Unruhe bei Bayer

Leverkusens Profis nervt das Thema Ballack nur noch

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Jan Brockhausen u. Jens Bierschwale

Michael Ballack könnte in Leverkusen dauerhaft aufs Abstellgleis geraten. Seine Kollegen wollen sich gar nicht mehr zu dem Thema äußern.

Nach der dritten Frage zum Abtrünnigen verlor auch Jupp Heynckes kurzzeitig die Contenance. "Wissen Sie, dass wir ein richtig gutes Spiel gemacht haben?“, konterte der Trainer von Bayer Leverkusen die Frage nach Michael Ballack. "Das sollte nicht in den Hintergrund geraten."

So sehr sich Heynckes und die anderen Verantwortungsträger des rheinischen Klubs nach dem 3:0 (3:0) über den VfL Wolfsburg auch mühten, die ansprechende Leistung zu würdigen, blieb doch die Frage nach dem verhinderten Nationalmannschaftskapitän die prägende rund um die Arena.

Ballack hatte nach einem Gespräch mit dem Trainer entschieden, nicht auf der Bank Platz zu nehmen, weil er erst den nach langer Verletzungspause offensichtlichen Fitnessrückstand abbauen will. Dass er nicht einmal im Stadion gesehen wurde und die seltsame Marschroute auch durch die Ausfälle von Sami Hyypiä und Hanno Balitsch (beide Magen-Darm-Infekt) sowie Arturo Vidal (Gelb-Rot-Sperre) nicht überdacht wurde, verleiht der neusten Posse um den 34 Jahre alten Profi eine ganz eigene Note. Ballack, so scheint es, könnte in Leverkusen dauerhaft aufs Abstellgleis geraten.

Längst schon zeigen sich die Kollegen genervt vom ständigen Gerede um einen, der entweder gar nicht oder nur in Teileinsätzen mitwirkt. "Dieses ganze Hickhack, warum er nicht spielt, ist etwas, das einem tierisch auf den Sack geht", sagte Stürmer Stefan Kießling Morgenpost Online schon vor der Partie gegen Wolfsburg. Und Kapitän Simon Rolfes erklärte am Samstagabend vielsagend auf die Frage nach dem fehlenden Mitspieler: "Lars Bender hat heute ein sehr wichtiges Tor gemacht."

Die ansprechenden Auftritte der Nationalmannschaftskandidaten Bender, Kießling oder auch Gonzalo Castro hatte auch Bundestrainer Joachim Löw live von der Tribüne aus beobachtet und seinen einstigen Anführer vermisst. "Ich war überrascht, dass er nicht im Kader war", sagte Löw, der in den nächsten Tagen ein Gespräch mit Ballack über dessen Zukunft im DFB-Team führen möchte. Vermutlich wird ihm Löw dann mitteilen, dass er seinen Namen nicht mehr auf dem Zettel hat – nach 98 Länderspielen droht dem früheren Weltstar auch im Auswahlteam ein unrühmliches Ende.

Löw wird genau hingehört und registriert haben, dass einer wie Ballack rasch mal alles überlagert. Und das mag sich der auf Teamarbeit fixierte Trainer vermutlich ebenso wenig antun wie Heynckes, der bereits seit Wochen verärgert ist über die fortgesetzte Ballack-Diskussion. "Das ist nicht fair. Hier sind viele, viele gute Spieler, die bislang schon Gutes geleistet haben. Wir sind ein Team und sollten auch so in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden", mahnte er schon vor einigen Tagen. Vergebens.

Dass das Gespräch zwischen Trainer und Spieler im Vorfeld der Partie gegen Wolfsburg zudem nicht von Harmonie geprägt war und Ballacks Verzicht auf das Spiel vielleicht gar unfreiwillig erfolgte, verdeutlicht eine andere Aussage. "Die haben sich schön ihre Meinung gesagt", berichtete Wolfgang Holzhäuser.

Der Geschäftsführer hatte sich im Sommer für die kostspielige Rückholaktion eingesetzt, doch die Millionen-Investition in den alternden Mittefeldspieler zahlte sich bislang nicht im Ansatz aus. Erst fiel Ballack wegen eines Innenbandrisses im rechten Sprunggelenk aus, dann war er mit einer Fraktur des rechten Schienbeinköpfchens vier Monate lang zur Tatenlosigkeit verdammt. Seither kommt er nur schleppend in Form und hat offenbar mit seiner Rolle als Bankdrücker mehr Probleme als angenommen. "Es ist aufgrund seines Fitnesszustands schwierig für ihn, ins Spiel zu kommen und das Spiel zu ordnen. Deshalb hat er sich entschieden, die vorhandenen Defizite unabhängig vom Spielkalender aufzuarbeiten", sagte Heynckes. Es klang, als spreche er über einen Nachwuchsspieler.