Olympia 2018

61 Prozent pro München

Durchwachsene Zustimmungsraten bei einer IOC-Geheimumfrage, ein Finanzloch im Bewerbungsetat, aber die Münchner Olympia-Planer geben sich kämpferisch. Laut einer IOC-Auswertung befürworten nur 61 Prozent der Deutschen Olympische Winterspiele 2018 in München. Zudem fehlen immer noch vier Millionen Euro im 33 Millionen Euro-Bewerbungsbudget, für die wohl die Steuerzahler aufkommen müssen.

111 Tage vor der Vergabe der Spiele am 6. Juli reiben sich die Olympia-Gegner die Hände, die Bewerbungsgesellschaft ist um Gelassenheit bemüht. „Diese Zahlen beunruhigen mich nicht, weil ich spüre, dass die Begeisterung in der Bevölkerung steigt und die Zahl der Gegner abnimmt“, sagte Aufsichtsratschef Michael Vesper.

Die Reaktion von NOlympia ließ nicht lange auf sich warten. „Für so ein Milliarden-Projekt ist dies eine bescheidene Zustimmung, die meilenweit von den stabilen Drei-Viertel-Mehrheiten, welche von den Befürwortern der Bewerbung immer wieder ins Feld geführt werden, entfernt bleibt“, kritisierte NOlympia-Sprecher Ludwig Hartmann (Bündnis 90/Die Grünen) am Donnerstagabend. Nicht nur in der Bevölkerung habe die Bewerbung mit sinkendem Zuspruch zu kämpfen, auch der Rückhalt in der Wirtschaft sei unverändert niedrig. „Auf diesen zwei wackligen Beinen sind Olympische Winterspiele in Bayern nicht durchführbar“, betonte der Landtagsabgeordnete.

Unterdessen geht das Bürgerbegehren der Olympia-Gegner in die heiße Phase. An diesem Freitag wollen die Initiatoren im Rathaus ihre Unterschriften übergeben, die Voraussetzung für einen Bürgerentscheid sind. „Bereits nach wesentlich kürzerer Zeit als erwartet liegen weit mehr als die benötigten 1700 Unterschriften zur Einreichung vor“, teilte Axel Doering vom örtlichen Bund Naturschutz am Abend mit.

Gut 2400 Frauen und Männer aus Garmisch-Partenkirchen hätten sich eingetragen, ergänzte Reiner Schmid-Egger, einer der drei Verantwortlichen für das Bürgerbegehren Die Umfrage-Zahlen zur Unterstützung der Bevölkerung fließen nun in den IOC-Evaluierungsbericht über die Olympia-Tauglichkeit der drei Bewerber ein.

Der südkoreanische Favorit Pyeongchang, Hauptkonkurrent der Isar-Metropole im Dreikampf um Olympia 2018, darf sich nach dpa-Informationen über eine Quote von 93 Prozent freuen. Die Kandidatur des dritten Mitstreiters Annecy soll in Frankreich nur bei 51 Prozent der Befragten auf Unterstützung stoßen. Die IOC-Werte seien im Dezember ermittelt worden, „einer Zeit, die durch den Höhepunkt der Grundstücksstreitigkeiten, durch den Grünen-Parteitag und durch die Ankündigung eines Bürgerbegehrens geprägt war“, erklärte Vesper am Donnerstag. Seitdem habe Deutschland drei Weltmeisterschaften erfolgreich ausgerichtet und im Januar sei die Werbekampagne im Fernsehen angelaufen. „Aktuelle repräsentative Umfragen von unabhängigen Instituten zeigen, dass die Zustimmung bei rund 75 Prozent liegt“, behauptete der ehemalige Grünen-Politiker, „für mich ist das keine Frage: Die deutliche Mehrheit der Menschen in den Bewerbungsstädten, in Bayern und in Deutschland stehen hinter der Bewerbung. Sie wollen Olympia wieder nach Deutschland holen.“

Zumindest in Bayern könnte sich die Stimmung wieder etwas verfinstern. Knapp dreieinhalb Monate vor dem finalen Votum der 103 stimmberechtigten Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) deutet vieles darauf hin, dass die Finanzierung der bayerischen Olympia-Ambitionen doch nicht wie ursprünglich geplant ohne öffentliche Zuschüsse auskommt. Der Freistaat, die Stadt München, die Gemeinden Garmisch-Partenkirchen und das Berchtesgadener Land würden im Bedarfsfall haften. Bereits im Oktober 2009 hatte die Bewerbungsgesellschaft einen Überbrückungskredit von 1,5 Millionen Euro durch Stadt und Land benötigt. „Es ist das eingetreten, was wir von Anfang an befürchtet haben. Die Steuerzahler werden zur Kasse gebeten“, meinte Ludwig Hartmann, neben Axel Doering treibende Kraft der Olympia-Opposition, „das zeigt, dass die deutsche Wirtschaft nicht wirklich hinter der Bewerbung steht. Außerdem sind zahlreiche Sponsoren halbstaatliche Unternehmen.“ Vesper bewertet die bisher gesicherten 29 Millionen Euro als Erfolg: „Es war ein sehr ehrgeiziges Ziel, die Bewerbung so weit gehend wie möglich aus privaten Mitteln zu finanzieren. Mittlerweile sind fast 90 Prozent des ursprünglich geplanten Bewerbungsbudgets von 30 Mio. Euro eingeworben. Das ist ein großer Erfolg, zumal mitten in der Wirtschafts- und Finanzkrise.“ Nach einem Brandbrief des im Sommer 2010 aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Bewerbungschefs Willy Bogner war das Budget von 30 auf 33 Millionen Euro erhöht worden.