Vertragsende

HSV-Hoffmann verkommt zur lahmsten Ente der Liga

Der Aufsichtsrat spricht sich gegen den HSV-Vorstandsboss aus und begeht eine Eselei sondergleichen. Hoffmann verkommt zur lahmsten Ente der Liga.

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Seit Sonntagabend um kurz vor neun Uhr hat der Hamburger SV seine Zukunft aufs Spiel gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt gab der Aufsichtsrat bekannt, den Vertrag des Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann nicht zu verlängern. Rein formal betrachtet ein legitimer Akt. Genauer besehen eine Eselei sondergleichen. Denn wie steht der Klub nun da?

Bis zum Sommer müssen entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt werden, schließlich laufen acht Verträge aus und zehn derzeit verliehene Spieler müssen integriert oder weitergeleitet werden. Maßnahmen sind dringend nötig, schließlich spielt der HSV eine miese Saison. Hoffmann wird in seiner verbleibenden Amtszeit allerdings höchstens als lahmste Ente der Liga dem Ende entgegen flattern – wenn er denn nicht vorher hinschmeißt.

Überboten wird seine Machtlosigkeit nur noch von Sportdirektor Bastian Reinhardt, der im Sommer wieder zum Azubi wird und hinter seinem Nachfolger Frank Arnesen ins zweite Glied tritt. Der Däne steht bis zu seinem Amtsantritt allerdings noch bei, FC Chelsea unter Vertrag und wird wohl kaum nach Feierabend noch für den HSV aktiv werden. Und Trainer Armin Veh? Dessen Abgang spätestens zum Saisonende gilt als offenstes Geheimnis der Hansestadt ­- er wird einen Teufel tun, jetzt noch wegweisende Entscheidungen für seinen Noch-Arbeitgeber zu treffen.

Der Aufsichtsrat hat planlos gehandelt – und das ist kein Wunder. Er kann nicht souverän agieren, sondern besteht, zumindest zu Teilen, aus Marionetten. Denn der HSV ist der demokratischste Verein der Liga. Die Profiabteilung ist nicht ausgegliedert wie bei anderen Klubs, diesem Schritt verwehrten die Mitglieder stets die Zustimmung. Und so wird das höchste Gremium des Klubs von der Mitgliederversammlung gewählt. Das Ergebnis: Mit geschickter Lobbyarbeit platzieren Interessengruppen ihre Vertreter im Aufsichtsrat.

Mit Björn Floberg haben die „Supporters“, jenem mächtigen Fan-Dachverband mit über 50.000 HSV-Mitgliedern, ohnehin einen offiziellen Delegierten im Aufsichtsrat. Anfang Januar wurden mit Manfred Ertel und Hans-Ulrich Klüver zwei weitere „Supporters“-Kandidaten berufen. Und für den ebenfalls gewählten Ex-Präsident Jürgen Hunke sprachen zwei der größten Fanklubs zuvor eine Wahlempfehlung aus. Da die „Supporters“ klar gegen Bernd Hoffmann sind, ist es nicht verwunderlich, dass dieser vom zwölfköpfigen Gremium nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit bekam. Vier Räte waren ja schon per se gegen ihn.

Dieses Problem kann der HSV nur auf eine Weise lösen: Die Profiabteilung muss sich vom Restverein lösen, sich ausgliedern. Denn ein Sportverein funktioniert nicht als demokratisches Konstrukt. Es ist ein Wirtschaftsunternehmen wie ein Arzneimittelkonzern oder ein Autobauer – und dort werden die Chefs ja auch nicht von der Belegschaft gewählt. Das Problem: Dafür wäre eine Satzungsänderung nötig, und für die bedarf es der Zustimmung der Mitgliederversammlung. Die allerdings befand sich zuletzt fest in der Hand der „Supporters“. Und die werden sich ihre Macht über den HSV kaum nehmen lassen.