Ski alpin

Riesch verliert Führung im Gesamtweltcup an Vonn

Beim Abfahrtsrennen in Lenzerheide landet Maria Riesch 13 Plätze hinter ihrer Konkurrentin Lindsey Vonn und muss diese im Gesamtweltcup vorbeiziehen lassen.

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Es war die Reaktion einer Geschlagenen: Als Maria Riesch in Lenzerheide bei der letzten Weltcup-Abfahrt der Saison mit nur zwölftbester Zeit ins Ziel fuhr, sackte sie in sich zusammen und ließ sich in den Schnee sinken. Dort lag die Doppel-Olympiasiegerin einige Sekunden lang und gewann die Gewissheit, „dass das überhaupt nicht mein Tag war“. Riesch kam am Ende auf den 17. Platz und erhielt keine Weltcup-Punkte, die Führung in der Gesamtwertung verlor sie drei Rennen vor Saisonschluss an Lindsey Vonn.

27 Punkte beträgt ihr Rückstand auf die Amerikanerin jetzt, und nicht nur DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier kann nicht mehr so richtig an ein Happy End glauben. „Objektiv fährt Maria im Moment zu schlecht Ski, um Lindsey das Ding streitig zu machen“, sagte er. Das Ding, den Gesamtweltcup, hat Maria Riesch noch nie, Vonn dagegen zuletzt drei Mal hintereinander gewonnen. Als sich die Partenkirchnerin aufgerappelt und emotional gefangen hatte, gab sie aber eine kämpferische Linie für den Endspurt aus. „Vielleicht ist es sogar gut, dass ich jetzt hinten liege, weil ich nun die Jägerin bin.“

In dieser Rolle war sie in diesem Winter nur bei zwei von 32 Wettbewerben, sonst lag sie immer vor Vonn. Irgendwann sei es in der Öffentlichkeit nur noch darum gegangen, wann Riesch das Duell für sich entscheide, kritisierte Maier. Riesch sprach von einer „Hetzjagd“ in den vergangenen Wochen. „Ich bin mit der Situation nicht so gut zuurechtgekommen“, meinte sie. Das war zuletzt schon in Spindlermühle der Fall, in der Schweiz nun fuhr Riesch erneut seltsam schwach.

Maier hatte eine gewisse „Resignation“ im Fahrstil seiner besten Athletin erkannt, die Verhältnisse mit weicher Piste und schlechter Sicht „lagen über ihrem Limit“, sagte er. Nach einer „total vergeigten“ Linkskurve (Riesch) an einer der steilsten Stellen der Strecke sei ihr der Schneid verlorengegangen, erklärte Riesch. Das bedeutete letztlich für sie indiskutable 3,19 Sekunden Rückstand auf Tagessiegerin Julia Mancuso. Vonn konnte sich einen Rückstand von 1,38 Sekunden auf ihre Teamkollegin und Platz vier leisten, der Erfolg in der Disziplinwertung, der vierte in Folge, war ihr bereits zuvor sicher.

Bei den Männern hatte sich zwei Stunden zuvor an gleicher Stelle Didier Cuche als Vierter ebenfalls zum vierten Mal die Abfahrtskugel gesichert. Der Schweizer beschloss damit die wohl schwerste Woche seiner langen Ski-Karriere mit einem Happy End, nachdem er im Zuge eines heftigen Streits mit FIS-Rennleiter Günter Hujara bereits ans Aufhören gedacht hatte. Cuche schnappte Michael Walchhofer aus Österreich, der lediglich Elfter wurde, den Gesamtsieg noch weg.

„Ich bin stolz, dass ich das geschafft habe. Und ich glaube auch, dass ich es verdient habe. Die Ereignisse der letzten Woche machen meine Emotionen noch stärker“, sagte Cuche, der in Kvitfjell mit Hujara über die Strecke gestritten hatte und anschließend als Athleten-Sprecher zurückgetreten war.

Walchhofer war nach der letzten Abfahrt seiner Karriere geknickt. „Die Enttäuschung ist sehr groß. Aber was hilft’s: In der Schweiz muss ich halt doch einem Schweizer den Vortritt lassen“, sagte der Hotelier. Der Tagessieg ging an den Franzosen Adrien Theaux, für den es im Weltcup eine Premiere war.