Wembley-Tor in Hamburg

Schiedsrichter-Boss Fandel fordert Chip im Ball

Die Bundesliga-Referees und -Trainer sprechen sich unisono für den Chip im Ball oder die Torlinien-Technik aus. Der Fußball-Weltverband hingegen sieht das anders.

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Videobeweis, Chip im Ball oder magisches Auge: Das Wembley-Tor von Marcell Jansen für den Hamburger SV gegen den FSV Mainz 05 (2:4) am Sonntag hat bei Trainern und Schiedsrichtern der Fußball-Bundesliga die Diskussion um technische Hilfsmittel neu angefacht. „Die Schiedsrichter sind keine Maschinen, und Fehler sind bei diesen Geschwindigkeiten menschlich. Im Sinne des Fußballs sollte man bei der für das Spiel wichtigsten Frage, ob der Ball im Tor war oder nicht, die menschliche Komponente herausnehmen“, sagte DFB-Schiedsrichter-Boss Fandel am Montag dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Er fügte hinzu: „Die Referees stehen immer am Pranger, wenn sie etwas nicht richtig sehen. Deshalb befürworten die deutschen Spitzenschiedsrichter schon lange den Chip im Ball.“ HSV-Mittelfeldspieler Jansen hatte in der 18. Minute aus zwölf Metern die Unterkante der Querlatte getroffen. Wie die TV-Bilder bewiesen, war der herunterprallende Ball eindeutig nicht mit vollem Umfang hinter der Torlinie. Schiedsrichter Babak Rafati entschied nach Rücksprache mit seinem Assistenten Christoph Bornhorst dennoch auf Tor.

„Ich bin und bleibe ein absoluter Verfechter der Video-Überwachung der Torlinie. Tore beeinflussen das Spiel ungemein, deshalb sollte man alle technischen Möglichkeiten nutzen, um Fehlentscheidungen zu minimieren“, sagte der Mainzer Trainer Thomas Tuchel, der froh sein konnte, dass das vermeintliche Tor nicht spielentscheidend war. Auch HSV-Coach Armin Veh plädierte für den Videobeweis: „Was technisch geht, sollte man auch umsetzen. Ehrlich gesagt kenne ich keinen Kollegen, der nicht für den Videobeweis ist.“

Die Bundesliga-Trainer fordern bereits seit Jahren, dass den Referees die Tor-Entscheidung von einem „magischen Auge“ abgenommen wird. „Es ist Fakt, dass die Trainer seit zehn Jahren bei der Torfrage die Einführung technischer Hilfsmittel fordern, weil sie ja wissen, dass es für das menschliche Auge teilweise nicht zu erkennen ist, ob der Ball die Linie überschritten hat. Ob aber wirklich jemals technische Hilfsmittel eingeführt werden, kann ich derzeit nicht sagen“, erklärte Fandel.

Während die Bundesliga-Referees und -Trainer unisono für den Chip im Ball oder die Torlinien-Technik plädieren, setzt der Weltverband Fifa auf den Einsatz von Torrichtern. Am Samstag entschied das International Football Association Board (IFAB) bei seiner Sitzung in Newport (Wales), die Torlinien-Technik vorerst nicht einzuführen und die Testperiode um ein weiteres Jahr zu verlängern.

Dafür werden bei der EM 2012 zusätzliche Schiedsrichterassistenten eingesetzt, um strittige Torraumszenen besser bewerten zu können. Zumindest scheint die Weltfirma Sony weiter an die Einführung des magischen Auges im Fußball zu glauben, da sie das Hawkeye-System einer britischen Firma gekauft hat, um es den Anforderungen der FIFA anzupassen.

Eine Entscheidung über die sogenannte Dreifachbestrafung nach einem Foulspiel im Strafraum des Gegners, wie es im DFB-Pokal-Halbfinale zwischen dem MSV Duisburg und Energie Cottbus sowie beim Bundesligaspiel VfB Stuttgart gegen Schalke 04 der Fall war, wurde nicht getroffen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte den Antrag gestellt, dass es neben dem fälligen Elfmeter anstelle einer Roten auch nur eine Gelbe Karte geben könne. „Wir hatten zuletzt wieder zwei Beispiele, die gezeigt haben, wie schwer es die Schiedsrichter mit dieser Regel haben. Der Schiedsrichter muss sich an die Regeln halten und den Spieler vom Platz stellen, obwohl er vielleicht lieber anders entscheiden würde“, sagte Fandel.