Eisschnelllauf-WM

Keine Medaille für deutsches Team – Wüst räumt ab

Am zweiten Tag der Heim-Weltmeisterschaft in Inzell enttäuschten die deutschen Eisschnellläufer. Die Niederländerinnen bejubelten einen Dreifacherfolg.

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Die Sprinter nicht zufrieden, die Damen total enttäuscht, „Oranje“ im Rausch: Der zweite Tag der Eisschnelllauf-Weltmeisterschaften in Inzell brachte dem deutschen Team eine herbe Ernüchterung, den Niederländern hingegen zwei Titel und eine wahre Medaillenflut mit sechs Plaketten. Für das beste Resultat der Deutschen sorgte noch der Berliner Samuel Schwarz, der über 1000 Meter Neunter wurde. Die deutschen Mittelstrecklerinnen enttäuschten hingegen über 1500 Meter und mussten mitansehen, wie sich Eis-Königin Ireen Wüst beim Dreifacherfolg der Niederländerinnen nach den 3000 Metern den zweiten Titel im zweiten Rennen sicherte.

Angefeuert von rund 3000 Oranje-Fans unter den 5000 Zuschauern im ausverkauften Glaspalast von Inzell lief die Olympiasiegerin zu ihrem insgesamt siebten WM-Gold, nachdem sie zuvor in dieser Saison bereits die Mehrkampf-WM und am Vortag den Titel über 3000 Meter gewonnen hatte. Die Niederländerin ist damit auf dem besten Weg, erfolgreichste Läuferin der Titelkämpfe zu werden. Einen Tag nach seinem zweiten Platz über 1500 Meter wurde Top-Favorit Shani Davis aus den USA über 1000 Meter seiner Favoritenrolle gerecht und gewann in 1:08,45 Minuten seinen sechsten WM-Titel. Über 5000 Meter siegte der Niederländer Bob de Jong und bezwang in 6:15,41 Minuten den 10.000-Meter-Olympiasieger Lee Seung-Hoon aus Südkorea.

Samuel Schwarz setzte sich im deutschen Duell gegen Rekordhalter Nico Ihle aus Chemnitz durch und erkämpfte in 1:09,64 Minuten mit Rang neun die beste WM-Platzierung seiner Karriere. „Der Lauf war insgesamt gut. Aber der Abfall in der zweiten Runde war zu groß. Es ist nicht so, dass ich jetzt freudestrahlend durch die Halle laufe“, meinte der 27-Jährige. Schwarz hatte im Dezember mit dem ersten Weltcupsieg deutscher Herren seit neun Jahren für Aufsehen gesorgt.

„Ich bin heute viel aggressiver angegangen als gestern“, meinte Davis, nachdem er tags zuvor um 5/100 Sekunden gegen den Norweger Havard Bökko verloren hatte. Davis kündigte danach einen Start auch im Team-Wettbewerb an. Die Ränge zwei und drei über 1000 Meter gingen an die Niederländer Kjeld Nuis (1:08,67) und Stefan Groothuis (1:08,73). Nico Ihle musste mit Platz 18 zufrieden sein. „Es war von Anfang bis Ende nur Krampf“, schimpfte sein Trainer Klaus Ebert. „Ich bin voll kaputt. Man merkt, dass die Kräfte nachlassen und die lange Saison zu Ende geht“, rechtfertigte sich sein Schützling.

Während sich Isabell Ost (16.) nach einem kleinen Zusammenbruch in medizinische Behandlung begeben musste, ließ sich Ireen Wüst nach ihrem zweiten Triumph ausgiebig feiern. In 1:54,80 Minuten verfehlte sie auf Anni Friesingers einstiger Spezialstrecke (sechs WM-Titel) ihren Europarekord von Hamar nur um 0,75 Sekunden und setzte sich vor ihren Teamgefährtinnen Diane Valkenburg und Jorien Voorhuis durch. „Die Strecke war einfach zu lang“, kommentierte die Berlinerin Monique Angermüller lapidar ihren 13. Platz (1:59,86). „Ich bin einfach am Ende nach dieser langen Saison“, bemerkte Jennifer Bay aus Dresden, die nur 19. wurde.

Über 5000 Meter ging der Erfurter Patrick Beckert mit Husten und starken Halsschmerzen an den Start, verkaufte sich als 12. (6:30,52) aber teuer und wurde immer noch bester Deutscher. „Es ist bitter und enttäuschend, dass es gerade hier passiert und er für seine Mühen nicht belohnt wird“, bedauerte Trainer Stephan Gneupel.