"Auszeit"

Der EHC München lockt mit Rekorden statt Titeln

Die Münchener für Eishockey zu begeistern, ist schwer. Aber mit dem drittlängsten Spiel der Geschichte und anderen Rekorden gewinnt der EHC immer mehr Fans.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Es muss schon Außergewöhnliches geboten werden, um in einer Metropole wie München dauerhaft zahlendes Sportpublikum zu locken. Beim FC Bayern haben sie sich daher gerade das Spektakel einer nahezu abwehrfreien Fußballmannschaft gegönnt, und die junge Basketballabteilung des Klubs wurde schon für die zweite Liga derart mit Überfliegern ausgerüstet, dass die für den Aufstieg nötigen Siege haushoch ausfallen hätten sollen wie bei den Showkünstlern der Harlem Globetrotters.

Die verbleibende Nische fürs Eishockey war also nicht gerade groß in der Landeshauptstadt, doch die Cracks des EHC München füllten sie mit unerwarteter Kreativität. In der Vorrunde der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) produzierte der Aufsteiger erst das längste Penaltyschießen der Ligahistorie, das nach über einer halben Stunde erst mit dem 42. Schuss entschieden war.

Besser war ein Aufsteiger nie

Zum Auftakt des Pre-Play-off bot sie nun das drittlängste Spiel der Geschichte, das nach 110 spannenden Netto-Minuten erst kurz vor Mitternacht endete. Das finale Tor zum 4:3 erzielte übrigens der Kölner Philip Gogulla, dessen Treffer gegen Mannheim im März 2008 auch schon das bislang längste DEL-Match (168:16 Minuten) entschieden hatte.

Die Haie, die erst 27 Sekunden vor Schluss der regulären Spielzeit durch einen Penalty zum Ausgleich gekommen waren, können somit schon heute mit einem Heimsieg die Serie „Best of three“ entscheiden und ins Viertelfinale einziehen.

Für den EHC München wäre es auch dann noch eine tolle Debütsaison. Es bliebe Vorrundenplatz sieben – besser war ein Aufsteiger nie – und eine Erkenntnis: Mehr als 3195 Zuschauer kommen wohl nur noch, wenn es um den Meistertitel geht.