Nordische Ski-WM

Österreicher holt Skisprung-Gold auf der Großschanze

Gregor Schlierenzauer hat das Skispringen von der Großschanze bei der WM in Oslo gewonnen. Der mit Rang sechs beste Deutsche kündigte sein Karriere-Ende an.

Bundestrainer Werner Schuster ballte die Siegerfaust und Michael Uhrmann winkte lächelnd ins Publikum - doch bei der Flugshow des Österreichers Gregor Schlierenzauer waren die deutschen „Adler“ nur Statisten.

Während Schlierenzauer auf der Großschanze am Holmenkollen als erster Springer aus der Alpenrepublik seit 1987 Gold gewann und seinem Teamkollegen Thomas Morgenstern das historische Triple vermasselte, musste sich Uhrmann als bester Deutscher beim vorletzten WM-Auftritt seiner Karriere mit Rang sechs begnügen.

Der zweimalige Saisonsieger Severin Freund (Rastbüchl), Richard Freitag aus Aue und Martin Schmitt (Furtwangen) sorgten mit den Plätzen zwölf, 15 und 16 zwar für das beste WM-Teamergebnis auf einer Großschanze seit zehn Jahren, die erträumte Einzelmedaille verpassten Uhrmann und Co. dagegen wie beim Springen von der Normalschanze klar.

„Rang sechs ist in Ordnung“, sagte Uhrmann, und fügte an: „Wir werden jetzt im Teamwettkampf angreifen.“ Das Springen am Samstag wird Uhrmanns letztes bei einer WM. „Die WM am Holmenkollen war der Grund, weshalb ich überhaupt noch in diese Saison gegangen bin. Ich werde meine Karriere nach der Saison beenden“, sagte der 32-Jährige: „Nun will ich mit dem Team eine letzte Medaille.“

Schuster sprach von einem „sehr guten Wettkampf der Mannschaft. Wir haben vier Springer unter den besten 16, das haben sonst nur Österreich und Norwegen geschafft. Und gegen diese beiden Gegner wollen wir am Samstag noch einmal um eine Medaille springen. Ich hoffe, Severin Freund wird dabei beweisen, dass er mehr kann.“ Von der Normalschanze hatte Schusters Quartett Bronze gewonnen.

Normalschanzen-Weltmeister Österreich ist aber wohl auch am Samstag nicht zu schlagen: Schlierenzauers Coup bedeutete schon Gold Nummer drei im dritten Springen in Oslo. Der 20-Jährige sprang im Finale mit der Bestweite von 134,5 Metern noch von Rang vier nach ganz vorne und lag am Ende 0,3 Punkte oder umgerechnet rund 17 Zentimeter vor Morgenstern.

Der war als Führender in den zweiten Durchgang gegangen und träumte davon, als erster Springer überhaupt bei einer WM dreimal Gold zu gewinnen. Doch die 131 Meter im zweiten Abschnitt waren zu wenig. Als letzter Österreicher hatte vor 24 Jahren Andreas Felder auf der großen Schanze triumphiert.

Bronze ging beim Absturz der Norweger Anders Jacobsen und Anders Bardal, die nach dem ersten Durchgang auf Platz 2 und 3 Medaillen vor Augen hatten, an den viermaligen Olympiasieger Simon Ammann.

Uhrmann hatte nach Sprüngen auf 133 und 129 Meter umgerechnet sechs Meter Rückstand auf den Schweizer. Als Siebter des ersten Sprungs mit einem Rückstand von nur rund einem Meter auf Bronze noch Hoffnungen auf die erste Einzelmedaille seiner Laufbahn machen dürfen. Doch mit einem Sprung auf 129 Meter im Finale verpasste der 32-Jährige das Podium um umgerechnet rund sechs Meter.

Als Siebter des ersten Durchgangs durfte Uhrmann noch von einer Medaille träumen, lag er doch nur 1,9 Punkte oder rund einen Meter zurück. „Das war der erste Sprung, den ich auf der Schanze einigermaßen vernünftig erwischt habe. Ich hoffe, da geht noch was“, sagte er. Doch es ging nichts mehr.

Ganz anders als bei Schlierenzauer, der wegen einer Knieverletzung noch die Vierschanzentournee verpasst und lange mit Materialproblemen gekämpft hatte. „Es war ein schwieriges Jahr. Ich habe das noch nicht verarbeitet. Es war eine Saison voller Emotionen und etwas Größeres als ein WM-Sieg in Oslo gibt es nicht“, sagte er. Unmittelbar nach seinem Sprung hatte er vor 32.000 Fans in der ausverkauften Arena den Schnee geküsst.