Fussball

Drittligist Offenbach entlässt überraschend Trainer Wolfgang Wolf

So schnell wie möglich, so lange wie nötig: Unter dieses Motto hat Fußball-Drittligist Kickers Offenbach die Suche nach einem Nachfolger für den am Samstag gefeuerten Trainer Wolfgang Wolf gestellt.

„Er muss nicht in der Champions League gearbeitet haben, aber Erfahrung in der 2. oder mindestens 3. Liga sollte er schon haben", sagte Geschäftsführer Thomas Kalt am Sonntag. Wenige Stunden nach dem 1:1 zuvor beim Abstiegskandidaten VfR Aalen hatte der Tabellendritte die Reißleine gezogen. Die desaströse Leistung brachte das Fass für die Verantwortlichen zum Überlaufen. Nur zwölf Punkte aus den letzten zwölf Spielen lassen das Saisonziel Aufstieg immer unwahrscheinlicher erscheinen.

Nach 26 Spieltagen ist die Konkurrenz aus Braunschweig und Rostock um 17 beziehungsweise 13 Punkte enteilt. Der knapp vor den Rhein- Main-Nachbarn SV Wehen Wiesbaden behauptete 3. Relegationsplatz ist in ernster Gefahr. Auch Erfurt (42) mischt noch neben dem SVWW (43) nach dem 5:2 der Wiesbadener am Samstag gegen Heidenheim mit. Der Zeitdruck erhöht sich für die Kickers (44). Bereits am kommenden Freitag müssen sie die Weichen im Spitzenspiel gegen Erfurt stellen. „Wir wollen auch die aufkommenden Spekulationen schnell beenden und ein Zeichen für die Spieler setzen", erklärte Kalt. Ideen habe man entwickelt. „Weitere Äußerungen aber gibt es nicht."

Trainer saßen und sitzen beim Traditionsverein schon immer wie auf einem Schleudersitz. Allein im letzten Jahrzehnt versuchten sich 17 Übungsleiter, darunter Fußball-Lehrer wie Dragoslav Stepanovic, Peter Neururer, Jörn Andersen und Wolfgang Frank. Die meisten erlebten nicht das Ende ihrer regulären Dienstzeit. Wolf wollte sich durch die Krise kämpfen, darf es aber nicht mehr. „Wir Bedauern den Beschluss", hatten Kalt, Sportmanager Andreas Möller und Finanzchef Jörg Hambückers in einer Pressemitteilung mitteilen lassen. Sie hatten Wolf sofort nach der Rückkehr vom „schlechtesten Saisonspiel" (Kalt) zum finalen Rapport bestellt.

Der frühere Bundesliga-Coach hatte am 9. Februar 2010 als Nachfolger von Steffen Menze bei den Kickers angeheuert. Er galt als Garant für die Rückkehr in der 2. Liga. Im Mai 2010 verlängerte er noch bis Ende Juni 2012. Der Pokalsieg-Sieg im Elfmeterschießen gegen Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund war ein Höhepunkt von Wolf. Der Höhenflug wurde erst im Achtelfinale von Wolfs Ex-Club 1. FC Nürnberg gestoppt. In der Liga dagegen verlor Offenbach immer mehr an Boden, konnte kaum noch einmal an die Form der Vorrunde anknüpfen. Konzept- und ideenlos wurde das Kickers-Spiel bezeichnet. Am vergangenen Mittwoch hatte der Club noch Wolfs Wunsch entsprochen und Ex-Nationalspieler Manfred Binz als zusätzlichen Co-Trainer bis Saisonende eingestellt. Der 45-jährige frühere Eintrachtler hatte schon zwischen 2003 und

2008 für die Kickers als Assistenzcoach gearbeitet und soll bis zur Verpflichtung des Neuen zusammen mit Thomas Dudeck das Training leiten. Aber eine interne Lösung scheint bei den Kickers nicht mehrheitsfähig. Sportmanager Möller, der beim Oberligisten Viktoria Aschaffenburg Trainer-Erfahrung sammelte, hatte solches Ansinnen stets abgelehnt. Auch Binz scheint nicht die Lobby zu haben, um das schlingernde Kickers-Schiff wieder auf Kurs bringen zu können.