein mit sofortiger Wirkung.

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Felix Magath glaubte zu wissen, was ihn erwartet. „Dies ist meine schwierigste Aufgabe“, sagte der Erfolgstrainer, als er kurz nach der sensationellen Meisterschaft mit dem VfL Wolfsburg seine Mission Schalke begann. Er wusste es nicht.

Magath glaubte, das Wolfsburger Erfolgsrezept auch beim Traditionsklub Schalke 04 anwenden zu können. Mit seinem großen Stab, der nicht nur den Trainingsplatz übernahm, sondern auch zentrale Positionen in den Abteilungen des Vereins, bildete er einen Klub im Klub. Altgediente Mitarbeiter mussten gehen, andere fühlten sich ausgesperrt.

Sein Umbruch auf dem Spielfeld war mit 40 Neuverpflichtungen für 39 Millionen Euro in anderthalb Jahren noch brachialer als in Wolfsburg. Das ständige Kommen und Gehen, das Aussortieren und Abschieben in die zweite Mannschaft verunsicherte nicht nur seine Profis, sondern rief auch die Fans auf den Plan.

Plötzlich war der Heilsbringer für viele eine Gefahr für ihren Klub, jemand, der die Tradition, die Identifikation im vielleicht emotionalsten Vereins Deutschlands zerstörte. Magath verstand diese Reaktion nicht. „Ich kann kein Schalke-Fan sein. Mein Job darf nichts mit Fan-Sein zu tun haben“, sagte er, er könne seine Arbeit nicht „romantisch“ machen, sondern er müsse „professionell“ arbeiten.

Magaths Vorstellung von Professionalismus wurde auf Schalke immer mehr zum Problem. Dass er die Profis mit Medizinbällen quält und steile Treppen hinaufhetzt, ist allgemein als Methodik eines „harten Hundes“ akzeptiert. Oft genug bewies er bei seinen Erfolgen, ob als zweimaliger Double-Gewinner mit Bayern München, als Überraschungsmeister mit Wolfsburg oder selbst in seinem ersten Jahr auf Schalke mit dem Einzug in die Champions League, dass seine Mannschaften körperlich besonders fit und dadurch in der entscheidenden Phase den anderen einen Schritt voraus waren.

Doch der Magathsche Professionalismus geht weiter. Für den einstigen Mittelfeldstrategen des Hamburger SV sind Unnahbarkeit und eine gewisse Gnadenlosigkeit Prinzipien seiner Trainerarbeit. Ganz im Sinne seiner Vorbilder Branko Zebec und Ernst Happel sind für Magath die Profis austauschbare Teile eines Ganzen, die entweder funktionieren oder durch andere ersetzt werden. Freude am Fußball müssen sie sich selbst erhalten, dafür ist der Trainer nicht zuständig.

Auf Schalke war einzig Superstar Raul eine Ausnahme von der Regel. Der 33-Jährige war Magaths Königstransfer - ein Coup, der die Fans begeisterte, ein außergewöhnlicher Spieler, der Mittelpunkt seines Offensivsystems sein sollte. Ihn musste er bei Laune halten. Über ihn gab es nie ein kritisches Wort. Raul durfte seine Position so interpretieren, wie er wollte. Jefferson Farfan dagegen, der leichtlebige Peruaner, der in der Hinrunde als stärkster Schalker einen noch tieferen Absturz in der Bundesliga verhinderte, bekam bei jeder Gelegenheit sein Fett ab - in der Kabine genauso wie in aller Öffentlichkeit.

Nicht nur die Mannschaft wollte Magath komplett umkrempeln, auch den Klub. Der FC Schalke sollte zum FC Magath werden. Doch mit seinem Machtstreben geriet er innerhalb des Vereins zunehmend in die Isolation. Von seinen eigenen Mitarbeitern umgeben, schloss er alle anderen von seinen Entscheidungen aus. Nicht nur Finanzvorstand Peter Peters, sondern auch Sportdirektor Horst Heldt. Sein ehemaliger Spieler beim VfB Stuttgart war ursprünglich geholt worden, um ihn zu entlasten. Doch Heldt blieb bei allen Transfers außen vor, wartete auf die Zeit nach Magath.

Dessen Vorstellung von Professionalismus umfasste auch den Ausbau seiner Machtposition über die Öffentlichkeit. In gezielt platzierten Interviews in der Sommerpause beklagte er den Widerstand der Vereinsmitglieder auf der Jahreshauptversammlung gegen eine größere Machtfülle und forderte von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies mehr Geld für neue Spieler. Das Geld bekam er, die Quittung auch.