Eishockey

Zach bringt sich als Bundestrainer ins Gespräch

Nach 44 Jahren ist Eishockey-Trainer Hans Zach im Ruhestand. Im Interview mit Morgenpost Online spricht er jedoch über eine Rückkehr an die Bande.

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Der prominenteste Trainer im deutschen Eishockey ist immer noch Hans Zach, obwohl der inzwischen gar nicht mehr aktiv ist. Nach dem Gewinn der Meisterschaft im April mit den Hannover Scorpions zog sich der kantige Bayer im Alter von 61 Jahren zurück. Ob für immer, steht nicht fest. Was sein neues Leben im Ruhestand ihm bietet und was passieren muss, damit er es wieder aufgibt, erzählt Zach im „Welt“-Interview.

Morgenpost Online: Herr Zach, seit gut einem halben Jahr arbeiten Sie jetzt nicht mehr als Trainer. Wer freut sich denn mehr darüber, Sie oder Ihre Frau?

Hans Zach: Wir fühlen uns beide wohl dabei. Aber wir machen da kein Palaver draus. Es war vorher in Ordnung und jetzt ist es das auch. Ich war 25 Jahre Trainer, bin seit 1966 im Eishockey-Job, das ist schon eine Zeit, da kann man mal eine Pause einlegen.

Morgenpost Online: Ist es denn das erste Mal, dass Sie zwischen Weihnachten und Silvester keinen Spielstress haben?

Zach: Ja, genau, seit 44 Jahren das erste Mal.

Morgenpost Online: Wissen Sie denn genug anzufangen mit Ihrer gewonnenen Freiheit?

Zach: Eigentlich habe ich für viele Dinge kaum Zeit, weil es immer wieder was zu tun gibt. Nicht mal zum Kartenspielen komme ich. Ich spiele ganz gern einen Schafskopf, einen gepflegten, aber das klappt nicht.

Morgenpost Online: Manche fallen in ein Loch, wenn die Hauptaufgabe plötzlich weg ist.

Zach: Ach was, wenn andere Leute so sind, ich habe überhaupt kein Problem. Ich bin ein ganz normaler Mensch, der mit dem Leben sehr gut zurecht kommt und fühle mich rundherum pudelwohl.

Morgenpost Online: Was treiben Sie denn so?

Zach: Ich habe ein Waldgrundstück, da mache ich Holz und lege einen Fischweiher an. Monatelang war ich jeden Tag im Wald. Im Frühjahr lasse ich die Fische ein.

Morgenpost Online: Haben Sie sich denn nie nach der Trainerbank zurück gesehnt?

Zach: Na, na. Dann hätte ich ja weitergemacht.

Morgenpost Online: Wie groß ist Ihr Abstand zum Eishockey mittlerweile?

Zach: Ich bin noch oft dabei, sehe viele Spiele, schaue daheim in Bad Tölz zu. Die spielen sehr erfolgreich in der Oberliga. Ich habe zwei Dauerkarten gekauft, um den Klub zu unterstützen. Das reicht.

Morgenpost Online: Was sagen Sie zur DEL? Die gibt ein ungewohntes Bild ab, alles ist sehr eng beisammen.

Zach: Woran das liegt, das ist schwer zu sagen. Die ganz großen Topausländer kommen nicht jedes Jahr, da braucht man Glück bei der Verpflichtung. Die deutschen Spieler drücken mehr nach. Für die Zuschauer ist es ideal. Die Spiele sind gut.

Morgenpost Online: Auch Ihr Nachfolger in Hannover, Anton Krinner, leistet gute Arbeit. Obwohl Ihr Erbe schwer wiegt.

Zach: Man muss das schon würdigen, was dort geleistet wird. Aber ich glaube nicht, dass das Erbe zu groß ist, weil er eine intakte Mannschaft bekommen hat, das ist alles reibungslos gegangen.

Morgenpost Online: Im nächsten Jahr gibt Uwe Krupp seinen Posten als Bundestrainer auf. Das wird auch keine leichte Nachfolge nach dem Erfolg.

Zach: Nach welchem Erfolg?

Morgenpost Online: Platz vier bei der WM in Deutschland war doch sehr gut, oder nicht?

Zach: Man muss aber sechs Jahre als Bundestrainer betrachten. Im Jahr davor wäre man noch abgestiegen. Der vierte Platz war sicher wirklich eine Superleistung, aber da hat sich alles hochgeschaukelt in der Heimat. Man darf allerdings nicht den Blick dafür verlieren, dass wir immer noch um den achten Platz kämpfen. Wer anders denkt, hat keine Ahnung.

Morgenpost Online: Könnte ein gutes WM-Abschneiden irgendetwas verändern im deutschen Eishockey?

Zach: Das hat keinen Einfluss. Wenn man die vergangenen zehn Jahre nimmt, kann man nur sagen, diese oder jene WM war gut oder nicht so gut; das ist eigentlich alles. Insgesamt hat sich im deutschen Eishockey in den vergangenen Jahren aber schon ein bisschen was verbessert, es kommt mehr Nachwuchs nach. Auch dank Uwe Krupp wurde eine bessere Basis gelegt. Jetzt muss man schauen, dass es weiter geht, dass Geld zur Verfügung steht im Nachwuchs.

Morgenpost Online: Könnten Sie sich vorstellen, Krupps Nachfolge anzutreten?

Zach: Wenn man sagt, wir brauchen den Hans Zach, der hat das vorher schon sechs Jahre lang gut gemacht, dann ist das ein Thema. Ansonsten nicht. Wissen Sie, ich bin nach wie vor der gleiche Hans Zach, hellwach und körperlich topfit, ein sehr ordnungsliebender Mensch. Ich weiß, wo alle meine Unterlagen von jedem Jahr liegen. Von Nullkommanull, von einem Tag auf den anderen kann ich loslegen. Wenn das richtige Angebot kommt oder die richtige Anfrage, dann bin ich bereit. Das dritte oder vierte Rad am Wagen werde ich aber sicher nicht sein.

Morgenpost Online: Da genießen Sie lieber die freie Zeit?

Zach: Als Trainer hatte ich mehr davon. Ich bin ja ein Workaholic, ich habe immer viel zu tun, ich gehe auf den Berg, ich gehe Langlaufen, ich räume Schnee jeden Tag. Wenn es passt, dann gehe ich noch fischen. Jetzt ist ja die Huchen-Zeit, das ist der edelste Fisch Deutschlands. Er beißt nur bei richtigem Sauwetter.