Attacke gegen Co-Trainer

Gattusos Ausraster – Letzter Würgegriff des Nashorns

Nach seiner Attacke gegen Tottenhams Co-Trainer fürchtet Gattuso harte Sanktionen. Es könnte der letzte internationale Auftritt des Ex-Weltmeisters gewesen sein.

Den harten schottischen Dialekt kann Gennaro Gattuso durchaus verstehen. Ein Jahr lang hat er auf der Insel für die Glasgow Rangers gespielt und sich in dieser Zeit auch den Spitznamen „Rino“ angeeignet, was aus dem Munde der heimischen Fans wie „Raino“ (Nashorn) klingt. Der Abräumer im defensiven Mittelfeld des AC Mailand hätte sich also durchaus verbal verständigen können mit Tottenhams schottischstämmigem Co-Trainer Joe Jordan, aber nach Reden war Gattuso an diesem Abend nicht zumute. Erst packte er Jordan am Hals, dann verpasste er ihm nach Spielschluss auch noch eine Kopfnuss.

Es könnte der letzte internationale Auftritt für den nur 1,77 Meter großen Italiener gewesen sein. Wegen der dritten Gelben Karte im Wettbewerb ist er im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League in drei Wochen in London ohnehin gesperrt. Zudem ermittelt nun auch der europäische Verband Uefa wegen des Ausrasters im Anschluss an das 0:1 am Dienstagabend daheim gegen Gattuso.

Der 33-Jährige war schon während des Spiels mit Jordan aneinandergeraten, da jedoch hatte er es noch bei einem kurzen Wortgefecht und einem kleinen Schubser belassen. Nach seinem zweiten Ausraster, der ohne das beherzte Eingreifen von Gegenspieler Rafael van der Vaart leicht in einer Keilerei hätte enden können, und dem Gang in die Kabine gab sich der Weltmeister von 2006 schließlich einsichtig. „Ich übernehme die volle Verantwortung. Er hat mich während des Spiels provoziert. Aber es war falsch, mich gegenüber jemandem, der älter ist als ich, so zu verhalten. Ich muss abwarten, was sie entscheiden“, sagte Gattuso angesichts der zu erwartenden Sperre. „Ich habe meinen Kopf verloren.“

Für Gattuso bildet das Szenario vom Dienstagabend einen neuen Tiefpunkt zum Ende seiner Karriere. Im Sommer war er nach dem blamablen Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft frustriert aus der italienischen Nationalmannschaft zurückgetreten, im Klub fahndet er eifrig nach der Wertschätzung vergangener Tage. Gattuso, den sie einst ob seiner rustikalen Spielweise „Bulldogge“ tauften, taugt es meist nur noch zum treu blickenden Bernadiner auf dem Feld. Loyal, verlässlich, aber eben keiner mehr, der den Gegner 90 Minuten lang verfolgen kann.

Derlei Attribute machen Gattuso ersetzlich. Gegen Tottenham war er ohnehin nur in die erste Mannschaft gerutscht, weil der niederländische Zugang Mark van Bommel in der Champions League bereits für Bayern München aktiv war und nicht spielberechtigt ist. Nun muss der Kapitän auch mit Repressalien seines Klubs rechnen, der nach dem Wirbel um die vermeintliche Sexaffäre seines Besitzers Silvio Berlusconi ohnehin sinkende Imagewerte in Italien verzeichnet. „Für diese hässliche Geschichte gibt es keine Entschuldigung“, schimpfte Trainer Massimiliano Allegri über Gattusos Ausraster.

Dabei hätten sie dem Übeltäter zumindest auf Seiten der Engländer durchaus noch mehr Durchschlagskraft als den zelebrierten Schubser und die Kopfnuss zugetraut. Harry Redknapp, Tottenhams Trainer, jedenfalls berichtete hinterher von entsprechenden Vorbereitungen seines Assistenten Jordan zur finalen Auseinandersetzung. „Er hatte seine Brille schon abgenommen und sicher keine Angst von Gattuso.“