"Auszeit"

Die holprige Erfolgsgeschichte des Frauensports

Am Dienstag feiert Deutschland 100 Jahre Frauensport. Dessen Geschichte ist bisweilen kurios verlaufen.

Die Geschichte von Frauen im Sport ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Ein Beispiel, an das sich gleichwohl nur die älteren Leser – schöne Grüße an Jopi Heesters! – noch lebhaft erinnern werden: Olympischen Spiele 1928. Erstmals im Wettkampfprogramm damals: Leichtathletik für Frauen. Der 800-Meter-Lauf hatte allerdings kontraproduktive Auswirkung. Weil zwei Teilnehmerinnen hinter der Ziellinie erschöpft zu Boden sanken, schlussfolgerten die (männlichen) Funktionäre und Journalisten, Mittelstreckenläufe seien zu anstrengend für das vermeintlich schwache Geschlecht. Bis 1960 blieben die 800 Meter im olympischen Programm gestrichen.

Noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg zerrten die Herren der Schöpfung viele noch so abstruse Argumente hervor, die zunehmend stärker werdende Frauensportbewegung in Deutschland zu zerreden. Von unziemlichem Spreizen der Beine bei der Gymnastik über Beeinträchtigung der Gebärfähigkeit bis hin zur Meinung, weibliche Anstrengung sei unästhetisch und Treten spezifisch männlich, Nichttreten dafür weiblich, wurde so einiges vorgebracht.

Kurioser Frauensport

Da bedurfte es noch Ende der 60er-Jahre manchen Kniffs, die Hegemonie der Männer zu unterwandern – oder -laufen in diesem Falle: 1967 trug die Amerikanerin Katherine Virginia Switzer im Anmeldeformular für den Boston-Marathon unter „Vorname“ lediglich „K.V.“ ein. Niemand vermutete eine Frau dahinter, sonst wäre ihr der Start verweigert worden. Was tat Switzer? Sie siegte.

Am Dienstag ist offiziell Weltfrauentag. Anlass genug für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), 100 Jahre Frauensport zu feiern und eine Erfolgsgeschichte zu skizzieren. Nicht nur auf deutschen Sportplätzen und in Turnhallen und Schwimmbecken, wo rund zehn Millionen Frauen organisiert Sport treiben, sondern auch im Präsidium des Dachverbandes selbst, der sich einer Frauenquote von 40 Prozent rühmt. „Der größte nicht gehobene Schatz im DOSB“, flattiert daher Präsident Thomas Bach, „liegt bei unseren Frauen.“

Nachahmern sei am Weltfrauentag im Dialog mit der Liebsten allerdings dringend empfohlen, auf die Möglichkeiten heikler Missverständnisse zu achten bei dem Satz: „Schatz? Heute geh ich einen heben!“