Eisschnelllauf

Pechsteins Einbruch - Bronze für Beckert

Einbruch für Claudia Pechstein, Jubel bei Stephanie Beckert: Bei den deutschen Eisschnellläuferin hätte die Gefühlslage nach dem Auftakt-Rennen der Einzelstrecken-WM in Inzell nicht unterschiedlicher sein können. Pechstein kam über 3000 m in 4:08,11 Minuten nur auf Rang acht und verpasste die insgeheim erhoffte Medaille deutlich. Beckert gewann Bronze hinter der Ireen Wüst (Niederlande/4:01,56) und Doppel-Olympiasiegerin Martina Sablikova (Tschechien/4:02,07) und holte ihre erste Medaille bei einer Einzelstrecken-WM.

„Es hat Spaß gemacht, hier gelaufen zu sein. Aber es war schwer. Ich habe mein Bestes gegeben“, sagte Pechstein nach ihrem ernüchternden Abschneiden. „Ich wollte hier mehr zeigen. Schade, dass es nicht geklappt hat. Aber es war gut, dass ich dabei war“, meinte die fünfmalige Olympiasiegerin knapp fünf Wochen nach Ablauf ihrer Sperre wegen erhöhter Blutwerte.

Beckert machte es etwas besser und sicherte sich ihre erste Medaille bei einer Einzelstrecken-WM. „Ich bin wahnsinnig glücklich. Bronze ist super“, sagte Beckert: „Mir fehlten am Anfang die schnellen Runden, wie sie Wüst oder Sablikova laufen können.“

Pechstein hatte unterdessen Mühe, ihre Kraft richtig einzuteilen. Ihr Tempo nahm von Runde zu Runde ab. Erst gelangen ihr noch 32-er Runden, doch am Ende lagen ihre Werte bei mageren 33, 5 und 33,7 Sekunden. Ihr blieb damit die triumphale Krönung ihrer vierwöchigen Comeback-Tour versagt. Mit einem Platz auf dem Podium wäre sie die erste Athletin gewesen, die mit 39 Jahren bei einer Einzelstrecken-WM Edelmetall gewonnen hätte. Eine Medaille wäre für sie zudem ein gewichtiges Argument im Streit mit der Bundesinnenministerium (BMI) um eine Rückkehr in die Sportförderung. Das BMI hatte seiner Hauptmeisterin der Bundespolizei am Mittwoch zumindest noch Sonderurlaub für die Dauer der Heim-WM gewährt.

Bei der Heim-WM in Inzell greift Pechstein noch zweimal ins Geschehen ein. Am Samstag startet sie über 5000 m. Dort war sie dreimal Olympiasiegerin. Am Sonntag nimmt sie zum Abschluss der Titelkämpfe am Teamwettbewerb teil. In beiden Fällen hat die Langstrecken-Spezialistin Medaillen-Chancen. Auch Beckert startet noch über 5000 m und im Team. „Es war klar, dass Claudia irgendwann wiederkommt. Sie ist zurück“, sagte die WM-Dritte. Ireen Wüst freute sich indes reisig über ihren Titel. „Ich bin sehr glücklich, dass es gereicht hat“, meinte die Niederländerin, die nach ihrer Bestzeit bis zum letzten Lauf warten musste, bis ihr Erfolg feststand. „Das war sehr spannend“, meinte Wüst, die nervös an den Fingernägeln gekaut hatte.

Für einigen Wirbel sorgte am WM-Auftakttag der Weltverband ISU bei der Auswertung seiner Dopingkontrollen. Offenbar hat die ISU für die Analyse der Bluttests falsch geplant und kurzfristig das Labor gewechselt. Wie Recherchen des ZDF ergaben, sollten ursprünglich sämtliche Doping-Tests in einem nahe gelegenen Labor in Traunstein vorgenommen werden. Doch dannn entschied sich die ISU um, da das Labor in Traunstein die Analysen der Bluttests nicht gemäß der Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) durchführen kann.

„Es wurde aus organisatorischen Gründen ein Wechsel vorgenommen“, sagte Traunsteins Labor-Chef Burkhardt Müller dem SID. Der Weltverband wollte eine Panne jedoch nicht bestätigen: „Es war von Anfang an geplant, dass die Proben in einem WADA-akkreditierten Labor durchgeführt werden“, sagte Joel Shobe, Mitglied der medizinischen Kommission der ISU.