"Auszeit"

Die Gralshüter blockieren die nötigen Reformen

Traditionell gelingen den Regelhütern des Fußballs allenfalls Reförmchen. Diesmal haben Strumpfhosen Priorität, Torlinientechnik nicht. Mal wieder.

Wer in einer Suchmaschine den Begriff „Reform“ eingibt, findet durchaus Interessantes. Etwa, dass sich 268 deutschsprachige Theologieprofessoren in einem Referendum für die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften durch die katholische Kirche stark gemacht haben. Da passt es gut, dass im gleichen Atemzug unser Außenminister Westerwelle einen politischen Wandel in der Ukraine angemahnt hat. Und selbst Fidel Castro ist mit dem Thema Reform in Verbindung zu bringen. Er musste zwar Verzögerungen bei der Entlassung von 500.000 Staatsbediensten zugeben, aber was zählt, ist der Wille.

Die Suchmaschine kann allerdings nicht wie erhofft die Verbindung zwischen „Fußball“ und „Reform“ herstellen. Dabei tagte am ersten Märzwochenende diesen Jahres das International Football Association Board (IFAB). In diesem Gremium rauchen seit 125 Jahren immer im März die Köpfe von ein paar sehr alten Herren, die über Regeländerungen im Fußball zu entscheiden haben.

Weil die Runde schon lange nicht mehr selbst Fußball gespielt hat, fallen die Reformen traditionell höchst bescheiden aus. Wie beim Thema Torlinientechnik. Alle aktiv in der Fußballbranche Tätigen wünschen sich seit Jahren die technische Unterstützung bei der Frage aller Fragen: Tor oder nicht Tor? Die Greise des IFAB aber bügeln ebenso lange die Einführung solcher Hilfsmittel ab, so auch dieses Mal.

Vielleicht, weil Wichtigeres auf der Agenda stand. Etwa die Frage: Strumpfhose oder nicht Strumpfhose? Die grauen Gralshüter erwiesen sich da als erstaunlich stilsicher. Zulässig, entscheiden sie, wenn sie die gleiche Farbe hat wie die Hose. Schals sind dagegen vom 1. Juli an nicht mehr erlaubt. Nicht, weil es dann zu warm ist. Nein, zu gefährlich, verfügte das IFAB. Da bleiben kaum noch Fragen offen. Nur die: Wie sieht es mit der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften unter Fußballprofis aus?