Eisschnelllauf

Abmahnung wegen negativer Äußerungen über Pechstein

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Sportlich enttäuscht und Franziska Schenk ein TV-Interview verweigert: Claudia Pechstein hat am Freitag beim Weltcup-Finale der Eisschnellläufer in Heerenveen einen kräftigen Dämpfer erhalten.

Bei ihrem ersten Start gegen die Besten der Welt seit 751 Tagen lief sie auf der ungeliebten 1500-Meter-Distanz im Alleingang in 2:01,18 Minuten nur auf den 17. und drittletzten Platz. Daher freute sich die 39 Jahre alte Berlinerin nur über die Aufnahme durch die niederländischen Fans, nicht aber über ihr Resultat. „Ich bin froh, dass die Fans so hinter mir gestanden haben", meinte sie, nachdem die Oranjes ihr freundlichen Applaus entgegen brachten. Pfiffe oder Buhrufe blieben aus. „Ich hatte dies nicht anders erwartet", meine Pechstein.

Wie sauer sie über ihr eigenes Ergebnis war, mag verdeutlichen, dass sie – wie zuvor angekündigt – der früheren Teamgefährtin Franziska Schenk danach ein Interview für die ARD verweigerte. Da kamen alte Rivalitäten wieder hoch, denn Pechstein hatte neben Anni Friesinger, Stephanie Beckert und Gunda Niemann in ihrer Biografie auch gegen Schenk heftige Attacken geritten und – ohne die Gründe zu nennen – angekündigt, ihr nie wieder ein Interview zu geben. Mit ihrer Leistung war Pechstein logischerweise nicht zufrieden. „Natürlich ist es für keinen Sportler schön, allein ins Rennen gehen zu müssen. Zudem war ich nach Salt Lake ein paar Tage krank und konnte nicht trainieren", gab sie als Begründung an. „Insofern war es für mich ein Trainingswettkampf, mehr nicht", sagte sie und wurde umgehend als eine von zwei Athletinnen zur Doping-Kontrolle „ausgelost". Mit wenig erfreutem Gesicht war sie auf die Ehrenrunde gegangen und hatte sich für die Anfeuerungsrufe der Fans bedankt.

Besonders bitter war für Pechstein, dass sie hinter Isabell Ost (16./2:00,95) nur zweitbeste Deutsche war. Die Berlinerin Monique Angermüller fehlte wegen eines Trauerfalls in der Familie, wird aber bei der WM dabei sein. Knapp fünf Sekunden schneller als Pechstein war Mehrkampf-Weltmeisterin Ireen Wüst, die mit ihrem Sieg im Finale (1:56,35) den Weltcup-Triumph der Kanadierin Christine Nesbitt, die Dritte wurde, nicht mehr verhindern konnte. Pechsteins Blick ging nach dem Rennen gleich voraus auf den wichtigeren Lauf am Samstag. „Die 1500 Meter waren ein Härtetest für die 3000 Meter, darauf liegt mein Hauptaugenmerk", sagte die Hauptstädterin. Auf der Langstrecke will sie sich mit einer Zeit von mindestens 4:10 Minuten die Berechtigung für den WM-Start auch auf dieser Distanz sichern, nachdem ihr Start kommende Woche in Inzell über 1500 und 5000 Meter schon feststand.

Ihr heftigster Kritiker, 10 000-m-Olympiasieger Bart Veldkamp aus den Niederlanden, ist indes für seine abfälligen Äußerungen am Rande des Weltcups in Salt Lake City abgemahnt worden. Arjan Bos, der Präsident des Transportversicherungs-Unternehmens TVM, stellte mit einer öffentlichen Verwarnung klar, dass der als TVM-Assistenztrainer angestellte Veldkamp solche Verbalattacken zu unterlassen habe. Veldkamp hatte Pechstein unter anderem als „ekliges Geschwür" beleidigt. Über 5000 Meteer konnte Patrick Beckert als Neunter (6:31,26) seinen Aufwärtstrend fortsetzen. Der Bruder von Olympiasiegerin Stephanie Beckert wird nun bei der WM eine hartes Programm mit drei Langstrecken (5000, 10 000 m, Team) in Angriff nehmen. Der Sieg ging an den Niederländer Bob de Jong in 6:18,62 Minuten, der den russischen Mehrkampf-Weltmeister Ivan Skobrew (6:22,18) auf Rang zwei verwies. Zudem sicherte sich de Jong den mit 15 000 Dollar dotierten Gesamtweltcup auf den langen Strecken.

( dpa )