Eishockey

Meister Hannover Scorpions sucht das Super-Talent

Die Niedersachsen suchen mit einem Casting nach einem Profispieler, Ex-Trainer Hans Zach soll in der Jury sitzen. Die Konkurrenz kritisiert die Aktion.

Es hat einfach genervt irgendwann. Da wusste sich Marco Stichnoth einfach nicht mehr anders zu helfen, als dem jungen Mann, der ihn mit E-Mails bombardierte, ein Probetraining zu ermöglichen. Als Manager des Eishockeyklubs Hannover Scorpions kein Problem für ihn. Was Stichnoth dann sah, war zwar eher erbärmlich, aber es brachte ihn auf einen Gedanken.

Der wird nun in die Tat umgesetzt, konsequent. „Was beim Singen, Tanzen oder Schauspielen klappt, muss auch im Sport möglich sein“, sagen sie sich bei den Scorpions und veranstalten ein landesweites Casting unter dem Titel: „Generation Hockey – Hast du das Zeug zum Profi?“ An den ersten beiden Tagen liefen gleich 40 Anmeldungen ein.

Klingt alles ziemlich schräg, aber im Eishockey ist eben vieles möglich. Da spielte aus PR-Gründen bei den Eisbären Berlin einst sogar eine Frau mit im Erstligateam. Nur ganz kurz, aber viele erinnern sich heute noch daran. Bei den Scorpions immerhin ist die sportliche Perspektive langfristig angelegt.

Vier Runden bis 15. August

Ein Casting, wie es sonst aus dem Fernsehen bekannt ist, wird es daher auch nicht werden. Zwar dürfen sich die Kandidaten über reichlich mediale Begleitung freuen, und interessierte Beobachter könnten sich über Votings einbringen – „gläserne Vermarktung“ nennt sich das. Letztlich aber entscheidet eine aus Fachleuten – auch Meistertrainer Hans Zach ist im Gespräch – zusammengesetzte Jury über das Weiterkommen. Nach insgesamt vier Runden, die erste beginnt am 18. März, soll dann ein Feldspieler gefunden sein, der am 15. August einen Profivertrag bei den Scorpions erhält. „Wir richten uns an Spieler, die davon überzeugt sind, dass sie durch das Netz der Klubs, Spieleragenten und Talentsucher gerutscht sind“, erzählt Benedikt Weichert, der die Aktion leitet.

Für den, der weiß, dass es in Hannover nicht einmal ein Netz gibt, hat das auch einen unangenehmen Beigeschmack. Die Scorpions, der Meister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), betreiben kaum Nachwuchsarbeit. „Sie probieren jetzt etwas, das ist irgendwie gut“, sagt Peter John Lee, der Manager der Eisbären, einem Klub mit aufwendiger Nachwuchsförderung. Glücklich ist er mit der Aktion aber nicht, er fürchtet um die Seriosität der Liga: „Wir sind nicht im Showbusiness.“ Unterhaltung ist Sport aber allemal. Und Unterhaltsames bieten die Scorpions fraglos.

Vielleicht bekommen die Niedersachsen am Ende ja tatsächlich einen Spieler, der eine Perspektive in der DEL hat. Sie ziehen die Sache jedenfalls professionell durch, fünf Kandidaten werden im Sommer drei Monate lang gedrillt. In den nächsten beiden Jahren soll das wiederholt werden. Richtige Nachwuchsarbeit kostet mehr Geld.