Scheidender Trainer

Van Gaal will Bayern "durch die Vordertür" verlassen

Vor seinem ersten Spiel als Noch-Trainer des FC Bayern gibt sich Louis van Gaal aufgeräumt und nimmt seine Vertragsauflösung mit Gleichmut. Sagt er zumindest.

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Die Frage war für Louis van Gaal recht einfach zu beantworten. Zumindest ließ er sich nichts Gegenteiliges anmerken. Wie es ihm denn gehe, wurde der Trainer des FC Bayern München am Freitag gefragt. Es war van Gaals erster Auftritt unter neuem Status, als Noch-Trainer der Münchner. Im Sommer muss er den Verein verlassen, jene Karenzzeit hatten ihm die Oberen am Montag eingeräumt, weil sie ad hoc keinen Nachfolger für tauglich befunden hatten. Und so hat van Gaal eine Woche hinter sich, die er als „nicht normal“ bezeichnet. Und dennoch antwortete er vor dem Spiel am Samstag gegen Hamburger SV auf die Frage nach seinem Befinden: „Mir geht es gut.“ Natürlich sei er traurig, dass er seine Arbeit nicht weiterführen dürfe, sagte er, „aber ich denke, dass es für beide Seiten vernünftig ist“.

Während bei der Konkurrenz von Schalke 04 rund um die anstehende Entlassung von Trainer Felix Magath alles drunter und drüber geht, übten sich die Bayern in Schadensbegrenzung. Es war schon offensichtlich, wie sehr sich die Münchner bemühten, einen harmonischen Gesamteindruck der bescheidenen Gemengelage zu vermitteln. Nach dem Motto: Eine Trennung ja, aber bitte keine mit Scharmützel. Immerhin muss man noch bis zum Saisonende miteinander klarkommen. Auf die gemeinsame Sprachregelung von einer „unterschiedlichen Philosophie“ hatten sich die Oberen um Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und van Gaal als Trennungsgrund geeinigt. „Dass ich noch Trainer bin, ist einzigartig. Das passiert nicht so oft“, sagte van Gaal am Freitag.

Wenn es überhaupt ein Statement mit kritischem Unterton gab, dann höchstens jenes: „Bayern München ist größer als van Gaal, aber auch größer als der Vorstand“, sagte er. Ansonsten kein böses Blut, nur lobende Worte vom Niederländer für den Verein: Nicht viele seien so gut organisiert wie der FC Bayern. „Neben Bayern München liebe ich diese Kultur. Ich liebe die Fans, und die Fans lieben mich“, sagte er. Und: „Ich hoffe, dass ich diesen Klub noch durch den Vordereingang verlassen kann.“ Das sei für ihn auch eine Frage der Ehre und des Stolzes.

Zuvor hatte sich ausgerechnet Uli Hoeneß, Bayern Münchens Präsident und van Gaals größter Kritiker, in gegenseitiger Annäherung geübt und gesagt, dass er den Trainer „bis zum letzten Tag stärken“ werde. Und nicht ganz uneigennützig schob Hoeneß hinterher: „Ich möchte, dass er bei uns einen guten Abgang hat, dann hätten wir schließlich die Champions League erreicht.“

Nun ist es durchaus üblich, dass nach einer Trennung entsprechende Friedensvereinbarungen getroffen werden. Da passte es auch ins Bild, dass seit der am Montag öffentlich gemachten Vertragsauflösung van Gaals zum Saisonende vor allem jene Profis zu den täglich anberaumten Presserunden geladen wurden, die zu den größten Van-Gaal-Getreuen gehören. Am Freitag war es Kapitän Philipp Lahm, der vorstellig wurde, am Donnerstag Bastian Schweinsteiger, sein Stellvertreter, der ein Plädoyer für den Geschassten hielt: „Es ist schade, dass er geht. Der FC Bayern hat viel von ihm profitiert. So einen Fußballstil hatten wir in München noch nicht.“ Auch Lahm übte sich in ähnlichem Duktus: Van Gaal habe dem Verein eine Philosophie gegeben. „Jetzt herrschen wieder Strukturen, jeder Spieler hat sich entwickelt.“ Und überhaupt, das Verhältnis zum Trainer habe sich nicht verändert. Als „ganz normal“ bezifferte es Lahm.

Einen Autoritätsverlust wollte auch van Gaal nicht ausgemacht haben. „Jeder Spieler will etwas machen für mich, das weiß ich“, sagte er. Und weil die Zusammenarbeit mit seinen Spielern intakt sei, habe er auch keine Rücktrittsgedanken gehegt. Stattdessen versuchte er, im Kerngeschäft die Normalität walten zu lassen. Die Seinen habe er für Hamburg „wie immer vorbereitet. Ich mache nichts anderes. Die Struktur ist unsere Halt“, sagte er, auch wenn er gestand, dass er nach den zwei Bundesliga-Niederlagen gegen Hannover und Dortmund und dem Pokalaus gegen Schalke „die Mannschaft wieder aufbauen“ musste.

Als Saisonziel haben die Münchner immer noch das Erreichen der Champions League ausgegeben, trotz der sieben fehlenden Punkte auf den Tabellenzweiten Leverkusen. „Ich will nächstes Jahr nicht in der Europa League spielen“, sagte Lahm, „keiner von uns will das.“ Deshalb müsse der FC Bayern gegen den HSV „auf Teufel komm raus punkten“.

Und auch auf van Gaal hat klare Vorstellung von seiner Verabschiedung: „Wir müssen alles gewinnen“, sagte er. Wie seine Zukunft aussehen werde, wurde van Gaal noch gefragt. Er sprach von einem Sabbatjahr, dass er jetzt einlegen wolle, „und dann will ich ein Land coachen.“ Und die Zukunft von Bayern München? „Ich habe schon letzten Freitag gesagt, es ist nicht so einfach, einen Nachfolger zu finden.“